Bäcker Blankenhorn befürchtet Schlimmes Stadt stellt unzählige Poller vor Bäckerei auf

Von Tilman Baur 

Das war eine bittere Überraschung für die Blankenhorns und ihre Kunden: Vor dem Geschäft in Stuttgart-Degerloch hat die Stadt eine große Zahlen an Pollern in den Asphalt getrieben. Der Bäcker befürchtet nun Schlimmes.

Die Frage wird nun sein, ob sich an diesem Zustand im Nachhinein noch etwas verändern lässt. Foto: Tilman Baur
Die Frage wird nun sein, ob sich an diesem Zustand im Nachhinein noch etwas verändern lässt. Foto: Tilman Baur

Degerloch - Gerade waren die Osterferien vorbei, da standen drei neue Poller und ein Absperrgeländer vor der Bäckerei Blankenhorn an der Albstraße. Andreas Blankenhorn staunte nicht schlecht: „Bei den ersten Pollern hatte die Stadt noch Bescheid gesagt, bei denen jetzt nicht mehr.“ Es handle sich um eine Maßnahme der Schulwegsicherung, habe die Stadt Stuttgart wissen lassen.

Auch wenn niemand mit ihm gesprochen hat: Rechtlich sei das vertretbar, findet Blankenhorn. Auch gegen die anderen Poller direkt vor der Bäckerei hat er grundsätzlich nichts einzuwenden. Schließlich sei es verboten, auf dem Bordstein zu parken, wenngleich viele seiner Kunden das noch immer tun – denn eine kleine Lücke gibt es noch im Poller-Heer, groß genug für ein Auto.

Verliert die Bäckerei Kundschaft?

Was den 57-jährigen Bäcker aus Degerloch stört, ist die Tatsache, dass es keine Alternativen für seine Kunden gibt. Für die Mütter, die ihre Kinder zur Schule bringen und kurz bei ihm halten zum Beispiel, aber auch für viele ältere Kunden, die teils auch aus den umliegenden Bezirken kommen. Schließlich ist die Bäckerei Blankenhorn eine der letzten weit und breit, die noch selbst bäckt.

„Irgendwann wird hier wahrscheinlich korrekt geparkt, aber dann gibt es keinen selbst backenden Bäcker mehr“, sagt er nur halb im Scherz. Als „deutliche Beeinträchtigung“ empfindet er die angespannte Parksituation vor seinem Geschäft und rund um die Albstraße. Zwar kämen die meisten Kunden mit dem Rad oder zu Fuß, doch eben nicht alle. Ein paar wenige Kunden-Parkplätze bietet die Bäckerei im Hof. Alternativen dazu gebe es kaum.

Bisher hat sich nichts getan

Schon vor Jahren habe die Stadt signalisiert, zwei Stellplätze für Kurzparker an der Einmündung zur Löwenstraße einrichten zu können – zwar nicht für die Bäckerei allein, aber immerhin. Getan hat sich seither nichts. „Im Rahmen der langfristigen Planungen zum Knotenpunktbereich Albstraße/Löwenstraße sind auch Kurzzeitparkplätze Teil der Überlegungen. Ein gremienabgestimmter Plan liegt hier jedoch noch nicht vor“, sagt Christopher Schmid vom Tiefbauamt auf Anfrage.

Alternativ könne man die Poller etwas verschieben, es gebe Platz genug für Fußgänger und Autos, so Andreas Blankenhorn. Letztere würden ja ohnehin nur ein, zwei Minuten bleiben und dann wieder wegfahren. „Es geht mir nicht nur um mein Geschäft, sondern ganz grundsätzlich um die Verkehrssituation. Vieles hier ist einfach nicht praktisch“, so Blankenhorn. Damit meint er nicht zuletzt die Raserei an der Albstraße. Auch die Blankenhorns spüren die von Bussen und Lastwagen ausgelösten Erschütterungen, die durch überhöhte Geschwindigkeit verstärkt werden. Darüber hatten Anwohner jüngst geklagt (wir berichteten).

Das Verkehrschaos morgens dürfte zunehmen

Ein Kreisverkehr könne dieses Problem lösen und sei schon vor zehn Jahren im Gespräch gewesen, so der Bäcker. Doch diese Idee sei im Sande verlaufen. Ohne eine schnelle Einrichtung von Kurzzeitparkplätze jedenfalls dürften der Bäckerei nicht nur Kunden abhanden kommen, sondern das Verkehrschaos in den Morgenstunden zunehmen – denn schon jetzt parken Kunden vogelwild – sogar mitten auf der Verkehrsinsel.

Der Bezirksbeirat hat sich vor Kurzem mit dem Thema befasst und wollte die neu aufgestellten Poller von der Verwaltung wieder abbauen lassen. Andererseits wollte niemand dem Falschparken auf dem Bürgersteig Vorschub leisten. So einigte man sich darauf, bei der Verwaltung auf eine zügige, aber rechtskonforme Lösung zu drängen – wie die genau aussehen soll, blieb aber zunächst offen.

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