Plüderhausen - Es ist in jedem Jahr das gleiche: Der Plüderhäuser Badesee muss – mal früher, mal später im Sommer – wegen einer Algenplage gesperrt werden. Um zu klären, wie es eigentlich zu diese Plage kommt und was dagegen unternommen werden kann, hat die Gemeinde Plüderhausen bei der Hochschule in Nürtingen fachliche Hilfe gesucht. Eine Untersuchung im Rahmen einer Masterarbeit sollte den Ursachen für die Blaualgen auf den Grund gehen. Jennifer Lloyd-Pippich, die an der Hochschule Umweltschutz studiert, hat ihre Ergebnisse nun dem Gemeinderat präsentiert.
Schweiß, Sonnencreme und Urin tragen zur Überdüngung bei
Ihren Messungen zufolge ist der See eindeutig mit Phosphor überdüngt. Und das Phosphor sorge dann in Verbindung mit warmen Temperaturen für das Wachstum der frei treibenden Blaualgen, auch Cyanobakterien genannt. Die Quelle für die Überdüngung hat die Absolventin des Studiengangs Umweltschutz ebenfalls eindeutig ausgemacht: Die Badegäste tragen deutlich mehr zur Belastung des Gewässers bei als die dort lebenden Gänse. Das liegt einerseits am reinen Zahlenverhältnis: Bei schönem Wetter kommen bis zu 3000 Besucher, von denen dann mindestens 800 auch ins Wasser gehen. Gänse gibt es dagegen deutlich weniger: Deren Zahl am See bewegt sich Schätzungen zufolge zwischen 20 und höchstens 40.
Zum anderen liegt es aber auch am Verhalten der Besucher: „Viele Badegäste sind sich offensichtlich nicht bewusst, dass sie durch Schweiß, Sonnencreme und Urin große Mengen an Nährstoffen in den See eintragen“, bilanziert Jennifer Lloyd-Pippich in ihrer Arbeit. Die zahlreichen Gespräche am See hätten ihr gezeigt, dass da noch viel Aufklärungsarbeit nötig sei.
Mehr Duschen und Toiletten wären notwendig
Die Studentin hat in ihrer Arbeit nun ein Bündel an Maßnahmen vorgeschlagen. Sie hält es für sinnvoll, dass mehr Duschen und Toiletten zur Verfügung gestellt werden. Außerdem sollte ihrer Meinung nach der Flachwasserbereich an der Kinderrutsche so umgestaltet werden, dass sich das Wasser dort nicht so stark erwärmt und besser zirkulieren kann. Außerdem schlägt sie vor, den Schilfgürtel im Winter teilweise abzumähen. Dadurch würden sich in diesem Bereich sogenannte Aufwuchsalgen ansiedeln, die den frei im Wasser treibenden Algen Konkurrenz machen und so die Plage verhindern helfen. Eine solche Maßnahme wäre auch mit dem Naturschutz vereinbar, sofern nicht alles auf einmal gemäht werde.
Die Algenplage ist nicht das einzige Problem
Ludwig Kern, Leiter des Bauamts in Plüderhausen, zeigt sich beeindruckt. Eine Entscheidung, wie es mit dem See weitergehen wird, fällt aber vorerst noch nicht. Denn die Algen sind nicht das einzige Problem. Die Gemeinde muss auch haftungsrechtliche Fragen klären. In Nordhessen ist vor zwei Jahren ein Bürgermeister wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassung verurteilt worden, nachdem 2016 drei Kinder beim Baden in einem örtlichen Löschteich ertrunken waren. Dieser Fall zwingt nun auch die Gemeinde Plüderhausen zu prüfen, wie sie künftig mit dem Badebetrieb am See umgeht.
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Bis dahin wird der See weiterhin gesperrt bleiben. Die Plüderhäuser genießen ihn trotzdem, sagt Kern. „Das Gelände hat sich die letzten Jahre ohnehin schon zum Ganzjahres-Ausflugsziel entwickelt.“