Auf der Webseite der Siebentäler Therme scheint die Welt zunächst noch in Ordnung. Ein „Wohlfühl-Erlebnis“, „Kraft tanken“ oder „Entspannung pur“ wird dort verheißen. Panoramafotos zeigen das Innenbecken mit der großen Glasfront, den Außenbereich samt Wald im Hintergrund oder Liegestühle auf der Dachterrasse. So will man Besucher nach Bad Herrenalb locken, die gut 8000 Einwohner zählende Kurstadt im westlichsten Zipfel des Landkreises Calw.
Erst darunter erfährt man, dass all das gerade überhaupt nicht zur Verfügung steht. Derzeit sei die Therme „leider geschlossen“, für eine „umfassende Revitalisierung“. Nach den Abrissarbeiten im Innenbereich würden nun die Aufträge für den Neuaufbau vergeben; das dauere etwas länger als geplant. Die Wiedereröffnung verschiebe sich daher vom letzten Quartal 2025 auf das erste 2026. Aber, keine Sorge, es sei nur ein „Abschied auf Zeit“.
Auch Schließung und Abbruch stehen zur Debatte
Inzwischen wachsen die Zweifel, ob die in den Siebzigerjahren eingeweihte Hauptattraktion von Bad Herrenalb jemals wieder öffnen wird. An diesem Mittwoch diskutiert der Gemeinderat in einer Sondersitzung über die „Weiterentwicklung“ der Therme. Das Rathaus empfiehlt einen Beschluss für die Fortführung der Arbeiten, die das Gremium in den vergangenen Jahren mehrfach bekräftigt hatte. Doch auch das Gegenteil wird diesmal erörtert: Abbruch der Sanierung, dauerhafte Schließung und letztlich Abriss. Sollte die Mehrheit des Rates umschwenken, will man den Bürgern das letzte Wort lassen.
Kurz vor Weihnachten hatte Bürgermeister Klaus Hoffmann die Sitzung überraschend angekündigt. Angesichts immer kontroverserer Debatten über die Therme wolle er ein- für allemal Klarheit, so oder so; am schlimmsten wäre es, die Entscheidung weiter hinauszuzögern. Nun sollen die Räte Farbe bekennen: Kann sich die chronisch klamme Kurstadt die immer teurer werdende Sanierung und die jährlichen Defizite weiter leisten? Oder muss sie schweren Herzens die Notbremse ziehen? Droht ihr, wie Kritiker warnen, gar eine Pleite wie einst dem oberschwäbischen Aulendorf, das sich mit seinem Thermalbad heillos übernommen hatte?
Das Defizit soll durch die Sanierung sinken
Für die Sanierung waren einst zwölf Millionen Euro angesetzt, inzwischen liegt man bei 15 Millionen, aber auch das ohne Gewähr. Knapp fünf Millionen schießt das Land aus Tourismusfördermitteln zu. Das jährliche Defizit der Therme, die zu den Stadtwerken gehört, lag teilweise deutlich über einer Million Euro. Wenn sie erst einmal saniert sei und erheblich mehr Besucher verzeichne, hofft man, soll der Verlust höchstens 500 000 Euro pro Jahr betragen. Doch das halten Kritiker für Wunschdenken. Wenn die Stadt nicht einmal mehr ihre Pflichtaufgaben bezahlen könne, müsse man sich von dem Bad verabschieden. Attraktiv bleibe Herrenalb immer noch, dank schöner Landschaft und guter Luft.
Für die „Rettung“ der Therme trommelten zuletzt deren Mitarbeiter. Eine von ihnen organisierte Online-Petition fand gut 2700 Unterstützer, überwiegend aus der Umgebung. Das zeige die „überregionale Bedeutung“ des Bades, hieß es. Unterschriften sammelten auch die örtlichen Gewerbetreibenden – Inhaber von Hotels, Restaurants oder Geschäften –, mehr als fünfzig kamen zusammen. Beide Listen nahm der Bürgermeister vor wenigen Tagen entgegen. Zumindest eines scheint klar: über die Köpfe der Bürger hinweg wird nicht entschieden. Votiert der Gemeinderat für die Schließung, sollen sie in einem „geeigneten Verfahren“ beteiligt werden.
Ungemach droht Bad Herrenalb in diesem Fall auch aus Stuttgart. Ohne die Therme, verlautet aus dem Wirtschaftsministerium, „könnte das staatlich verliehene Prädikat ,Heilbad‘ wegfallen“; das „Heilwasser“ wäre dann ja nicht mehr zu Therapie oder Prävention nutzbar. Dies wäre „zu gegebener Zeit zu prüfen“ – ebenso wie die Frage, ob die Voraussetzungen für den Zusatz „Bad“ noch vorliegen.