Bäder in Stuttgart Das Mineralbad Berg hat wieder offen – das sagen die Badegäste

Die Liegestühle stehen bereits – das Wetter spielt mit. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Seit diesen Montag ist der Außenbereich des Mineralbads Berg wieder auf – und hatte gleich „Full House“ unter Coronabedingungen. Die Tickets sind begehrt.

Stuttgart -

 

Seit 15 Jahren lebt er in Stuttgart – und die hiesige Institution Mineralbad Berg gehört längst zu seinen liebsten Plätzen. „Wenn ich kann, bin ich montags hier. Da habe ich frei – manchmal komme ich auch sonntags“, sagt Uli Matschkal. Seit Montag nun kann er seinem Ritual wieder frönen: Das Berg hat dank sinkender Inzidenzen wieder offen, zunächst der Außenbereich mit Liegewiesen und Becken, in dem naturbelassenes Mineralwasser plätschert.

Mit Abstand und Maske

Deswegen steht der Erzieher an diesem Montag auch schon um 8.45 Uhr vor „dem Berg“ – mit vorgebuchtem Online-Ticket. „Ich freue mich riesig. Das Bad ist ein Gewinn für die Seele. Wasser, Umgebung, wo gibt es schon solch einen idyllischen Ort mitten in der Stadt, der so gut erreichbar ist – für mich auch noch fußläufig. Und: Heute ist auch noch Topwetter!“

Ihm und den anderen, die an diesem Morgen geduldig, auf Abstand und mit Maske vor dem noch neuen Kassenhäuschen stehen, ist diese Idylle über die vergangenen sieben Monate versagt geblieben – und zuvor einige Sommer lang. Nach der vierjährigen Generalsanierung war das Berg vergangenen Oktober gerade mal einen Monat offen.

Das Leuze macht kommende Woche wieder auf

„Ich habe es so sehr vermisst!“, betont drinnen eine Frau auf einem Sonnenplatz der Gastronomie „Das Neuner Deli“. Sie schwärmt von der gut gelungenen Wiederherstellung des Bades. „Nicht übersaniert, behutsam, gefühlvoll, der 50er-Jahre-Charme ist erhalten.“ Ihr Partner nickt. Sie seien schon sehr, sehr lange „Bergianer“, hätten die Wiedereröffnung herbeigesehnt. „Dass wir auch noch Tickets für den ersten Tag bekommen – das ist etwas Besonderes.“ Sie lässt den Blick über das samtige Grün der Wiese und das Wasser schweifen, in dem es genussvoll und gemach zugeht. Wie sagte noch Ex-Oberbürgermeister Fritz Kuhn zur Eröffnung im Oktober 2020? „Bergianer zu sein, ist eine Lebensphilosophie. Wildes Toben und Planschen gibt es hier nicht.“

Das bemerkt auch ein Mutter-Tochter-Enkelin-Trio. Sie sind zum ersten Mal da. „Wir sind eigentlich Leuzianer, das ist besser mit Kindern, hat ein anderes Wasser“, ist zu erfahren. „Das Leuze macht kommende Woche wieder auf.“ Die Tochter ergänzt: „Schick hier – und entspannend. Wenn ich Ruhe brauche, komme ich wieder her.“

Sauna und Innenbecken bleiben vorerst zu

Das tut Barbara Briggl seit Jahr und Tag. „Ich gehe in alle Stuttgarter Bäder, liebe schwimmen, habe nach dieser langen Schließungszeit schon gedacht, ich kann es nicht mehr“, flachst die fitte, braungebrannte Rentnerin. Sie ergänzt: „Ich war schon als Kind mit meinen Eltern im Berg, sehr schön! Damals fand ich nur das Glitschige auf dem Boden seltsam, aber das habt ihr ja top hingekriegt.“ Sie wendet sich an Jens Böhm, Pressesprecher der Bäderbetriebe Stuttgart, und Schwimmbadleiter Jérôme Forgerit-Balci, die sich an diesem Morgen über die Besucherinnen und Besucher freuen. „Toll, dass wir wieder öffnen können – eben noch unter Pandemie-Bedingungen!“, sagt Forgerit-Balci. Das bedeute, Sauna und Innenbecken blieben vorerst zu, auch die Umkleiden. „Alles spielt sich außen ab, am Kassenbereich ist Maskenpflicht – im Freien, auf der Wiese oder im Becken braucht es keine Maske. Im laufenden Betrieb wird ständig gereinigt und desinfiziert“, sagt Forgerit-Balci.

An der Kasse haben Mitarbeiterinnen ordentlich zu tun, um die „drei G’s“ zu prüfen: Geimpft, getestet oder genesen? Die Besucher zeigen geduldig ihre Dokumente. „Das geht so lange, bis die Inzidenz stabil fünf Tage unter 35 ist“, so Böhm. Coronabedingungen, das bedeute viel Organisation und Personal – und daran fehlt es bei den Bäderbetrieben.

Pro Tag können 600 Personen im Berg baden

„Wir haben daher einen Stufenplan, die Freibäder zuerst geöffnet, nun das Berg, kommende Woche das Leuze“, erläutert Pressesprecher Böhm. Im Berg können pro Tag 600 Personen baden, jeweils 300 pro sechsstündigem Zeitfenster. Er rät: „Online Tickets vorbuchen, oder an der Kasse zwischen 11 bis 15 Uhr sowie 18 bis 21 Uhr für die kommenden Tage reservieren. Die Timeslots sind begehrt.“ Wer spontan „bergeln“ will, der erhascht – mit Glück und Warten – vielleicht eine der 20 Karten, die es täglich an der Kasse ohne Vorbuchung gibt.

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