Baden-Baden will Unesco-Welterbe werden Das Kurstadt-Profil soll geschärft werden

Die Trinkhalle in  Baden-Baden ist ein Zeugnis der  langen Bädertradition. Foto: Baden-Baden
Die Trinkhalle in Baden-Baden ist ein Zeugnis der langen Bädertradition. Foto: Baden-Baden

Eine kleine Gruppe von Kurstädten des 19. Jahrhunderts gilt als repräsentativ für die Geschichte des europäischen Kurwesens. Baden-Baden will sich in diesem Städteverbund 2016 als Unesco-Welterbe bewerben – und gibt sich selbstbewusst.

Baden-Baden - Das Selbstverständnis der Baden-Badener war immer schon besonders – und jetzt will sich die traditionsreiche Bäderstadt das von einer internationalen Organisation bestätigen lassen: 2016 will die Stadt einen Nominierungsantrag zur Anerkennung der innerstädtischen Gesamtanlage als Unesco-Weltkulturerbe auf den Weg bringen – im Verbund mit einer ganzen Reihe europäischer Kurstädte. Der Antrag hat Fachleute zufolge durchaus Chancen. Allerdings gebe es insgesamt zu viele Bewerber.

Baden-Baden genoss in früheren Jahren den Ruf einer „Sommerhauptstadt Europas“, die Glanzzeiten der Stadt – vor allem im 19. Jahrhundert – liegen allerdings schon etwas länger zurück. Die Stadt an der Oos ist geprägt von der Bäderkultur und beherbergt zudem etliche Traditionshotels. Der kleinsten kreisfreien Stadt im Land mit heute 53 000 Einwohnern hängt aber auch das Klischee an, eine „Stadt der Reichen“ zu sein – und sie gilt als „einzige russische Stadt außerhalb Russlands“. Die Altstadt mit Stiftskirche, Friedrichsbad und Neuem Schloss ist von schmalen Gässchen durchzogen. Die Entwicklung zum mondänen Kurort begann Ende des 18.Jahrhunderts und prägt bis heute das Selbstverständnis der Baden-Badener als „Weltstädter“.

Diese Karte zeigt eine Liste mit allen anerkannten Unesco-Welterbestätten in Deutschland - und Kandidaten wie Baden-Baden, die auf der sogenannten Tentativliste stehen. Was das ist erklären wir hier.

Schon seit 2006 gab es Überlegungen zu einem Weltkulturerbe Baden-Baden. Erste wichtige Impulse setzte eine mehrtägige internationale Fachtagung im Herbst 2010. Als Ergebnis stand damals fest: es gibt in Europa eine kleine Gruppe von Kurstädten des 19.Jahrhunderts – so genannte Weltbäder. Diese „Great Spas“ seien repräsentativ für die Geschichte des europäischen Kurwesens. Neben Baden-Baden zählen dazu das tschechische Karlsbad (Karlovy Vary), das französische Vichy, das italienische Montecantini Terme nahe Florenz und das belgische Städtchen Spa in der Provinz Lüttich. Letzteres konnte mit dem Synonym „Spa“ sogar einen eigenen Oberbegriff für Gesundheits- und Wellnesseinrichtungen prägen.

