Nach einem Feuer in einer Realschule Leonberg steht der Verdacht im Raum, dass der Brand mit einer Tiktok-Challenge zu tun hat. Es ist nicht der einzige Fall. Was in Baden-Württemberg über das Phänomen bekannt ist.

Digital Desk: Lea Krug (lkr)

Nachdem es am Mittwochmorgen einen Brand in einer Schultoilette an einer Realschule in Leonberg gab, kam der Verdacht auf, das Feuer könnte möglicherweise mit einer Tiktok-Challenge zu tun haben. Tatsächlich gibt es immer wieder Medienberichte über solche Vorfälle. Doch was ist dran? Und was soll das?

Wer auf der Social Media-Plattform das Stichwort „Schultoilette“ eingibt, der findet vor allem viele alberne Videos, auf denen Schülerinnen und Schüler tanzen oder etwa zeigen, in welchem Zustand die Waschräume an ihren Schulen sind.

Nur vereinzelte Videos zeigen Schülerinnen und Schüler, wie sie Streiche machen. Eines zeigt, wie nasses Toilettenpapier herumgeworfen wird, auf einem anderen ist zu sehen, wie jemand in einer Kabine falsches Blut verteilt. Für die Schulen zwar äußert ärgerlich, aber meist droht keine ernsthafte Gefahr. Doch offenbar gibt es auch Fälle von Brandstiftung, die mit so einer Challenge, also einer Art Mutprobe, in Verbindung stehen.

Kultusministerium verschickt Informationsmaterial

Das Kultusministerium jedenfalls war alarmiert, als Schulen zuletzt immer wieder solche Fälle meldeten. An reine Zufälle glaubt man dort offenbar nicht. Es gibt offenbar mehrere Fälle von Brandstiftung, bei denen der Verdacht im Raum steht, sie könnten mit einer solchen Challenge zu tun haben. Vor wenigen Tagen verschickte das Ministerium daher ein Schreiben und Informationsmaterial an die Schulen im Land. Eltern, Lehrerinnen und Lehrer sollen mit Kindern und Jugendlichen über das Thema sprechen. „Das ist kein Kavaliersdelikt“, sagt ein Pressesprecher des Ministeriums. Dort geht man davon aus, dass sich so mancher Schüler von solch einer Aktion schulfrei verspricht.

Auch Christian Reinhold vom Kindermedienland Baden-Württemberg, einer Organisation für Medienerziehung, kennt das Phänomen. Tatsächlich gebe es immer neben völlig harmlosen Aktionen im Netz auch solche, die letztendlich zu Sachbeschädigung oder sogar Gewalt aufrufen. „Solche Challenges kommen in Wellen“, sagt der Experte. Die Schultoiletten-Challenge komme aus den USA, hierzulande sei sie dann kopiert worden. Erste Videos seien vor einem halben Jahr aufgetaucht.

Es geht um den Wunsch nach viel Aufmerksamkeit

Eltern sollten deshalb mit ihren Kindern darüber sprechen, welche Gefahren von solchen Challenges und den sozialen Netzwerken ausgehen. Das Landesmedienzentrum erklärt auf seiner Seite, dass die Grenze zwischen einem Streich und einer Straftat für junge Menschen nicht immer leicht zu erkennen sei. Der Wunsch nach einer hohen Reichweite in sozialen Medien begünstige die Teilnahme an solchen Challenges, es gehe um Aufmerksamkeit.

Nicht nur unter Jugendlichen kämen solche Themen auf, auch in Grundschulen müsse man mit der Prävention beginnen, so Reinhold. Schließlich haben bereits dort manche Schülerinnen und Schüler einen Zugang zu Smartphones oder gar ein eigenes Gerät.

Die Polizei hält sich bislang zurück – Ermittlungen laufen

Ob hinter dem Feuer in Leonberg am Mittwochtatsächlich die Tiktok-Challenge steht, ist noch Gegenstand von Ermittlungen, erklärt ein Sprecher der Polizei. Dort mussten in den Morgenstunden zehn Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr ausrücken. Verletzt wurde niemand, doch der Sachschaden ist mit 100.000 Euro enorm.

Auch in Ludwigsburg habe es zuletzt Brände und ähnliche Vorfälle auf Schultoiletten gegeben, erklärt der Sprecher. Doch auch dort laufen die Ermittlungen noch. Ähnlich sieht es in Stuttgart aus. Dort habe es im vergangenen halben Jahr eine einstellige Zahl an Bränden auf Schultoiletten gegeben, sagt ein Pressesprecher. Bei dem ein oder anderen Fall gebe es Gerüchte, dass sie mit der Challenge zu tun haben, doch handfeste Beweise gebe es auch dort nicht. Die vorliegenden Zahlen seien außerdem nicht repräsentativ, um Schlüsse ziehen zu können.

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Vor wenigen Tagen brannte außerdem ein Handtuchhalter in einer Fellbacher Schule. Auch hier liegt der Verdacht nahe. Vor einigem Monaten gab es außerdem einen ähnlichen Fall in Nürtingen. Doch bei keinem der Fälle will die Polizei bestätigen, dass er in Zusammenhang mit der Tiktok-Challenge steht.