Backnang Statik ist auch beim Abriss wichtig

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Das alte Murrtalviadukt soll mit einiger Verspätung, aber noch in diesem Jahr, abgerissen werden. Die Aufgabe ist für das Regierungspräsidium keine leichte.

Noch stehen das alte und das neue Viadukt nebeneinander. Foto: Frank Eppler
Noch stehen das alte und das neue Viadukt nebeneinander. Foto: Frank Eppler

Backnang - Seit August vergangenen Jahres hat das alte Murrtalviadukt – 1937 errichtet, im Krieg zerstört und 1949 wieder aufgebaut – ausgedient. Direkt neben der betagten Bundesstraßenbrücke ist ein 420 Meter langes und 25 Meter hohes Betonbauwerk errichtet worden, über das der Verkehr längst rollt. Eigentlich hätte das alte Viadukt bereits zum Jahresende 2011 abgerissen werden sollen. Nun will man das Vorhaben mit rund einem Jahr Verspätung endlich angehen.

Zwar war der Auftrag für den Abbruch schon vor gut zweieinhalb Jahren gemeinsam mit dem Bau der Ersatzbrücke erteilt worden, doch der Rückbau hat sich für das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart, das die Maßnahme im Auftrag des Bundes koordiniert, als deutlich komplexer erwiesen, wie ursprünglich angenommen.

Ein Problem sei mittlerweile zwar gelöst. Die Brückenabdichtungen, die sich als schadstoffbelastet herausgestellt hatten, seien abgefräst und fachgerecht entsorgt worden, sagt Matthias Kühnel vom zuständigen Waiblinger Baubüro des RP. Doch das Hauptproblem ist die Statik, die unterschiedlichen Lastzustände, die in den einzelnen Abrissphasen berücksichtigt werden müssen. Die Brücke könne schließlich nicht einfach gesprengt oder abgesägt werden. Man werde sie vielmehr Stück für Stück abtragen. Um nicht das Leben von Bauarbeitern oder Anwohnern zu gefährden, müsse das zuvor peinlich genau simuliert und durchgerechnet werden.

Beim Überprüfen des Abbruchkonzeptes habe man festgestellt, dass das Gelände unterhalb der Brücke für die ursprünglich vorgesehenen Raupenkräne nicht tragfähig genug sei. Eine aufwendige Gründung habe man aus Kostengründen verworfen. Besonders aufpassen, dass die Brücke nicht wie ein Kartenhaus zusammenbricht, müsse man, weil im Laufe der Jahre verschiedene Materialien verbaut wurden: in den 30er-Jahren Beton, in den 40-ern Stahl und in den 70er-Jahren Leichtbeton. Deshalb habe man sich nun entschlossen, in den Abriss Spezialisten aus verschiedenen Gewerken einzubinden.

Diese sollen unter der Regie des Hauptunternehmers Max Bögl aller Voraussicht nach „noch in diesem Jahr“ anrücken. Auf einen genauen Termin will sich Matthias Kühnel nicht festlegen lassen. Etwa fünf Monate werde es dauern, bis die Sache erledigt ist. Und die Kosten? Auch die seien schwierig zu beziffern, weil man die Rückvergütung der „Wertstoffe“ wegen des stark schwankenden Stahlpreises nur schwer abschätzen könne, sagt Kühnel. Der Kostenrahmen indes ist weitgehend vorgegeben. Der Abriss ist in die 15-Millionen-Euro-Gesamtrechnung für den Neubau schon einkalkuliert worden.

Und noch einem Anliegen soll Rechnung getragen werden. Das Regierungspräsidium hat einer Initiative um den Vorsitzenden des Heimatvereins Hobagrezr, Michael Keil, seine Unterstützung zugesagt. Keil setzt sich dafür ein, dass Teile des Bauwerks in Form eines Denkmals erhalten bleiben. Schließlich habe das Viadukt, das ursprünglich als die viertgrößte Eisenbetonbogenbrücke Deutschlands gebaut wurde, das Backnanger Stadtbild über Jahrzehnte hinweg geprägt.

Geplant ist jetzt, einen Stahlgelenkausschnitt in ein Fundament zu gießen und eine Betonstütze von vier Meter Höhe zu erhalten. „Wir helfen Herrn Keil, wo wir können“, versichert Matthias Kühnel, „nur dürfen dadurch keine immensen Mehrkosten entstehen, die der Steuerzahler tragen müsste.“ Etwaige Sponsoren seien daher herzlich willkommen.