Backnanger Pädagoge So will ein Ex-Schulleiter das Lesen fördern

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Der pensionierte Leiter der Taus-Schule, Ulrich Schielke, ist seit einem Jahr Landesvorsitzender des Friedrich-Bödecker-Kreises. Er hat große Pläne.

Ulrich Schielke hat die Backnanger Litera-Tour erfunden, die weit und breit größte Kinder- und Jugendliteraturwoche. Foto: Gottfried Stoppel
Ulrich Schielke hat die Backnanger Litera-Tour erfunden, die weit und breit größte Kinder- und Jugendliteraturwoche. Foto: Gottfried Stoppel

Backnang - Seine größte Aufmerksamkeit gilt eigentlich den Buchstaben. Trotzdem hat sich Ulrich Schielke in den vergangenen Monaten sehr viel mit Zahlen auseinander setzen müssen. Der 69-jährige Pädagoge, der bis 2012 Leiter der Backnanger Taus-Schule war, ist seit genau einem Jahr Landesvorsitzender des Friedrich-Bödecker-Kreises, einem Verein, der sich der Literaturvermittlung verschrieben hat. Als er diesen Ehrenamtsposten im Februar 2017 angetreten habe, sei die finanzielle Situation des Bödecker-Kreises keine rosige gewesen, sagt Schielke.

Der 1979 auf Landesebene gegründete Verein habe nun erreicht, dass das Kultusministerium künftig per anno 131 000 Euro springen lässt – statt rund 113 000 Euro im Vorjahr. Sein Ziel sei es, in den verbleibenden drei Jahren als Vorsitzender bei Sponsoren weitere Gelder aufzutreiben. Und auch das Ministerium, sagt er, müsse langfristig weitere Mittel bereitstellen. Derzeit reichten die Gelder, um jährlich an rund 550 Schulen Lesungen von Schriftstellern zu organisieren. Schielke sagt, es sei keinesfalls unrealistisch, diese Zahl auf 800 zu steigern, womöglich sogar auf 900.

Fremde Welten entdecken

Schielke ist ein ausgewiesener Experte in Sachen Leseförderung. Man könnte ihn als die Idealbesetzung für den Job beim Bödecker-Kreis bezeichnen. Schließlich hat er die Backnanger Litera-Tour erfunden, die weit und breit größte Kinder- und Jugendliteraturwoche, die seit 1990 alle drei Jahre in Backnang gefeiert wird.

Schielke sagt, es sei zweitrangig, was Kinder lesen. Er selbst lese auch nicht so viele Bücher, sondern lieber Zeitungen und Zeitschriften. Entscheidend sei, dass Schüler überhaupt lesen, gerne auch Comics. Es müssten auch nicht unbedingt gebundene Bücher sein, wer lieber E-Books lese, bitte schön – auch das sei gut. Viele Schüler, die Autoren treffen, würden zum Lesen angeregt. Und wer regelmäßig lese, der erweitere seinen Wortschatz, schreibe grammatikalisch korrekt, fördere seine Fantasie, lerne zu argumentieren, bilde sich eine eigene Meinung und entdecke – quasi ganz nebenbei – andere, fremde Welten. Das hätten wissenschaftliche Studien belegt. Während der Litera-Tour wollen die Veranstalter möglichst alle Schüler in der Murrstadt mit dem Lesevirus infizieren. Das gelinge in Backnang seit bald drei Jahrzehnten, mit einem Budget von rund 70 000 Euro, das größtenteils von der Stadt und von Sponsoren getragen wird. Was in Backnang gelinge, das sei auch andernorts möglich, sagt Mister Leseförderung.

Ulrich Schielke hat eine Vision

Der Bödecker-Kreis habe drei Städte in das Bundesprogramm „Kultur macht stark“ gebracht. An den drei beteiligten Schulen in Bietigheim-Bissingen, Stuttgart und Hausach arbeite jeweils ein Schriftsteller fast ein ganzes Schuljahr lang im Unterricht mit. In Reichenbach an der Fils sei in Kooperation mit einer örtlichen Stiftung ein Projekt gestartet worden.

Ulrich Schielke sagt, er habe eine Vision: eines Tages sollten möglichst alle Heranwachsenden in Baden-Württemberg während ihrer Schulzeit dreimal einen Schriftsteller treffen, einmal in der Grundschulzeit, zweimal an einer weiterführenden Schule. Er wolle einen Gönnerkreis aufbauen, möglichst viele Menschen und Organisationen gewinnen, die regelmäßig kleinere oder auch größere Summen springen lassen. Wer weiß, vielleicht klopft der umtriebige Senior demnächst mal bei seinem Zwillingsbruder an. Joachim Schielke ist Vorsitzender der Wüstenrot-Stiftung.