Backnang im Rems-Murr-Kreis Dieser Bauer vermietet seinen Acker an Hobby-Gärtner

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Der Landwirt Jürgen Benignus vermietet einen Teil seines Maisfelds in Backnang an Privatpersonen. Wie es zu der Idee kam und wie die Vermietung der Gartenparzellen funktioniert, lesen Sie hier.

Jürgen Benignus und Elisabeth Späth hatten die Gärtner-Idee. Foto: Frank Eppler
Jürgen Benignus und Elisabeth Späth hatten die Gärtner-Idee. Foto: Frank Eppler

Backnang - Auf ihre selbst angebauten Wassermelonen ist Elisabeth Späth besonders stolz. Schließlich sind es die ersten, die sie selbst angepflanzt hat – auf einer 100 Quadratmeter großen Ackerparzelle des Landwirts Jürgen Benignus, ganz in der Nähe des Backnanger Ungeheuerhofs. „Früher habe ich auf dem Balkon mal ein paar Tomaten angepflanzt, aber in diesem Jahr ist das schon was anderes“, sagt Späth lachend.

Auf dem Acker, den die Hobbygärtnerin aus Backnang gemeinsam mit einer Freundin bewirtschaftet, hat sie nicht nur Wassermelonen, sondern auch Salat, Tomaten, Zucchini, Möhren, Blumenkohl und anderes Gemüse angebaut. Und Späth war es auch, die Jürgen Benignus Anfang dieses Jahres überhaupt auf die Idee brachte, Teile seiner Flächen an Privatleute zu vermieten.

In einer Gruppe auf Facebook stieß die Idee auf großes Interesse

„Ich hatte gelesen, dass es solche Mietäcker an anderen Orten gibt, und fand das eine coole Idee“, erzählt sie. „Also habe ich in einer Facebook-Gruppe nachgefragt, ob andere Leute aus der Umgebung auch Interesse daran hätten.“ Die Resonanz sei groß gewesen, erinnert sich Elisabeth Späth. Schon nach ein, zwei Stunden hätten sich rund 50 Interessierte in der Online-Gruppe zusammengefunden. Auch Jürgen Benignus stieß auf den Facebook-Post – und war begeistert. „Ich habe Elisabeth über Facebook kontaktiert“, erzählt er. „Erst mal war das eher spaßig, aber dann haben wir ziemlich schnell entschieden, uns zusammenzusetzen.“

Benignus beschloss, einen Teil seines Maisfeldes abzuzweigen, um ihn Privatpersonen zum Gärtnern zur Verfügung zu stellen – das Projekt „Äggerle Benignus“ nahm Formen an. Der Landwirt und die Ingenieurin gestalteten eine Website und machten ihr Projekt über Facebook publik. „Im Mai ging es dann los“, erzählt Benignus – mit 24 Hobbygärtnern.

Der Backnanger Landwirt vermietet einen Teil seines Ackers

Für sie hat Jürgen Benignus sein Feld in 60 und 100 Quadratmeter große Parzellen eingeteilt. Jeden Gemüsegarten hat der Landwirt zu Beginn der Saison mit je zwei Reihen Kartoffeln und Zwiebeln bepflanzt. Was ansonsten auf den Feldern angebaut wird, bleibt den Bewirtschaftern selbst überlassen. Die kleinen Gemüsegärten mit 60 Quadratmetern kosten 119 Euro pro Saison, die 100- Quadratmeter-Gärten 178 Euro.

Kenntnisse der Landwirtschaft brauchen die Hobbygärtner nicht. Grundlegende Informationen über den Gemüseanbau, die Pflanzenpflege und das Unkrautjäten bekommen sie von Jürgen Benignus in einer Einführungsveranstaltung. Und auch während der Saison gibt der Landwirt gerne Tipps und beantwortet Fragen – auch per Telefon.

„Der Dialog zwischen Mensch und Landwirtschaft ist etwas eingeschlafen“

Denn ihm ist es wichtig, den Menschen die Landwirtschaft näher zu bringen. „Ich denke, der Dialog zwischen Mensch und Landwirtschaft ist etwas eingeschlafen, und durch das Projekt kommt wieder ein neuer Kontakt zustande“, sagt Benignus. „Die Leute sehen, welche Mühe es macht, bis man sein Gemüse in der Hand hat, und sie bekommen eine andere Wertschätzung für Lebensmittel.“

Aktuell bewirtschaften die Backnanger Hobbygärtner etwa 2000 Quadratmeter Ackerfläche. Die meisten haben Gemüse angebaut, ein paar auch Wassermelonen oder Blumen. Wenn jemand im Urlaub sei, helfe man sich gegenseitig und übernehme zum Beispiel das Gießen, erzählt Benignus. Chemisch-synthetische Dünge- oder Pflanzenschutzmittel seien tabu. Außerdem dürften nur Bio-Saatgut und Bio-Jungpflanzen eingesetzt werden.

Das Gärtnern auf dem Mietacker dient vor allem der Entspannung

Bei dem Projekt gehe es nicht um „extreme Gardening“, also den höchstmöglichen Ertrag, betont der Landwirt. Die Menschen sollten vielmehr Entspannung in der Natur und der Gartenarbeit finden.

„Gerade während der Corona-Hochphase hatten viele auch mehr Zeit und waren häufig auf dem Acker“, erzählt Elisabeth Späth. „Ich glaube aber, dass das Interesse auch ohne Corona bestehen bleibt.“ Schließlich könne man auf dem eigenen Acker Gemüse anbauen, „bei dem man weiß, was drin ist und das gesund, lecker, regional und selbst gemacht ist“. Außerdem lasse sich durch das eigene Gemüse viel Geld sparen.

Derzeit werden in den Gemüsegärten am Backnanger Ungeheuerhof Kartoffeln geerntet. Im Oktober endet die Saison. Doch schon jetzt haben Elisabeth Späth und Jürgen Benignus die ersten Interessenten fürs nächste Jahr, zehn Anmeldungen gebe es bereits.




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