Bäcker und Metzger überfallen Keine Therapie nach Raubzügen mit Pistole

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Das Landgericht Stuttgart verurteilt einen 39-Jährigen zu vier Jahren und acht Monaten Haft. Der Mann mit einem Drogenproblem hatte in Kirchberg an der Murr eine Bäckerei ausgeraubt und war wenig später beim Versuch, einen Metzger zu überfallen, von Passanten überwältigt worden.

Der Räuber war nicht hinter Brötchen her, als er im März in Kirchberg eine Bäckerei überfiel. Foto: dpa
Der Räuber war nicht hinter Brötchen her, als er im März in Kirchberg eine Bäckerei überfiel. Foto: dpa

Kirchberg an der Murr - Um Drogen dreht sich nahezu das ganze Leben eines heute 39-jährigen Mannes, der am Dienstag vom Stuttgarter Landgericht wegen schweren Raubes zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und acht Monaten verurteilt wurde. Er hatte zugegeben, am 24. März eine Bäckerei und am 10. April eine Metzgerei in Kirchberg an der Murr überfallen zu haben. Im ersten Fall erbeutete er die Tageseinnahmen von rund 1200 Euro, beim zweiten Überfall floh er, ohne Beute gemacht zu haben. Dieser Fall wurde vom Gericht als besonders schwerer gewertet, weil er bei diesem im Gegensatz zum Überfall auf die Bäckerei seine Schreckschusspistole geladen hatte. Die Tat wurde allerdings nur als Versuch eines Raubes eingestuft.

Drogenprobleme seit der Jugend

Am 24. März, einem Samstag, war er kurz vor Ladenschluss um 12.20 Uhr in die Bäckerei gegangen und hatte, vermummt mit einem Schal, einer Mütze und einer Sonnenbrille, eine junge Verkäuferin mit einer echt wirkenden Schreckschusspistole bedroht. „Kasse leeren“, herrschte er die Auszubildende an, die im ersten Moment verdattert fragte, ob er sich um einen Spaß handle. Tatsächlich war sie jedoch so aufgeregt, dass sie die Kasse nicht öffnen konnte und deshalb eine Kollegin um Hilfe bat. Als diese sich an der Kasse zu schaffen machte, kam eine Kundin herein. Der 39-Jährige versteckte schnell seine Waffe hinter dem Rücken und wartete, bis die Frau weg war, dann forderte er wieder das Geld aus der Kasse. Mit 1282 Euro entkam er unerkannt.

Nachdem er wenig später, am 10. April, beim Versuch eine Metzgerei in Kirchberg zu überfallen, von Passanten überwältigt und der Polizei übergeben wurde, gestand er auch den zuvor begangenen Überfall auf die Bäckerei. In der Metzgerei hatte sich h die Kassiererin, die Schwester des Inhabers, geweigert, dem Räuber Geld aus der Kasse zu geben. Als sie vor dem Laden einen Mann gehen sah, klopfte sie gegen die Fensterscheibe und rief um Hilfe. Der 39-Jährige brach daraufhin den Überfall ab und floh. Allerdings kam er nicht weit. Passanten gelang es, ihn von seinem Fahrrad zu ziehen und zu überwältigen.

Im Vorstrafenregister des Mannes, das 20 Eintragungen enthält, sind etliche Diebstähle verzeichnet, die er begangen hat, um sich Drogen zu beschaffen. Mehrmals hatte der Mann, der zuletzt längere Zeit in geordneten Verhältnissen lebte, sogar völlig drogenfrei gelebt und erfolgreich gearbeitet. „Sie haben zwar ein Drogenproblem, aber das reicht nicht, um Sie in eine Therapie einzuweisen“, sagte die Vorsitzende Richterin nach dem Urteilsspruch. Die Verteidigerin des 39-Jährigen hatte für einen Drogenentzug plädiert, da ihr Mandant sein ganze Leben lang immer wieder rückfällig geworden sei. „Es hat mich immer wieder eingeholt“, sagte er im Prozess auf die Frage der Vorsitzenden, warum er aus drogenfreien Phasen heraus immer wieder damit angefangen hatte.

Verkäuferin leidet unter Albträumen

Erschwerend im Strafmaß wogen die psychischen Folgen, die die junge Bäckereiverkäuferin seit dem Überfall plagen. „Die junge Frau leidet noch heute unter den Folgen“, hielt die Richterin dem Angeklagten vor. Sie werde von Albträumen geplagt und halte den Anblick von Menschen mit Kapuzen kaum aus. Während des Überfalls habe sie kurz vor dem Kollaps gestanden. „Warum machst du das?“, hatte sie den Täter dennoch gefragt. „Probleme kann man doch auch auf andere Art lösen.“