Das Landesdenkmalamt ist skeptisch ob der vielen Bewerber

Margret Mergen, die CDU-Oberbürgermeisterin von Baden-Baden, ist vom Gesamtbild der Kurstadt überzeugt: „Wir haben ein besonders harmonisches Stadtbild, eine gut erhaltene Villenkultur. Das hat eine eigene stimmige Handschrift“, sagt sie. Allerdings weiß Mergen, die das Antragsverfahren mit einem Treffen von Vertretern aus 16 in Frage kommender europäischer Kurstädte im September 2014 angekurbelt hatte, dass die Kurstadt an der Oos nicht alleine steht mit dem Wunsch nach Unesco-Meriten. Erst vor ein paar Tagen ließ ein Vertreter des Landesdenkmalamts wissen, es seien zu viele Bewerber, und es sei eher illusorisch, dass allein sechs deutsche Städte sich als „Great Spas of Europe“ bewerben. Unter dem Rubrum „Great Spas“ haben sich eigens internationale Arbeitsgruppen aus den sieben beteiligten Ländern gebildet. Auch die Tschechische Republik ist mit vier Kurorten am Start: neben Karlsbad zählt dazu das an der Grenze zu Bayern liegende Marienbad. Aus Deutschland bewerben sich neben Baden-Baden unter anderem Bad Pyrmont und die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden. Volker Eidloth vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg sagt, die Vielzahl der Bewerber sei „aus fachlicher Sicht kaum begründbar“. Er hofft auf erste Klärung bei einem Treffen Ende kommender Woche in Baden bei Wien. Wenn auch ein weiteres Treffen im Oktober in Bad Homburg nicht dazu führe, dass die Zahl der Bewerberstädte reduziert wird, muss die deutsche Vertreterin im Welterbekomitee entscheiden: die Beauftragte der Bundesregierung ist Mitarbeiterin des Auswärtigen Amtes.

Baden-Badens OB Margret Mergen ist zuversichtlich

Oberbürgermeisterin Mergen zeigt sich indes zuversichtlich, dass Baden-Baden „im weiteren Bewerbungsverfahren mit dabei sein wird“. Vergangenes Jahr wurde bei dem Denkmalexperten Christoph Machart, der Vizepräsident des Internationalen Rats für Denkmalpflege, eine internationale Vergleichsstudie in Auftrag gegeben, die von den sechs deutschen Bewerbern bezahlt wurde. Die Studie soll klären, welche deutschen Bäderorte in besonderer Weise „das Bild europäischer Kurstädte des 19.Jahrhunderts“ abbilden. Auf Baden-Baden wird also noch einiges zukommen. Neben der Ausweisung einer Kernzone als Festlegung der „welterbewürdigen Bereiche“ der Innenstadt werden weitere Gutachten und Beteiligungsverfahren folgen.

Am wichtigsten erscheint es, schutzwürdige Bereiche und Maßnahmen festzulegen. Da habe Baden-Baden schon in der Vergangenheit viel geleistet, sagt Lisa Poetschki, die Leiterin der Stabsstelle für Stadtgestaltung und Denkmalpflege. Bereits 2008 trat eine Schutzsatzung für fast die gesamte Innenstadt in Kraft. Seitdem muss jede bauliche Veränderung von Denkmalschützern abgesegnet werden.

Vertreter von 16 Städten haben sich zusammengetan

In dem Bemühen sich als „Great Spas of Europe“ (Weltbäder) für die Kurbäder im 19.Jahrhundert als Weltkulturerbe zu präsentieren, haben sich Vertreter von 16 Städten aus sieben europäischen Ländern zusammengefunden. Neben Baden-Baden sind dabei: Spa (Belgien), Bad Ems, Bad Homburg, Bad Kissingen, Bad Pyrmont, Wiesbaden (Deutschland), Vichy (Frankreich), Bath (England), Montecantini Terme (Italien), Baden bei Wien, Bad Ischl (Österreich), Franzensbad, Karlsbad, Bad Luhatschowitz, Marienbad (Tschechien).

Die Welterbe-Liste der Unesco umfasst aktuell 1031 Stätten in 163 Ländern. Davon sind 802 Kulturdenkmäler und 197 Naturstätten. Aus Baden-Württemberg sind das Kloster Maulbronn (Enzkreis), die Reichenau, der Limes und die Pfahlbauten am Bodensee und in Oberschwaben dabei. Ein Antrag läuft für das Werk des Schweizer Architekten Le Corbusier, zu dem auch die Weißenhofsiedlung in Stuttgart zählt

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