Backnanger Stuben Ein Trio bringt frischen Wind

Von Harald Beck 

Seit wenigen Wochen sorgt ein junges Team mit internationaler Erfahrung für frischen Wind in der Backinanger Stuben im Bürgerhaus.

Im einstigen Bahnhofshotel lässt sich heute prächtig speisen. Foto: Stoppel
Im einstigen Bahnhofshotel lässt sich heute prächtig speisen. Foto: Stoppel
Stuttgart - Die gute Stube der Stadt, die soll in aller Regel etwas hermachen. Das gilt auch für die Backnanger Stuben, das im Besitz der Stadt befindliche Restaurant im dortigen Bürgerhaus. Mit Sascha Wolter, Michael Dietl und der Nachspeisenspezialistin Marika Schneider sorgt seit Mitte Februar ein junges Team mit internationaler Erfahrung für frischen Wind im einstigen Bahnhofshotel. Ein Bau mit bewegter Geschichte, der anno 1922 vom Lederfabrikanten Fritz Schweizer zum Konzert- und Theatersaal und vor 23 Jahren von der Stadt Backnang zum Bürgerzentrum grundsaniert worden ist. Mit eher konservativem Holztäfelcharme und gediegen-edlem Ambiente wartet die Backnanger Stuben auch nach der jüngsten Frischzellenkur noch immer auf.

Unter dem Motto "ein kulinarisches Trio bittet zu Tisch" ist es eine erfreulich frische Brise, die die drei in die gute Stube blasen, ohne dabei - mit Maultaschen oder Rostbraten in variabler Gewichtsklasse - die schwäbische Küche zu vernachlässigen. Wir akklimatisieren uns mit einem trockenen Sherry (4,50 Euro) und Prosecco (3,50 Euro). Und werden gleich angenehm überrascht vom Grüßle des Hauses, einer kleinen, aber beeindruckenden Entenleberterrine mit gefrorenem Joghurt.

Die Wachtel, in Haselnussöl gegart mit Sellerie, Gänsestopflebereis und Kakao (13,50 Euro) ist tadellos und offenbart nebenbei die Liebe der Küche zum geschmacklichen Kontrapunkt. Die Sauerkrautcremesuppe mit Kartoffel-Ochsenschwanz-Maultasche (9 Euro) behagt mit cremig abgerundeter Sauerkrautsäure. Beim Zander mit Meerrettichsauce, Kartoffelstampf mit Blutwurst, Kapern und eingelegten Senfkörnern (21 Euro) gerät die Begleiterin regelrecht ins Schwärmen. Beim ebenfalls hervorragenden Kaninchenragout mit Kartoffelravioli (13 Euro) ließe sich allenfalls an der arg bissfest gewordenen Ummantelung der Ravioli etwas mäkeln. Die hochwertig bestückte Weinkarte gibt unter anderem den Dreisternemerlot aus Untertürkheim und den Spätburgunder aus dem Haus der Grafen Neipperg (je 11,50 Euro, 0,25 l) her, die nett ergänzen.

Bevor wir uns gedanklich mit dem Desert beschäftigen, folgt abermals eine kleine Überraschung. Quasi als Hinweis auf die Fertigkeiten im Dessertbereich präsentiert der unaufdringlich aufmerksame Service ein wirklich nettes Probiererle vom Mus aus Passionsfrucht mit Himbeersorbet. Das allerdings noch klar getoppt wird vom eigentlichen Dessertarrangement aus lauwarmem Schokokuchen mit Ananascarpaccio und geschmorter Banane (12 Euro). "Zum Neiliega", würde der Schwabe dazu sagen. Aber nicht genug: der Ziegenblauschimmelkäse mit Honigpaté de Fruit, knusprigem Honig und Radicchiosorbet (12 Euro) ist eine echte Herausforderung an den Gaumen. Die Extreme zwischen scharf-würzig, süß und bitter, quasi in Reinkultur nebeneinander. Bildhübsch dekoriert, ganz klasse, wie der ganze Abend - aber da fühlen wir uns am Ende gaumentechnisch doch fast ein bissle überfordert.

Backnanger Stuben, Bahnhofstr. 7, 75222 Backnang, Tel. 07191/9127937, Montag bis Sonntag 11.30 bis 14.30 Uhr und 18 bis 24 Uhr.

Die Bewertung


Küche ****

Service ****

Ambiente ***

***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.