Herr Beck, Meisterschaft klingt nach Sport. Ist Grillen jetzt ein Sport?
Wir verbrennen auch Fett, könnte ich mit einem Augenzwinkern antworten. Bei den Grill-Meisterschaften geht es mehr um den Mannschaftsverbund als die sportliche Leistung. Einer alleine am Grill kann nichts ausrichten, es kommt auf das Teamwork an. Alles muss Hand in Hand gehen.
Wie beim Sport trainieren Sie bestimmt regelmäßig?
Leider nicht ganz so regelmäßig. Uns fehlt die Zeit, wir haben alle richtige Jobs. Aber das Thema Grillen ist für alle Teammitglieder eine große Leidenschaft.
Wie haben Sie sich den Titel ergrillt?
Mit vier Gängen. Zur Vorspeise gab es einen mit Lemoncurd gefüllten Fetawürfel auf gegrilltem Lauchgitter an kandierter Zitrone mit Lauchpralinen, gepickelten roten Zwiebeln, schwarzem Knoblauch und Zitronenschmand. Dann folgte eine Pollo-Fino-Rolle gefüllt mit Chorizo, dazu Süßkartoffeln als Püree und crunchy Cubes. Fürs Hauptgericht mussten wir alle Zutaten eines Warenkorbs verwenden, darin war ein Wildschweinrücken. Zum Nachtisch haben wir die vorgegebene Kochbanane zu einem Bananenküchlein mit halbflüssigem Schokokern, Karamell-Popcorn und Schoko-Bananen-Praline verarbeitet – mit Maracujasoße und Himbeergel und karamellisierter Kochbanane.
Wow, das klingt nach Sterne-Küche!
Da geht der Trend am Grill hin. Bei den Meisterschaften geht es nicht um ein paar Männer, die eine Rote auf den Rost legen. Wir kochen auf absolut hohem Niveau.
Wo haben Sie das Kochen gelernt?
Die Zubereitung von Essen über offenem Feuer lernt man in keiner Kochausbildung. Sobald ein Sterne-Koch am Grill steht, ist er meistens verloren. Wir Grillteams haben genau dafür eine Leidenschaft. Kreativität und Ideen kann man auch als Laie haben, wenn man sich für Essen interessiert, in Sterne-Restaurants geht, Kochsendungen anschaut oder Kochbücher liest. Und wir trainieren natürlich schon: Wenn jemand auf die Idee kommt, einen Feta-Quader mit Lemoncurd zu füllen, probiert er es 30-mal daheim aus, bevor wir es im Team machen. Es ist ein Prozess, bei dem man sich ans Ziel hinarbeitet.
Wie lange dauert es an die Spitze?
Das ist ein längerer Weg. Wir haben mit den Stadtgrillmeisterschaften am Stadtstrand in Bad Cannstatt angefangen, das ist fast 15 Jahre her. Aber es ist durchaus denkbar, dass man als Newcomer ganz schnell ganz oben landet. Am besten ist ein Start über lokale Meisterschaften.
Wenn Sie auf eine Grillparty eingeladen werden, langweilt Sie das Angebot?
Vor Kurzem hat meine Frau bei Freunden gleich zwei Rote Würste gegessen. Sie war so happy! So etwas gibt es bei uns nicht mehr, sagte sie, bei uns gibt es nur den Chichi-Quatsch. Ich glaube, ich werde deshalb auch weniger eingeladen. Dabei ist eine Rote Wurst oder ein gutes Stück Schweinefleisch mit einer gegrillten Apfelscheibe drauf doch mega! Es geht um die Liebe zum Geschmack. Ein Sterne-Koch isst ja auch mal Spaghetti.
Auf die gegrillte Apfelscheibe muss man erst einmal kommen . . .
Es gibt einen riesigen Trend zu vegetarisch und vegan übrigens. Es konzentriert sich längst nicht mehr alles auf Schweinenacken und Wurst. Spargel oder Hummus vom Grill – das lieben die Leute! Wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, hat man das Handwerkszeug, ein guter Griller zu werden.
Ist das allgemeine Grillniveau gestiegen, oder machen die meisten Menschen doch immer dasselbe?
Definitiv gestiegen. Auf den Meisterschaften sowieso. Die Teller, die wir vor 15 Jahren angerichtet haben, können Sie mit den heutigen nicht mehr vergleichen. Auch in der breiten Masse wird mehr gegrillt als früher, und dadurch steigt das Niveau. Durch die Coronapandemie hatten die Grillhersteller unglaubliche Absatzzahlen. Leider nehmen sich die Menschen zu wenig Zeit dafür. Und schade ist, dass die Deutschen knausrig bei den Lebensmittel sind. Uns Griller zeichnet die Begeisterung für gute Zutaten aus. Wir sind die Ersten, die für Tierwohl plädieren, denn nur ein gesundes, artgerecht aufgewachsenes Tier liefert Qualität. Laut einer Statistik geben die Deutschen in Europa zwar am meisten Geld für die Kücheneinrichtung aus, aber am wenigsten für die Lebensmittel. Das ist doch verrückt!
Freuen Sie sich, dass die Grillsaison jetzt endlich losgeht?
Bei uns wird ganzjährig gegrillt. Wintergrillen mit Weihnachtsmarktfeeling ist etwas sehr Schönes. Aber vergangene Woche war es bei einem Grillevent so kalt, das glauben Sie nicht. Von daher: Ich freue mich sehr auf endlich schönes Wetter, auf schöne Tage mit Familie und Freunden am Grill.
Heimspiel beim Titelkampf
Meister
Stephan Beck arbeitet hauptberuflich in der IT-Branche. Am Wettbewerbsgrillen nimmt der 52-Jährige seit rund 15 Jahren teil. Er war auch Mitglied beim anderen Stuttgarter Erfolgsteam S.W.A.T. BBQ. Zu seiner Mannschaft zählt unter anderem Tobias Walker, der Inhaber der Reutlinger Grillschule. Im vergangenen Jahr wurde das Stuttgarter Team deutscher Vizegrillmeister der Profis. Stephan Beck bietet mit dem Real-Smoke-BBQ-Team auch Grillkurse an.
Meisterschaft
Ein Heimspiel wird für die baden-württembergischen Meister auch die deutsche Meisterschaft: Sie findet am 29. und 30. Juli statt und wird von der German Barbecue Association (GBA) mit der Messe Stuttgart ausgerichtet. Auch internationale Grillprofis dürfen dabei antreten. Im Juli 2024 folgt die Weltmeisterschaft.