Bad Cannstatt Wo Tradition auf Moderne trifft

Lange war das Bezirksrathaus hinter einem Baugerüst und Planen versteckt. Foto: privat
Lange war das Bezirksrathaus hinter einem Baugerüst und Planen versteckt. Foto: privat

Das sanierte Rathaus soll nicht nur für Amtsgeschäfte genutzt werden, sondern auch Stätte der Kunst sein.

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Altstadt - Ein paar Monate später als geplant ist die Bezirksverwaltung in das frisch renovierte historische Rathaus eingezogen und feiert diesen Anlass am Samstag, 13. Juli, von 11 bis 17 Uhr. Die Cannstatter können am Tag der offenen Tür ihr neues, altes Schmuckstück, das seit 1966 eingetragenes Kulturdenkmal ist, in voller Pracht erleben.

Während der mehr als 500 Jahre Nutzung musste das Rathaus oft umgebaut und saniert werden, um zum Beispiel gravierende Setzungsschäden auszugleichen. Da die südöstliche Ecke des Rathauses über einer Doline liegt, war diese mit der Zeit um etwa 80 Zentimeter abgesunken. Das mit der Sanierung beauftragte Team Manderscheid Architekten hatte sowohl die Belange des Denkmalschutzes als auch die des Bauherren zu berücksichtigen. Bei der Sanierung wurde ein neuer Eingang von Osten her, eine Infotheke, ein Aufzug und ein neues Treppenhaus eingebaut, welches den Brandschutzbestimmungen genügen musste. Das Fundament des Bezirksrathauses wurde verstärkt und die Fassade in Richtung Marktplatz repräsentativ umgestaltet. Mit der Sanierung hat sich außerdem der Energieverbrauch halbiert.

„Das Rathaus ist und bleibt ein bauhistorisches Kleinod in Stuttgart“, betont der Bezirksvorsteher Thomas Jakob. Mit der Neueröffnung des Rathauses werden auf den Ebenen eins bis drei künftig Wechselausstellungen gezeigt. Wo vor einiger Zeit noch kahle, weiße Wände vorzufinden waren, schmücken seit der vergangenen Woche Werke der German-American Artist Group die Ebenen zwei und drei des Bezirksrathauses. In den Gemälden, Skulpturen und Fotografien der Künstler spiegelt sich das Verständnis und das Interesse der beiden Kulturen aneinander wider. Die Werke sind bis zum 25. September im Bezirksrathaus ausgestellt.

Werke ungarischer Künstler werden ausgestellt

Auch die Cannstatter Galerie Kunsthöfle nutzt die Eröffnung für eine Ausstellung. Gezeigt werden Scherenschnitte der Künstlerin Ursula Kirchner, die dem Kunsthöfle seit Jahrzehnten verbunden ist. „Ursula Kirchner ist in ihrem Können einzigartig und perfekt“, schwärmt der Leiter des Kunsthöfles, Helge Bathelt. Die Künstlerin bringt mit ihren Schnitten surreale Szenarien zur Geltung, wie etwa Kopffiguren, die über einem gedeckten Tisch schweben, ist aber auch in der Lage, Werke im Jugendstil zu kreieren.

Um die Städtepartnerschaft zwischen dem Budapester Bezirk Ujbuda und Bad Cannstatt zu würdigen, zeigt die Galerie im Rathaus auch Kunst aus der ungarischen Hauptstadt: Auf Ebene eins sind seit Mittwoch drei ungarische Künstler mit ihren Werken vertreten. Es handele sich um „ungarische Kunst auf Top-Niveau“ sagte Bathelt bei der Eröffnung der Ausstellung mit dem Namen „Traditionen“. Robert Szierkiewicz, Istvan Nádler und Árpad Szabados zählten zu den berühmtesten Künstlern Ungarns. Szabados erarbeitet seine Werke unter dem Mikroskop: Was er sieht, setzt er pittoresk um, macht das Unsichtbare sichtbar; der Betrachter seiner Werke erlebt den Mikrokosmos überdimensional und farbig. Was der Maler unter dem Vergrößerungsgerät sah? Viren. Eines seiner schrillen Kunstwerke stellt eine Geschlechtskrankheit dar. Weiß man, um welches Bild es sich handelt, wirkt es sogar fast bedrohlich. Die Ausstellung „Traditionen“ ist bis 10. September zu sehen. Die drei Künstlerinnen des Kunsthöfle, Eva Schwanitz, Gabriele Schreiner und Petra Friedrich, reisen kommende Woche nach Budapest und stellen dort aus.




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