Backnang Der Name gerät zur Gretchenfrage

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Die Stadt Backnang lässt ihre neue Schwimmstätte von einem privaten Betreiber managen. Den Gemeinderäten war am wichtigsten, dass sie bei der Taufe des Bads mitreden dürfen.

Den Schwimmern wird es egal sein, wer das Bad betreibt, so lange alles stimmt. Foto: dpa
Den Schwimmern wird es egal sein, wer das Bad betreibt, so lange alles stimmt. Foto: dpa

Backnang - Die Stuttgarter Interspa-Gruppe, die bereits als Bauherr des neuen Familien- und Sportbades in Backnang auftritt, soll sich nach dessen Fertigstellung auch um das Tagesgeschäft kümmern. Dem klaren Gemeinderatsvotum mit nur einer Gegenstimme war allerdings eine lange Diskussion vorausgegangen. Der strittigste Punkt: Die Hoheit über die Namensgebung des Bades.

Rund ein Jahr lang hatte die Rathausspitze offenbar mit der Interspa verhandelt. Herausgekommen sei ein Vertragsentwurf, der die kommunalen Interessen berücksichtige, und bei Oberbürgermeister Frank Nopper und seinen Kollegen die Überzeugung, dass das private Unternehmen das Familien- und Sportbad wesentlich „kostengünstiger, professioneller und attraktiver“ betreiben könne als die Stadt.

Die nämlich wende zurzeit 740 000 Euro für den Unterhalt ihrer Bäder auf. Auch mit den neuen Schwimmstätten müsse man bei eigener Regie mit einem jährlichen Defizit von mindestens 500 000 Euro rechnen, unter der Betriebsführung der Interspa sei diese Summe auf maximal 380 000 begrenzt. Darüber hinaus liege das wirtschaftliche Risiko bei der Interspa. Wenn mehr Besucher kommen als kalkuliert, sei hingegen eine Rückvergütung vereinbart, die bis zu 100 000 Euro in die städtischen Kassen spülen könnte. Zudem seien mehr „Bahnstunden“ als bisher für die Schulen und Vereine vereinbart, und der private Betreiber verpflichte sich, die Eintrittspreise nicht höher zu gestalten als die lokale Konkurrenz in Winnenden, Schwäbisch Hall und Schorndorf. „Das heißt: Für rund die Hälfte der Betriebskosten erhalten wir deutlich mehr Bad“, lautete das Ergebnis der Nopperschen Rechnung.

Auch wenn Ulrich Jeggle vom Bürgerforum Backnang anmerkte, dass es 47 Jahre dauern werde, bis der vergleichsweise günstigere Unterhalt die Investition von rund 17 Millionen Euro aufwiegt – es waren nicht die Kosten, welche die Backnanger Stadträte zu einer teilweise hitzigen Diskussion anstachelten, sondern ein kostenfreies Detail, das sich der private Investor ausbedungen hatte: Die Stadt Backnang möge zur besseren Vermarktung des Bades berücksichtigen, dass der Name „Wonnemar“ in der Bezeichnung verwendet werde. Alle sechs von der Interspa gemanagten Bäder – in Wismar, Ingolstadt, Bad Liebenwerda, Sonthofen, Neu-Ulm und Marktheidenfeld – werden unter dieser Flagge geführt.




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