Baden-Württemberg Realschul-Vorstoß scheitert knapp

Fünftklässler einer Realschule im Unterricht Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Ein Volksantrag für eine verbindliche Realschulempfehlung ist gescheitert. Die Initiatoren üben harsche Kritik am Schulsystem und den Bildungsentscheidungen des Landes.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)

Der Realschullehrerverband und seine Mitstreiter sind mit ihrem Volksantrag gescheitert, mit dessen Hilfe sie eine Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung auch für ihre Schulart durchsetzen wollten. Laut den Angaben von Verbandschefin Karin Broszat und Mitinitiator Michael Mittelstedt überzeugten die Initiatoren 32 500 wahlberechtigte Unterstützer von ihrem Vorhaben. Das in den Landesgesetzen vorgeschriebene Quorum liegt aber bei 38 500 Unterschriften.

 

Die Unterschriftensammlung für den Volksantrag hatte der Verband im vergangenen November gestartet. Mit dem Antrag sollte erreicht werden, dass das Verfahren für den Übergang von der Grundschule auf die Realschule nach den gleichen Regeln funktionieren soll wie die verbindlichere Empfehlung für die Gymnasien: Sind sich Eltern und Grundschule nicht einig und gibt auch der Leistungstest Kompass 4 keine Empfehlung fürs Gymnasium her, soll ein Potenzialtest über den weiteren Werdegang des Kindes entscheiden. Einen Potenzialtest wollte der Verband auch für den Übergang auf die Realschule haben.

Initiative favorisiert Rückkehr zum alten Realschulmodell

Allerdings konnten Broszat und Mittelstadt nicht erklären, nach welchen Kriterien diese verbindliche Zuweisung an Realschulen mit ihrem seit 2016 geltenden Bildungsauftrag funktionieren könnte: Seit der Schulgesetzänderung damals werden in Baden-Württemberg in Realschulen – ebenso wie in Haupt- und Werkrealschulen sowie Gemeinschaftsschulen – Kinder sowohl auf Haupt- als auch auf Realschulniveau unterrichtet. Alle drei Schularten nehmen seither beide Schulabschlüsse ab. Dass in dieser Systematik eine gezielte Empfehlung für Realschulen nicht erfolgen kann, räumte Broszat indirekt ein. „Wir haben sehr früh dafür plädiert, dass die Realschulen den Hauptschulabschluss nicht abnehmen müssen und sehen das nach wie vor als richtig an“, sagte sie. Diese Änderung käme einer Rückkehr zum alten Realschulmodell im traditionell gegliederten Schulsystem ziemlich nahe.

„Nie dagewesene Kluft“

Die Hauptschule einschließlich der Werkrealschulen sollte nach ihren Wünschen ebenfalls als eigene Schulart geführt werden. Broszat und Mittelstedt übten massive Kritik daran, dass bei der Schulgesetzänderung zur Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums auch der Werkrealschulabschluss abgeschafft wurde. All diese Veränderungen bei Werkreal-, Haupt- und Realschulen seien von der Landesregierung und Landtag an der Bevölkerung vorbei durchgesetzt worden, kritisierten Broszat und Mittelstedt. Beide klagten darüber, dass die Einführung einer verbindlichen Grundschulempfehlung nur für das Gymnasium „eine noch nie dagewesene Kluft zwischen dem Gymnasium und den ‚restlichen Sekundarschulen’“ geschaffen habe.

Michael Mittelstedt, der früher Vorsitzender des Landeselternbeirats war, sprach davon, „dass Schülern und Eltern klammheimlich bewährte Strukturen entzogen“ würden.

Schützenhilfe bekamen die Realschul-Initiatoren vom Philologenverband. Auch Martina Scherer, die Verbandschefin der Gymnasiallehrkräfte im Land, sprach sich ausdrücklich „für eine verbindliche Grundschulempfehlung für alle Schularten“ aus.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Schulen Bürgerbeteiligung