Bäder im Kreis Böblingen DLRG will Personalnot mit eigener Firma bekämpfen

Viele Freibäder im Kreis hatten vergangene Saison zu kämpfen. Auch das Bad in Hildrizhausen musste einige Tage wegen Personalausfall schließen. Foto: Stefanie Schlecht/Archiv

Von dem neuen Unternehmen„Gesellschaft für Bäderhilfe“ sollen die Bäder im Kreis Böblingen profitieren. Was bedeutet das?

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Die DLRG will dem Personalmangel in Bädern im Kreis Böblingen entgegenwirken – mit einem eigenen Unternehmen. In der vergangenen Saison mussten Bäder immer wieder schließen oder konnten nur eingeschränkt öffnen, weil nicht genügen Personal da war, um dort die Sicherheit zu gewährleisten.

 

Die Idee, die hinter der noch zu gründenden „Gesellschaft für Bäderhilfe“ steckt, hat der DLRG Bezirk Glems-Schönbuch am Wochenende bei einer Bezirkstagung in Herrenberg vorgestellt. „Die Firma soll die Arbeit der DLRG überall dort mit hauptamtlichen Kräften fortsetzen, wo das Ehrenamt an seine Grenzen stößt“, heißt es in einer Mitteilung. Vor allem im Sommer sind demnach neben den angestellten Badmitarbeitern in neun von zehn Freibädern im Kreis Ehrenamtliche der DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft) aktiv.

DLRG ein Akteur unter vielen – mit Heimvorteil

Dieses große Engagement komme jedoch bei dem immer weiter steigenden Bedarf an seine Leistungsgrenze. Bereits jetzt greifen Bäder auch im Kreis Böblingen auf externe Dienstleister-Firmen zurück, die Fachangestellte für Bäderbetriebe und Rettungsschwimmer langfristig und kurzfristig „verleihen“. Die neue Firma der DLRG wäre also ein Akteur unter vielen, wie Michael Scholz, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der DLRG Ortsgruppe Herrenberg, auf Nachfrage selbst sagt.

Er gibt aber zu bedenken: Die bisherigen Dienstleister säßen alle nicht im Kreis Böblingen. „Unser Vorteil ist: Wir sind von hier, wie wollen hier unterstützen und kennen jedes Bad im Kreis Böblingen.“

Als Vorbereitung auf die Unternehmensgründung habe man eine Marktanalyse durchgeführt und mit allen Schwimmbadbetreibern im Kreis gesprochen. Daraus seien konkrete Bedarfszahlen ermittelt worden. Der erwirtschaftete Gewinn der „Gesellschaft für Bäderhilfe“ soll demnach vollständig in die gemeinnützige Arbeit der DLRG fließen und zur Stärkung der Vereinstätigkeit beitragen.

Die Ortsgruppen reagieren positiv

Scholz glaubt nicht, dass das Ehrenamt der DLRG Ortsgruppen unter dem neuen Konstrukt leidet. Bisher seien auch die Rückmeldungen aus den Ortsgruppen sehr positiv, die Zustimmung zur Unternehmensgründung sei einstimmig gefallen. Alle „Dienstleistungen und Angebote“ der hauptamtlichen Mitarbeiter, die künftig bei der Firma angestellt sind, sollen sich auf die Zeiten konzentrieren, in denen ehrenamtliche Unterstützung nur schwer möglich ist – beispielsweise unter der Woche.

Scholz sieht in der neuen Firma eher eine Entlastung – und eine vorbeugende Maßnahme. Denn je öfter Bäder wegen Personalmangel zu machen müssten, desto unattraktiver werde es, sie zu halten und weiter in sie zu investieren. „Die größte Gefahr für das Ehrenamt ist, dass Bäder ganz schließen müssen“, betont der Pressesprecher.

DLRG will zur Sommersaison 2025 starten

In den nächsten Wochen soll das Unternehmen gegründet werden und nach Möglichkeit bereits ab Mai die Freibäder im Kreis unterstützen. Die DLRG sucht deshalb nach Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmern, die über die Sommermonate für eine geringfügige oder kurzfristige Beschäftigung zur Verfügung stehen würden. Scholz denkt – beispielsweise – an Frührentner, die unter der Woche Zeit haben und ihre Rente aufpolieren möchten.

Langfristig könnte die „Gesellschaft für Bäderhilfe“, so die Vision, auch Personal für den Winter, also für die Hallenbäder, und neben Rettungsschwimmern auch Fachangestellte für Bäderbetriebe stellen.

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