Bäckerei in Kaisersbach Wegen Personalmangels mittwochs zu

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Die Bäckerei Doderer in Kaisersbach ist ständig auf der Suche nach neuen Mitarbeitern, oft vergeblich. Kaum mehr junge Leute wollten ins Handwerk, sagt Reiner Doderer, dabei sei Bäcker doch ein toller Beruf.

Reiner Doderer in seiner Backstube in Kaisersbach. Bäcker, sagt er, sei ein schöner Beruf. Aber der Nachwuchs fehlt. Foto: Gottfried Stoppel
Reiner Doderer in seiner Backstube in Kaisersbach. Bäcker, sagt er, sei ein schöner Beruf. Aber der Nachwuchs fehlt. Foto: Gottfried Stoppel

Kaisersbach - Früher, sagt Reiner Doderer, sei es überhaupt kein Problem gewesen, Mitarbeiter für die Backstube und für den Verkauf in seiner Bäckerei in Kaisersbach zu finden. Zum Beispiel 1996, als der heute 50-jährige Bäckermeister und Betriebswirt des Handwerks den Ofen im elterlichen Betrieb in der Dorfstraße mitten im Ort wieder in Gang gesetzt hat und das kleine Familienunternehmen nach fünfjähriger Pause neu eröffnet hat.

Ganz anders heute. Seit einigen Jahren kommt die Kündigung eines Beschäftigten für Reiner Doderer und seine gleichaltrige Frau Elke einer mittleren Katastrophe gleich. Kürzlich, so erzählen die beiden an diesem Vormittag, seien zwei Mitarbeiter weggezogen, und einer sei in Rente gegangen. Notgedrungen haben die Unternehmer, die zusätzlich zwei Verkaufsfilialen in der Nachbarstadt Welzheim betreiben, beschlossen: mittwochs bleibt der Ofen kalt, und die drei Geschäfte werden vorerst mittwochs auch nicht mehr geöffnet. Der Mittwoch, erklärt Reiner Doderer, sei der umsatzmäßig schlechteste Tag gewesen.

Er habe rund 1000 Euro für Stellenanzeigen ausgegeben – aber zunächst habe sich nicht ein einziger Interessent gemeldet. Auch die Arbeitsagentur könne keine Bäcker oder Verkäufer vermitteln, so Reiner Doderers Erfahrung. Später habe er auch auf Facebook versucht, Menschen für die Mitarbeit in seinem Backbetrieb zu motivieren. Aber vergeblich.

Bäcker vom Balkan zum Probearbeiten

Kürzlich indes habe sich dann doch ein gelernter Bäcker gemeldet – er stammt aus dem Kosovo. Dessen Bruder hatte die Stellenanzeige in der Tageszeitung gesehen, ausgeschnitten und dem Interessenten zukommen lassen. Jetzt war der Bäcker vom Balkan zum Probearbeiten in Kaisersbach. Reiner Doderer ist ganz angetan von dem Mann, der allerdings kaum Deutsch spricht. „Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt.“ Der Kosovare habe sein Handwerk gelernt, und er sei arbeitswillig – was man offenbar nicht von allen Kandidaten sagen kann, die hin und wieder doch mal zum Testarbeiten vorbei kommen. Größere Ansprüche an potenzielle Mitarbeiter im Verkauf habe sie gar nicht mehr, erklärt Elke Doderer. Eine Fachausbildung jedenfalls sei nicht unbedingt erforderlich. „Die Leute sollten halt freundlich sein, sie sollten mit Menschen umgehen können und wenigstens einigermaßen Deutsch sprechen.“

Der Bäcker aus dem Kosovo hat mittlerweile einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Er habe eine Arbeitsgenehmigung, erzählen die Doderers. Nun warten alle, dass er auch das nötige Visum bekommt. Das könne aber ein paar Monate dauern, sei ihnen von den Behörden signalisiert worden.

Reiner Doderer hat sich Gedanken darüber gemacht, weshalb es früher viel einfacher war, Mitarbeiter zu finden und warum heute kaum mehr jemand als Bäcker arbeiten will. Obgleich der Beruf aus seiner Sicht toll ist, wie der Vater von zwei erwachsenen Kindern sagt.

„Ich hab nach der Arbeit den ganzen Tag noch vor mir“

Früher, so Doderer, hätten noch viel mehr Jugendliche den Hauptschulabschluss gemacht – und fast alle hätten anschließend einen Beruf im Handwerk ergriffen. Heute indes wollten fast alle Eltern, dass ihre Kinder mindestens auf die Realschule gehen. Und nach einem mittleren Schulabschluss wollten diese Jugendliche dann nicht Bäcker werden. Der eigene Sohn habe Koch gelernt, die Tochter Hotelfachfrau. Obgleich das der ausdrückliche Wunsch der Sprösslinge gewesen sei, hätten viele Bekannte ihm und seiner Gattin sinngemäß erklärt: „Wie könnt Ihr das nur zulassen!“

Bäcker sei ein schöner Beruf, sagt Reiner Doderer und lächelt zufrieden. „Ich hab’ nach der Arbeit den ganzen Tag noch vor mir.“ Gut, er müsse zweimal schlafen, über Mittag vier Stunden und nachts drei.

Wenn alles nach Plan läuft, dann sind die drei Filialen der Bäckerei Doderer spätestens Anfang 2018 auch mittwochs wieder geöffnet – sobald der neue Mitarbeiter das Visum hat. Aber nur, falls keine weiteren Mitarbeiter abspringen.




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