Baden in Heslach Kein Baustellenbonus für Badegäste

Das Bad mit dem kühnen Deckenkonstrukt wurde in den 1920er Jahren von dem Ingenieur Franz Cloos und dem Architekten Friedrich Fischle  erbaut. Foto: Wilhelm Mierendorf
Das Bad mit dem kühnen Deckenkonstrukt wurde in den 1920er Jahren von dem Ingenieur Franz Cloos und dem Architekten Friedrich Fischle erbaut. Foto: Wilhelm Mierendorf

Das Heslacher Bad bleibt zu bis Frühjahr 2023. Es gibt auch keinen Saunabetrieb während der Bauzeit oder hinterher längere Öffnungszeiten zum Trost. Mancher fürchtet, die Arbeiten könnten sich noch deutlich länger hinziehen.

Aus den Stadtteilen: Kathrin Wesely (kay)
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S-Süd - Seit März 2020 ist das Hallenbad Heslach geschlossen. Alle Stuttgarter Bäder mussten seinerzeit wegen Corona schließen. Nur hat das Heslacher Bad seither nicht wieder geöffnet, weil es nicht genug Personal gab und ohnehin eine größere Sanierung ansteht. Doch mit den Sanierungsarbeiten soll erst jetzt, 20 Monate später, begonnen werden. So verzögert sich die Fertigstellung laut der Bäderbetriebe Stuttgart bis zum Frühjahr 2023. Im Bezirksbeirat Süd und unter den Nutzern regt sich Unmut.

Kritik an Kommunikation

Denn das historische Bad erfreut sich seit bald 100 Jahren ungebrochener Beliebtheit – nicht nur unter Badegästen aus dem Stuttgarter Süden, sondern auch aus Mitte und dem Westen. Zudem wird es von Schulen und Vereinen genutzt. Die Bezirksbeiräte in Stuttgart Süd wollten ein paar Antworten und baten daher den Technischen Leiter der Bäderbetriebe Stuttgart, Detlef Szlamma, in ihre Sitzung am Dienstagabend. „Es ist enttäuschend, dass wir aus der Zeitung erfahren mussten, dass das Bad erst 2023 wieder öffnet. Und bislang hat man während der ganzen Schließung bloß ein bisschen an der Decke herumgeklopft“, beklagte die SPD-Bezirksbeirätin Marion Eisele. Der Badegast Michael Röhm schimpfte, die Bäderbetriebe hätten „Zeit verplempert“.

Szlamma suchte zu erklären: Andere Bäder hätten wegen Corona ebenfalls für lange Zeit schließen müssen. Wegen Personalmangel habe man sich im Sommer auf die Freibäder konzentriert, die deutlich mehr Badegäste aufnehmen könnten. Außerdem hätten sich die Sanierungspläne für das Heslacher Bad wegen der Pandemie verzögert.

Eisele merkte dazu an, dass der Personalmangel ein hausgemachtes Problem sei: Die Angestellten würden in der Landeshauptstadt nicht gut genug bezahlt in Anbetracht der hohen Mieten. Tatsächlich erfolgt die Vergütung der Fachangestellten nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes und liegt – abhängig von Erfahrung und Beschäftigungsdauer – monatlich zwischen 2640 und 3260 Euro brutto. Der Technischen Leiter der Bäderbetriebe ging auf das Thema nicht ein.

Saunagäste schätzen keinen Baulärm

Dem Wunsch von CDU-Bezirksbeirat Roland Petri und anderen, das Hallenbad, da es erst nach so langer Zeit wieder genutzt werden kann, es wenigstens länger zu öffnen als bisher, könne man nicht entsprechen, so Szlamma: „Es ist nicht geplant, die Öffnungszeiten zu verlängern. Die Wasserflächen sind komplett ausgenutzt.“

Auf wenig Gegenliebe Seitens des technischen Leiters stieß auch der Vorschlag des Grünen-Bezirksbeirates Bernd Lindner: „Man könnte doch zumindest die Sauna wieder öffnen. Sie ist gänzlich abgetrennt und von der Sanierung gar nicht betroffen.“ Das funktioniere weder technisch noch logistisch, so Szlamma. Vom nötigen Austausch der Elektrolyseeinheit für das Bad sei die Sauna durchaus betroffen. Im übrigen würde das Foyer für den Baustellenverkehr benötigt. Zudem müssten die Saunabesucher Lärm und unangenehme Gerüche etwa von Bodenbindern in Kauf nehmen. „Unsere Erfahrungen im Leuze haben gezeigt, dass das nicht funktioniert. Die Leute wollen in der Sauna Ruhe und Entspannung und keinen Baulärm“, so Szlamma.

Dem Gerücht, das ein Zuhörer vorbrachte, die Sanierung des Heslacher Bades würde nicht bis 2023, sondern gar bis 2026 dauern, trat Szlamma entschieden entgegen: Zwar könne man in Zeiten der Pandemie, die viele Engpässe mit sich bringe, keinen Öffnungstermin zu hundert Prozent zusichern, aber: „Wir sind ein Eigenbetrieb und gehalten, effizient und wirtschaftlich zu arbeiten. Und deshalb machen wir Druck auf die Bauleute.“

Fliesen in den Originalfarben

Im Bad müssen die Decken und Wände neu beschichtet werden, die Becken werden neu abgedichtet und die Fliesen um die Becken werden ersetzt – und zwar in Rot und Weiß, ihren ursprünglichen Farben. Schäden richtete über die Jahre auch die Elektrolyse an. Sie wird erzeugt durch eine chemische Reaktion der Chlorbleichlauge, die zur Desinfektion von Beckenwasser genutzt wird. Nach Jahrzehnten muss daher auch eine neue Elektrolyseeinheit her.

Ursprünglich war mit Sanierungskosten in Höhe von 3,1 Millionen Euro gerechnet worden. Durch die Verzögerung dürfte die Zahl noch nach oben korrigiert werden. Die letzte große Sanierung des Ende der 1920er Jahre von dem Ingenieur Franz Cloos und dem Architekten Friedrich Fischle erbauten Bades war im Jahr 1992 erfolgt.




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