In einem Interview äußert sich Winfried Kretschmann zu seiner linksradikalen Zeit in den 70er Jahren – und ordnet ein, wie er heute darüber denkt.

Stuttgart - Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat sich in seiner linksradikalen Zeit in den 70er Jahren nach eigenen Worten in einer Art Sekte aufgehalten.

„Heute würde man das als Blase bezeichnen“, sagte der Grünen-Politiker in einem Interview mit der ARD. „Wir bewegten uns immer unter denselben Leuten, entwickelten mit der Zeit einen Tunnelblick und führten hoch ideologisierte Debatten. Man kann froh sein, wenn man da rausgefunden hat.“ Während seines Referendariats habe ein Lösungsprozess von diesen Sekten begonnen. „Da war ich raus aus diesen Milieus.“

Mit seiner linksradikalen Gesinnung habe er wirklich „radikal gebrochen“, versicherte der 73-Jährige. „Und ich habe davon auch nichts zu den Grünen rüber transportiert.“ Er habe die Grünen ausschließlich wegen der ökologischen Frage mitgegründet. „Und mit vielen anderen Fragen habe ich auch heute mit meiner Partei immer wieder Konflikte.“

„Man steht auf der Seite der Schwachen“

Kretschmann sagte, er sei Maoist gewesen damals. „In Wirklichkeit waren meine Informationen über China aber höchst dürftig. Im Rückblick kann ich sagen, das waren alles doch sehr christlich imprägnierte Impulse – letztlich. Man steht auf der Seite der Schwachen, ohne das realpolitisch einzusortieren, zu überprüfen.“

Der Regierungschef sagte, er sei im Rückblick für den Zuspruch von Leuten wie dem damaligen Präsidenten der Universität Hohenheim, George Turner, dankbar. „Sie haben mich als Person ganzheitlich gesehen und dachten, irgendwann wird der mit dem Krampf schon aufhören“, sagte er. „So war es dann auch.“ Turner habe die Auseinandersetzungen an der Universität als sehr liberaler Mensch sportlich genommen. „Er hat diese Großmäuligkeit, die hinter diesem ganzen revolutionären Gehabe stand, durchschaut.“

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