Bäder-Schließung in Stuttgart Leuze-Fans auf dem Trockenen
Harte Zeiten für die Stammgäste der drei Stuttgarter Mineralbäder: Für sie ist das große Mineralwasser-Fasten angebrochen – unfreiwilligerweise. Eine Glosse von Jan Sellner.
Harte Zeiten für die Stammgäste der drei Stuttgarter Mineralbäder: Für sie ist das große Mineralwasser-Fasten angebrochen – unfreiwilligerweise. Eine Glosse von Jan Sellner.
Die folgenden Zeilen sind einer liebenswerten Minderheit in Stuttgart gewidmet: den Stammgästen der Mineralbäder Leuze und Berg („Neuner“), also dem überwiegend badenden und saunierenden Völkchen der Leuzeaner und Bergianer. Ebenso den regelmäßigen Besuchern des Mineralbads Cannstatts, für die, soweit bekannt, keine eigene Bezeichnung existiert.
Tatsächlich handelt es sich bei den Angesprochenen um eine überschaubare Bubble, wobei Bubble wörtlich zu nehmen ist. Denn die Leuzeaner schätzen an ihrem Mineralbad besonders das unvergleichliche Sprudelwasser, das seit Urzeiten aus der Leuze-Quelle bubbelt. Wichtig ist für sie auch die schwäbische Version von bubble – das Babbeln, das mindestens so wichtig ist wie das Duschen. Und worüber babbeln und schwätzen die Leuzeaner, Bergianer und – nennen wir sie Cannstattianer – denn so gerade? Es gibt für die drei Völkchen, die nah am Mineralwasser gebaut haben, überhaupt nur ein Thema: den beklagenswerten Umstand, dass sie auf dem Trockenen sitzen. Ihre Badetempel haben geschlossen! Alle drei. Seit die Römer die Cannstatter Mineralwasserquellen entdeckten, gab’s so was noch nie! Außer bei Corona.
Grund für die Bäderschließung ist eine revolutionäre technische Neuerung: der Einbau eines modernen Kassensystems! Zwei volle Wochen – für Mineralbad-Suchtis eine halbe Ewigkeit – nimmt der Austausch der Anlagen in Anspruch. Die Hälfte davon hat man jetzt hinter sich gebracht – mit den zu befürchtenden Folgen: Infolge des Mineralwasserentzugs zeigen die Ausgesperrten bedenkliche Austrockungserscheinungen. Da können die städtischen Bäderbetriebe noch so sehr auf technische Erfordernisse verweisen und die digitale Zukunft der Mineralbäder preisen – die Mineralwasser-Community leidet! Und komme den Schwimmvölkchen keiner mit den Vorzügen des Fastens! Auf alle anderen Genussmittel lässt sich problemlos verzichten. Ein 14-tägiges Mineralwasserfasten jedoch verlangt einem Leuzeaner, Bergianer und Cannstattianer das Äußerste ab!
Über Alternativen brauchen sie nicht nachzudenken. Es gibt sie nicht! Selten war der Ausdruck „alternativlos“ so treffend wie beim Stuttgarter Mineralwasser! Am 7. April, so versprechen die Bäderbetriebe, hat die Trockenheit ein Ende. Dann öffnen die Bäder wieder, und die neuen Kassen ermöglichen einen flüssigen Zugang. Wenn die Leuzianer, Bergianer und Cannstattianer bis dahin nicht verschrumpelt sind . . .