Bad Cannstatt Was die Seelbergstraße zur Hochburg der Parksünder macht

Das Parkverbot in der Seelbergstraße wird permanent ignoriert. Foto: Nagel

Im ersten Halbjahr 2022 wurden bereits mehr als 1700 Verstöße geahndet. Die Stadt erhofft sich Besserung mit der Einrichtung einer Fußgängerzone.

Die Landeshauptstadt wird 2024 einer von zehn Austragungsorten der Fußball-Europameisterschaft sein. Bis dahin wird nicht nur die Mercedes Benz-Arena für mehr als 100 Millionen Euro umgebaut. Auch der Bahnhofsplatz in Bad Cannstatt, der heute unsortiert und völlig zugestellt ist, soll zu einem urbanen Aufenthaltsraum und attraktiven Eingangstor in den Stadtbezirk umgestaltet werden. Rund 5,8 Millionen Euro nimmt die Stadt dafür in die Hand. Die wesentlichen Umgestaltungsmaßnahmen werden 2023 umgesetzt.

 

In diesem Zusammenhang wird auch die Seelbergstraße – zumindest in Teilen – ein neues Gesicht erhalten. Einem Antrag der Grünen und der Fraktionsgemeinschaft Die Fraktion hat der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik im März 2022 zugestimmt. Dieser sieht eine sogenannte Pop-up-Fußgängerzone im Abschnitt Frösnerstraße bis Waiblinger Straße vor, die spätestens mit dem Baubeginn am Bahnhofsvorplatz eingerichtet werden soll. Die Fußgängerzone soll als Verkehrsversuch über einen Zeitraum von zwei Jahren laufen.

Parkverbot wird von vielen ignoriert

Nicht zum ersten Mal wird die knapp 200 Meter lange Einkaufsstraße, in der auch viele Arztpraxen angesiedelt sind, umgestaltet. Zuletzt im Jahr 2013, als der Gehweg auf der Südseite verbreitert wurde. Das hatte allerdings zur Folge, dass Stellplätze wegfielen und seitdem auf dieser Straßenseite ein eingeschränktes Halteverbot von 18 bis 11 Uhr herrscht. Dabei sind Ladevorgänge bis zu drei Minuten erlaubt. Von 11 bis 18 Uhr besteht dagegen ein absolutes Halteverbot.

Doch von Anfang an wurde das Parkverbot im großen Stil ignoriert. Vor allem am Wochenende. Im ersten Jahr nach Fertigstellung der Umgestaltung wurden bereits mehr als 2000 „Knöllchen“ verteilt, 2017 waren es bereits 3324. „Wir können in der Seelbergstraße nicht Tag und Nacht kontrollieren“, klagte damals Joachim Elser, Leiter der Verkehrsüberwachung beim Ordnungsamt. Mehr als täglich eineinhalb Stunden Kontrolle seien nicht drin. Und am Wochenende schaut die Polizei nach dem Rechten.

Stadt widerspricht einer angeblichen Kapitulation

Gegen die vielen Falschparker ist die Stadt offenbar machtlos, kapituliert hat sie jedoch nicht. Mit diesem Vorwurf wurde die Stadtverwaltung schon oft durch den Bezirksbeirat Bad Cannstatt konfrontiert. „Die Mitarbeitenden der Verkehrsüberwachung sehen sich in der Ausübung ihres Dienstes häufig negativer Kritik und auch persönlichen Anfeindungen ausgesetzt“, sagt Jacqueline Albinus vom Presseamt. Für solche heiklen Situationen würden die Beschäftigten im Umgang mit den Parksündern auch extra geschult.

Daher sei die Behauptung einer „Kapitulation“ völlig abwegig. „Dies belegt alleine schon die Beanstandungszahlen“, so die Stadtsprecherin. So wurden in der Seelbergstraße im ersten Halbjahr mehr als 1700 Verkehrsverstöße zur Anzeige gebracht. Jedoch können die Kontrollen das regelwidrige Parken in der Einkaufsstraße nicht jederzeit verhindern – obwohl sie aufgrund der Verkehrslage im besonderen Fokus der Verkehrsüberwachung stehe. Zwei- bis dreimal täglich wird die Seelbergstraße bis 21.30 Uhr kontrolliert. „Damit zählt sie zu den am meisten überwachten Straßen im Stadtbezirk“, so Jacqueline Albinus.

Fußgängerzone soll 2023 kommen

„Die Seelbergstraße ist weiterhin ein Überwachungsschwerpunkt bei der Verkehrsüberwachung und gehört zum Parkraumbewirtschaftungsgebiet Bad Cannstatt“, sagt Susanne Scherz, Leiterin Abteilung Straßenverkehr beim Amt für öffentliche Ordnung. Für die Kontrollen der mittlerweile acht Parkraumzonen in Bad Cannstatt stehen aktuell acht Beschäftigte der Verkehrsüberwachung zur Verfügung.

Städtebaulich gibt es schon Möglichkeiten, dem wilden Parken einen Riegel vorzuschieben. Doch den südwestlichen Straßenrand beispielsweise als Brandschutzzone auszuweisen, um in der Folge verstärkt Abschleppen zu können, hat auch einen großen Nachteil für den Einzelhandel. Denn dann ist auch das Be- und Entladen für die Geschäfte nicht mehr möglich. Nach Begehungen mit Vertretern der Polizei, des Ordnungsamts und des Bezirksamts kam man zu dem Entschluss, dass eine Fußgängerzone das probateste Mittel sei, das Falschparken zu unterbinden. Eine Lösung, mit der sich 2019 auch der Bezirksbeirat anfreunden konnte und die im kommenden Jahr umgesetzt werden soll.

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