Backnang Tesat-Beschäftigte auf der Straße

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Mehrere hundert Mitarbeiter der Backnanger Firma Tesat-Spacecom protestierten gegen die Umbaupläne des EADS-Konzerns. Der Betriebsrat fordert: „Keine Kündigungen“. Am 9. Dezember soll entschieden werden.

Mehrere hundert Tesat-Mitarbeiter protestieren in Backnang. Foto: Gottfried Stoppel
Mehrere hundert Tesat-Mitarbeiter protestieren in Backnang. Foto: Gottfried Stoppel

Backnang - Die Backnanger Firma Tesat-Spacecom ist ein florierendes Unternehmen – eigentlich. Der zur EADS-Gruppe gehörende Spezialist für Satellitentechnik macht knapp neun Prozent Umsatzrendite. Aktuell stehen gut 1200 Männer und Frauen auf den Gehaltslisten des erst 2001 mit rund 600 Beschäftigten gegründeten Unternehmens. Trotzdem befürchten viele Mitarbeiter Ungemach, denn die Mutter EADS wird zurzeit komplett umgebaut.

Momentan könne sich Tesat vor Aufträgen kaum retten, sagt der Betriebsratsvorsitzende Franz Matyas am Donnerstagmittag bei einer Protestaktion vor dem Werkstor. Deshalb seien mehr Mitarbeiter nötig, nicht weniger. Der Betriebsrat hatte zusammen mit der IG Metall zu der Aktion aufgerufen – um gegen den Umbau von EADS zu demonstrieren. Medien in ganz Europa berichten seit kurzem von einem Streichkonzert, das angeblich unmittelbar bevorstehe und berufen sich dabei auf „informierte Kreise“. In diesen Meldungen ist von „bis zu 9000 Stellen“ die Rede, die akut bedroht seien. Der Konzern mit zusammen rund 45 000 Beschäftigten hat angekündigt am Montag, 9. Dezember, Details bekannt zu geben.

Betriebsrat: Tesat ist kerngesund

Während der Kundgebung in Backnang, zu der in der Mittagspause mehrere hundert Tesat-Beschäftigte auf einem Parkplatz gekommen sind, kritisiert der Betriebsratsvorsitzende, dass die Angestellten – auch die leitenden Mitarbeiter – über die internen Verhandlungen des deutsch-französischen Konzerns nicht informiert würden. „Keine Angaben über Standorte, keine Informationen über Zuständigkeiten und schon gar nichts zur Belegschaft.“

Tesat sei kerngesund. Es sei aber zu befürchten, dass Abteilungen wie das Marketing, der Verkauf, das Personalwesen und die IT ausgelagert, beziehungsweise mit denen anderer Unternehmen zusammengelegt werden könnten. Dann, so Matyas am Rande der Veranstaltung, stünden in Backnang rund 200 Jobs zur Disposition. Der EADS-Chef Tom Enders habe „drastische Einschnitte“ und „harte Maßnahmen“ angekündigt. An diesem bundesweiten Aktionstag, der an allen EADS-Dependancen über die Bühne geht, stünden die Mitarbeiter „symbolisch außerhalb des Firmengeländes“. Denn die Belegschaft spiele bei der Umorganisation keinerlei Rolle.

IG Metall: ein Bauklotzgeschiebe à la Lego

Matyas’ Forderung ist eindeutig: „Keine Kündigungen.“ Erst nach dieser Zusage sei der Betriebsrat bereit, „den Umbauprozess konstruktiv zu begleiten“. Susanne Thomas von der IG Metall in Waiblingen sagt, die Konzernspitze betreibe zureit „ein Bauklotzschieben à la Lego“, das sei unprofessionell und „eine Schande“. Der Respekt vor den Mitarbeitern fehle. Dann malt die politische Sekretärin der Gewerkschaft ein Schreckensbild an die Wand. Sie sagt: sollte „der Fall X“ eintreten, dann hätte Backnang „eine weitere Industriebrache“.

Die Pressesprecherin von Tesat, Christiane Rausch, sagt auf Anfrage, dass sie zurzeit leider noch gar nichts sagen könne. Auch sie werde erst am 9. Dezember informiert. Anders der Wirtschaftsbeauftragte der Stadt. Ralf Binder erklärt am Telefon, er mache sich keine Sorgen um den Standort. Es werde wohl keinen weiteren Aufbau von Arbeitsplätzen geben, aber auch keinen Rückgang. Womöglich ist bei dieser Aussage auch der Wunsch Vater des Gedankens.