Baden im Kreis Ludwigsburg Wenn der Wasserspaß zur Lebensgefahr wird

Von Susanne Mathes 

Wassersportvereine schlagen Alarm: Immer weniger Kinder können schwimmen. Bäderschließungen, knappe Kapazitäten und lange Wartezeiten für Schwimmkurse verschärfen das Problem.

Bei allem Vergnügen nicht nur in Spaßbädern: Wer nicht gut schwimmen kann, sollte sich bei solchen Rutschpartien vorsehen. Foto: dpa
Bei allem Vergnügen nicht nur in Spaßbädern: Wer nicht gut schwimmen kann, sollte sich bei solchen Rutschpartien vorsehen. Foto: dpa

Kreis Ludwigsburg - Persönlich musste Frank Dautel noch niemanden vor dem Tod durch Ertrinken bewahren. „Zum Glück“, sagt er. Brenzlige Einsätze gebe es aber immer wieder, erzählt der 38-Jährige. Der Projektleiter in der Automobilindustrie engagiert sich in der Freizeit bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft DLRG. Er ist beim Bezirk Ludwigsburg, der elf Ortsgruppen vereint, für die Ausbildung zuständig. Allein 2017 rettete die DLRG im Kreis fünf Menschen. Drei von ihnen drohten zu ertrinken. Für rund 500 Menschen in dieser Situation kommt in Deutschland Jahr für Jahr jede Hilfe zu spät.

Fast 60 Prozent der zehnjährigen Kinder im Land können laut einer repräsentativen Studie, die die DLRG 2017 veröffentlichte, nicht schwimmen. Auch im Kreis Ludwigsburg, der mit Hallen- und Freibädern, Schwimmvereinen, Abteilungen und DLRG-Ortsgruppen noch gut bestückt ist, ist das Schwimmenkönnen kein Selbstläufer.

Komplett überfüllte Kurse

Gründe dafür macht die Lebensrettungsgesellschaft mehrere aus. Die meisten Schwimmlernkurse seien komplett überfüllt, Anmeldestopps oder lange Wartezeiten und nervenzehrende Vergabepraktiken an der Tagesordnung. „In meiner Heimatgruppe in Gerlingen nehmen wir gar keine Anmeldungen mehr an. Wir müssen erst einmal die Warteliste abarbeiten“, erzählt Frank Dautel.

Ottmar Breckel, Leiter der Schwimmabteilung des TSV Asperg, berichtet: „Bei uns fragen sogar verzweifelte Eltern aus Mühlhausen oder Vaihingen an.“ Dabei kann der Verein nicht einmal den Bedarf aus der eigenen Stadt decken. Seit sich der Gemeinderat gegen die Erhaltung der Lehrschwimmhalle aussprach, ist nur noch ein abgespecktes Angebot möglich – und das auch nur aus Entgegenkommen der Nachbarn in Ludwigsburg-Eglosheim, die den Aspergern freitagabends ein paar Stunden in ihrem Bad überlassen. Auch das Grundschulschwimmen für Asperger Kinder, sagt Breckel frustriert, sei passé. Man könne ja die Schüler nicht in der Unterrichtszeit mal eben in andere Städte karren, deren Bäder ohnehin ausgelastet seien.

In wie vielen der 90 Grundschulen im Kreis das Schulschwimmen durchs Raster fällt, erfasst das Staatliche Schulamt Ludwigsburg nicht. Der jeweilige Schulträger müsse die Schulen so ausstatten, dass der Bildungsplan umgesetzt werden könne, sagt der Schulamtsleiter Hubert Haaga. Dazu gehöre auch Kompromissbereitschaft.