Backnanger vor Gericht Angeklagter räumt sexuelle Belästigungen und Körperverletzungen ein
Vor dem Landgericht Stuttgart muss sich ein 33-jähriger Backnanger verantworten, der möglicherweise in einem Zentrum für Psychiatrie untergebracht wird.
Vor dem Landgericht Stuttgart muss sich ein 33-jähriger Backnanger verantworten, der möglicherweise in einem Zentrum für Psychiatrie untergebracht wird.
Der kräftige Mann auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts lächelt und nickt allen Anwesenden zu, als er in den Gerichtssaal geführt wird. Doch es gibt auch eine andere Seite an ihm, die er unumwunden einräumt. Im vergangenen Jahr hat er drei Frauen und einen Mann im Zentrum für Psychiatrie sexuell belästigt, zudem vier Menschen in Backnang mehr oder weniger schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm insgesamt acht Taten der sexuellen Belästigung, einfachen und schweren Körperverletzung vor. „Diese Taten habe ich begangen. Es tut mir leid und war keine böse Absicht, mir ging es in der Zeit nicht gut“, erklärte der 33-Jährige zu Beginn des Prozesses.
Es sind nur Bruchstücke aus seinem Leben, die am ersten Prozesstag bekannt werden. Der Backnanger hat in seiner Jugend einige Zeiten in diversen Wohngruppen verbracht, auch Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken gab es bereits mehrere in seinem Leben. Bis Oktober vergangenen Jahres lebte er in einer Obdachlosenunterkunft in Backnang, ehe er zunächst in Untersuchungshaft kam und seit wenigen Tagen im Zentrum für Psychiatrie in der Weissenau untergebracht ist. Ob er dort längerfristig bleiben muss, wird sich in diesem Prozess zeigen, in dem auch ein psychiatrischer Gutachter von der 17. Großen Strafkammer bestellt worden ist.
Der Backnanger räumte ein, dass er Anfang Januar vergangenen Jahres eine Bekannte im Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Winnenden einen ganzen Abend lang verfolgt hatte, um ihr einen Kuss zu geben. Dies hatte er zuvor schon probiert, als er sie an sich gezogen hatte und ihr „Mein Sonnenschein, ich liebe dich“ gesagt hatte. Eine andere Bekannte hat er wenige Tage später ebenfalls küssen wollen, nachdem er ihr seine Liebe gestanden hatte. Dieser gelang es, ihn wegzustoßen.
Einer dritten Bekannten griff er drei Wochen später im Gemeinschaftsraum und auf der Dachterrasse von hinten an die Brüste und den Po und küsste sie, was von dieser als eklig empfunden wurde. Auch einem ihm bekannten Mann streichelte der 33-Jährige wenige Tage später gegen dessen Willen von hinten über die Haare bis zur Hüfte hinunter.
Im September vergangenen Jahres stieß er in der Fußgängerzone in Backnang eine junge Mutter, die mit ihrem Kinderwagen unterwegs war, mit den Händen zu Boden. Eine Woche später verfolgte er eine andere Frau im Abstand von nur zwei Metern in der Backnanger Innenstadt. Als diese die Straßenseite wechseln wollte, sprang er sie an und riss ihr ein Büschel Haare aus. Wiederum nur acht Tage später boxte er einer Frau in der Fußgängerzone von Backnang mit der Faust von hinten gegen das Schulterblatt. Der schwerste Vorfall ereignete sich Ende September: Hier schlug er in der Grabenstraße in Backnang einer Autofahrerin mit voller Wucht die Autotür zu, als diese gerade dabei war, in ihr Auto einzusteigen. Sie erlitt Verletzungen am Kopf und einem Bein.
Der Backnanger erklärte, er habe alle Frauen gekannt und gemocht. Allerdings hätten diese Frauen Tage später auch ihm etwas angetan und ihn sexuell belästigt. Sehr ausführlich und ausufernd schilderte er angebliche Treffen in Eisdielen und im Schlafzimmer der Frauen. Die Vorsitzende Richterin Jasmin Neher-Klein deutete an, dass sie all das nicht für glaubhaft halte. „Kann es sein, dass sie sich das alles nur gewünscht haben?“, fragte sie. Verteidiger Jens Rabe erklärte, sein Mandant habe oft die Vorstellung, dass die Dinge ausgeglichen seien, wenn es bei gegenseitigen Verletzungen eins zu eins stehe. – Der Prozess wird am 4. April fortgesetzt, das Urteil soll am 9. Mai verkündet werden.