Bäckerei Gehrung in Stuttgart Stuttgarter sind wütend und traurig über das Aus

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Immer mehr traditionsreiche Geschäfte in Stuttgart müssen aufgeben. Nach 568 Jahren gehen nun bei der Bäckerei Gehrung die Öfen aus. In den sozialen Netzwerken äußern viele Stuttgarter Trauer und Unmut.

Mit der Bäckerei Gehrung hört ein weiterer Traditionsbäcker in Stuttgart auf. (Symbolbild) Foto: dpa
Mit der Bäckerei Gehrung hört ein weiterer Traditionsbäcker in Stuttgart auf. (Symbolbild) Foto: dpa

Stuttgart - Es gibt sie, die treuen Kunden, die ihre Brötchen bis zuletzt bei der Bäckerei Gehrung in Stuttgart kaufen. Doch eine Zukunft haben die Filialen in Plieningen, Möhringen, Echterdingen und Scharnhausen nicht mehr. Am Wochenende öffnet der Traditionsbetrieb aus Stuttgart zum letzten Mal. Das Aus nach 568 Jahren trifft die Bäckerei schwer. Und auch die Kunden trauern. Viele schätzen, dass in der 1450 gegründeten Bäckerei noch in Handarbeit gemahlen und gebacken wurde.

„Bald gibt es keine traditionellen Bäcker mehr“

In den sozialen Netzwerken lassen einige Stuttgarter ihren Gefühlen freien Lauf. Viele sehen das Übel in den preiswerten Brötchen und Broten der Discounter-Konkurrenz, wo nur noch industriell gefertigte Teiglinge in die Öfen geschoben werden.

„Bald gibt keine traditionellen Bäcker mehr. Dabei schmeckt die Ware um Klassen besser als die Industrieprodukte“, schreibt zum Beispiel Nutzerin Michaela Pfeiffer auf der Facebook-Seite unserer Zeitung. Leserin Birgit Richtarsky sieht es genauso: „Ich finde das sehr traurig, denn es gibt leider fast keine traditionellen Bäckereien mehr. Das Brot von den großen Backwarenanbietern kann man in die Tonne klopfen.“

Andere Nutzer im Netz hingegen sehen die Schuld für das Aus von Traditionsbetrieben beim Kunden und dessen Kaufverhalten selbst. „Ich frage mich, warum die Bäckerei schließen muss, wenn hier fast alle Kommentare so traditionsbewusst sind“, schreibt beispielsweise Facebook-Nutzer Lavrentios Servissoglou. „Auch in meinem Umfeld kauft jede(r) in kleinen Traditionsläden und es wird über die Ketten geschimpft. Entweder gaukelt man sich was vor oder es ist hip zu behaupten, man selber würde nicht zu der „Masse“ gehören. Es sind immer die anderen!“

Auch Facebook-Nutzerin Patrizia Schröer meint: „Die Menschen die sich über solche Nachrichten ärgern sind nicht selten die gleichen die bei ALDI Brötchen für 19 Cent kaufen.“ Dem kann Leser Erich Siegle nur zustimmen: „Jeder kauft im Supermarkt und jammert, dass die kleinen Fachgeschäfte sterben.“

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