Im ausverkauften Bürgerhaus präsentiert die schwäbische Folkrock-Band Wendrsonn ihre neue CD „Reigschmeckter“. Die Fans toben und auch ganz oben dürfte einer sehr zufrieden sein: der vor zehn Jahren verstorbene Wolle Kriwanek.
Backnang - Sie hatten schon ein bisschen Bammel. Klar – in Backnang und Umgebung haben Biggi Binder, Markus Stricker und ihre Musikerkollegen von der lokalen Folkrock-Band Wendrsonn einen Haufen Fans. Das wissen sie nicht erst seit gestern. Aber ist das Bürgerhaus, die gute Stube der Murrstadt, nicht vielleicht doch eine Nummer zu groß? Solche Gedanken sind den Schwabenrockern in den vergangenen Wochen immer mal wieder durch den Kopf gegangen.
Kurz bevor das Konzert zur Vorstellung der neuen Wendrsonn-CD am Samstagabend beginnt, sind diese leisen Zweifel freilich längst verflogen. Der von der Stuttgarter Zeitung präsentierte Gig war seit Tagen ausverkauft. Lange bevor die Bandmitglieder und ein paar Gastmusiker die Bühne betreten, ist der Saal picke packe voll. Viel Lokalprominenz lässt sich blicken, etwa der SPD-Kreisvorsitzende Jürgen Hestler und Thomas Kuntz, Gemeinderat in Althütte und Rektor der Korber Keplerschule. Die meisten Gaste kann man beim besten Willen nicht mehr als Jugendliche bezeichnen, sie sind ganz offenkundig zufrieden, dass der Saal komplett bestuhlt ist. Denn sie wissen: unter drei Stunden macht’s Wendrsonn selten.
Ein kurzes Solo als Intro und die Menge tobt
Schlag 20 Uhr betreten Binder und ihre Kollegen die Bühne – die Sängerin mit der grandiosen Stimme schmettert als Intro ein kurzes Solo, die Menge tobt – soweit das sitzend eben möglich ist. Stricker hüpft immer wieder wie ein Gummiball über die Bühne, er wechselt die Instrumente, mal singt er, mal einer der Kollegen, mitunter sitzt Binder am Piano. Wendrsonn spielt alle 13 Songs der brandneuen CD „Reigschmeckter“: richtig rockige Nummern wie „Dorfdisco“, balladenhafte Stücke wie „Schuhkarton“ und das grandiose Instrumentalstück „Tritt sich fest“, bei dem der Ausnahmegeiger Klaus Marquardt sein ganzes Können zeigen darf. Ein Mitglied des Fanclubs Wendrfreind, gut zu erkennen am knallroten T-Shirt, grinst, dreht sich zu seinem Kumpel um und fragt ihn: „Wer ist eigentlich David Garrett?“
Binder erzählt, wie manche Stücke entstanden sind: Beim Bad putzen sei ihr eine „einfache Melodie“ eingefallen. Ein Anruf bei Markus, Hörer ans Telefon gehalten und in die Klaviertasten gegriffen. Wenig später sei Stricker dann bei ihr daheim aufgekreuzt und habe für die neue Melodie einen „poetischen Text“ im Gepäck gehabt.
Erst gegen 23 Uhr ist Schluss
Wendrsonn spielt „Nemme dees“ und den „Räubertanz“ und zusammen mit Matthias Ulmer von Anyone’s Daughter „I`ll never walk that road again“. Nach mehr als 20 Titeln und schließlich der Zugabe „Da bin i dahoim“ ist gegen 23 Uhr Schluss. Draußen im Foyer gehen die CDs weg wie warme Semmeln. Und auch ganz oben dürfte einer sehr zufrieden sein mit Wendrsonn – der vor zehn Jahren verstorbene Wolle Kriwanek. Der Backnanger hat einst den schwäbischen Dialekt bluesfähig geknetet.