Badeseen in der Region Der Ebnisee zieht die Männer magisch an

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Clemens Kuhn und sein DLRG-Kumpel Josef Windeisen schwimmen im Sommer oft im Ebnisee bei Welzheim – und das schon seit rund 60 Jahren. Die zwei Senioren lieben das Wasser und warnen vor den Tücken offener Gewässer.

Clemens Kuhn (links) und Josef Windeisen an ihrem Ebnisee  Clemens Kuhn (links) und Josef Windeisen an ihrem Ebnisee Foto: Frank Eppler 7 Bilder
Clemens Kuhn (links) und Josef Windeisen an ihrem Ebnisee Clemens Kuhn (links) und Josef Windeisen an ihrem Ebnisee Foto: Frank Eppler

Welzheim/Stuttgart - Der Ebnisee zieht die beiden Männer fast magisch an. Wegen des blitzsauberen Quellwassers, sagen sie. Und wegen der idyllischen Lage mitten im Schwäbischen Wald. Schon seit rund 60 Jahren kommen die zwei Herren zum Ebnisee, nicht nur zum Schwimmen.

Im Sommer, erzählt Josef Windeisen an diesem strahlend schönen Frühlingsvormittag, radle er fast jeden Tag von Welzheim zu dem ehemaligen Flößersee auf Kaisersbacher Markung. Meistens schwimmt der rüstige Pensionär dann eine große Runde, „immer am Ufer entlang, mal Rücken, mal Brust – das dauert knapp eine Stunde“. Herr Windeisen ist jetzt 81 Jahre alt und fit wie der sprichwörtliche Turnschuh. Oft begleitet ihn sein Freund Clemens Kuhn (82). Auch diesmal sind die beiden Herren zusammen zum See geradelt.

Noch indes ist den zwei Freunden, die sich in den Fünfzigerjahren als junge Kerle bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Welzheim kennengelernt haben, das Wasser an diesem Tag Ende Mai ein bisschen zu kalt. 22 Grad Celsius sollte der See haben, sagt Windeisen.

Demonstrationswettbewerb im kalten Wasser

Das war nicht immer so. Clemens Kuhn erinnert sich noch mit einem Frösteln an einen Demonstrationswettbewerb anno dazumal, der Landrat war auch gekommen. Anfang Mai müsse das wohl gewesen sein, sagt er, grinst und schüttelt das ergraute Haupt. Zwölf Grad habe das Wasser gehabt, wenn überhaupt. Die damals jungen Männer ließen sich aber nicht abschrecken. Sie demonstrierten den Zuschauern ihr Können – „und dann habe ich noch eine Woche lang gefroren“, erzählt Kuhn.

Früher haben die beiden Welzheimer Jahr für Jahr von Mai bis September an den Wochenenden Wache geschoben am Ufer des Ebnisees, mindestens einmal im Monat. Windeisen berichtet, dass er erst vor geschätzt 15 Jahren aufgehört habe, sich als DLRG-Wachposten ehrenamtlich zu engagieren. Und Kuhn erklärt augenzwinkernd: „Das gibt doch kein so gutes Bild mehr ab – zwei so alte Knacker am Ufer.“ Diese beiden „Knacker“ beaufsichtigen aber nach wie vor das Seniorenschwimmen der Stadt im Lehrschwimmbecken einer Schule in Welzheim, das jeden zweiten Samstag angeboten wird.

Im Auftrag der DLRG Kindern das Schwimmen beigebracht

Aus all den Jahren als Wasserwächter am Ebnisee sind den beiden Freunden zwei Erlebnisse ganz besonders in Erinnerung geblieben: keine schönen, sondern bedrückende Begebenheiten. Clemens Kuhn hat einmal einen Mann aus dem Wasser gezogen, der sich nach einem Kopfsprung in den See schwer verletzt hatte. Er habe dem Mann aus Stuttgart das Leben gerettet, dieser habe sich aber beim Aufprall auf den Seegrund das Rückgrat gebrochen und sei fortan gelähmt gewesen. Josef Windeisen hat Ende der Sechzigerjahre ein totes Kind aus den See geholt. Die Eltern hatten ihren achtjährigen Sohn bei den Männern der DLRG vermisst gemeldet. Als die Suche am Ufer keinen Erfolg brachte, hätten er und vier Kameraden den See abgetaucht – und ganz in der Nähe des Wachpostens den leblosen Kinderkörper gefunden. Damals habe er sich gefragt: „Wie kann das sein? Wir passen auf und ein paar Meter entfernt ertrinkt ein Kind.“ Ein Kind, das nicht schwimmen konnte. An diesem Tag habe er beschlossen, Buben und Mädchen das Schwimmen beizubringen, „und das habe ich dann fast 40 Jahre lang gemacht“.

Nur ganz selten fahren Clemens Kuhn und Josef Windeisen zu einem der vielen anderen Badeseen in der Region, deren Wasserqualität fast durchgehend ausgezeichnet ist. Vielleicht mal an den Aichstrusee bei Welzheim. Aber der Ebnisee sei einmalig. Spöttern, die behaupten, das Wasser dort sei dreckig, empfiehlt Josef Windeisen einfach mal abzutauchen. Klar, wer von oben auf den See blicke, der komme schnell auf den Gedanken, das Wasser sei trüb. „Wenn man aber von unten nach oben schaut, dann sieht man jedes Fischchen.“




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