Bäderkonzeption in Stuttgart Neues Lehrschwimmbecken erst in vier Jahren?

Von Torsten Ströbele 

Die Stadtverwaltung muss noch untersuchen, an welchem Standort das Bad gebaut werden kann. Auf den ersten Blick ist aus Sicht des Schulverwaltungsamtes das Grundstück der Wolfbuschschule am ehesten geeignet.

Auch Vereine sollen das Lehrschwimmbecken für Kurse nutzen können. Foto: dpa
Auch Vereine sollen das Lehrschwimmbecken für Kurse nutzen können. Foto: dpa

Stuttgart-Weilimdorf - Weilimdorf benötigt ein Schwimmbad. Das hat eine Bedarfsanalyse, welche die städtischen Bäderbetriebe in Auftrag geben haben, klar aufgezeigt. Die Profund Consult GmbH hat in Weilimdorf einen „weißen Fleck“ in der Stuttgarter Bäderlandschaft ausgemacht (wir berichteten). Das Unternehmen empfiehlt den Bau eines sogenannten Lehrschwimmbeckens, um den Kindern aus dem Stadtbezirk ausreichend Schulschwimmunterricht ermöglichen zu können. „Damit würde sich auch die derzeitige Belegungssituation im Hallenbad Feuerbach entspannen“, heißt es in der Bedarfsanalyse. Die dort frei werdenden Zeiten könnten zusätzlich für die Vereine und/oder die öffentliche Nutzung zur Verfügung gestellt werden.

„Es überrascht uns nicht, dass die im Rahmen der Bedarfsanalyse durchgeführte räumliche Betrachtung eine Unterversorgung bezüglich der Schwimmmöglichkeiten für Schulen und Vereine im Stadtbezirk Weilimdorf ausgemacht hat“, schreiben die Stadträte der Freien Wähler in einer Anfrage an die Stadtverwaltung. Es sei daher erfreulich, dass der Neubau eines zusätzlichen Lehrschwimmbeckens empfohlen werde. Doch: „Nach dieser frohen Kunde war es zu erwarten, dass der seit Jahren in Weilimdorf bestehende und immer wieder formulierte Wunsch nach einem vollwertigen und öffentlich nutzbaren Schwimmbad für den Stadtbezirk erneut vorgebracht werden wird“, heißt es bei den Freien Wählern. „Einerseits können wir diesen Wunsch nachvollziehen, andererseits gibt es in Weilimdorf auch andere Wünsche und Bedarfe, auf deren Erfüllung und Befriedigung gewartet wird.“

Zudem benötige man erst eine realistische Einschätzung, welchen Nutzen der Bau eines öffentlichen Schwimmbades im Verhältnis zu den Kosten und dem Personalbedarf habe. „Um einschätzen zu können, was realistisch, machbar und auch mit Blick in die Zukunft sinnvoll ist, benötigen wir Freie Wähler weitere Informationen und harte Fakten für eine mögliche Entscheidungsfindung.“ In seiner Antwort an die Freien Wähler lässt Oberbürgermeister Fritz Kuhn allerdings keinen Zweifel daran, dass ein Lehrschwimmbecken vollkommen ausreichend ist: „Für den Bau und Betrieb eines öffentlich nutzbaren Bades in Weilimdorf gibt es keinen Bedarf.“

Die Lehrschwimmbecken sollen auch am Wochenende öffnen

Wie geht es nun weiter? Und wann könnte ein neues Lehrschwimmbecken in Weilimdorf eingeweiht werden? Noch gibt es keinen Beschluss des Gemeinderats und somit stehen für den Bau und die Planung auch noch keine finanziellen Mittel zur Verfügung. „Mögliche Terminschiene für ein Lehrschwimmbecken in Weilimdorf: Rund vier Jahre ab Vorprojektbeschluss bis Fertigstellung“, schreibt Kuhn.

Und an welcher Stelle könnte sich die Stadt das Lehrschwimmbecken vorstellen? „An allen Schulstandorten ist die Errichtung eines Lehrschwimmbeckens nur bei Verzicht auf andere Nutzungen möglich. Somit stellt sich im Einzelnen zunächst die Frage, auf welche Nutzungen (zum Beispiel ein Teil des Schulhofs, einzelne Parkplätze) auf einem Schulgelände verzichtet werden könnte“, heißt es in der Antwort des Oberbürgermeisters auf die Freie-Wähler-Anfrage. Unter anderem sollte der Standort eine gute Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr haben. Im Fall der Wolfbuschschule sei zudem der Denkmalschutz zu beachten. „Eventuell kann das benötigte Lehrschwimmbecken mit anderen derzeit geplanten Nutzungen (zum Beispiel Mensa) kombiniert werden. Ein sinnvoller Standort für ein neues Lehrschwimmbecken in Weilimdorf wäre natürlich direkt auf dem Schulgrundstück einer der künftig vier Grundschulen“, schreibt Kuhn. „Zumindest eine der Schulen müsste dann nicht mehr zum Schwimmunterricht gefahren werden.“ Ob dies allerdings an einer der vier Grundschulen möglich ist, ist bislang noch nicht untersucht worden. „Auf den ersten Blick ist aus Sicht des Schulverwaltungsamtes das Grundstück der Wolfbuschschule am ehesten geeignet.“

Lehrschwimmbecken haben eine Wasserfläche von 75 Quadratmeter mit den Maßen 12,5 auf sechs Meter. Es erfolgt in der Regel eine Belegung durch Schulen in der Zeit von 7.45 bis maximal 17 Uhr. Anschließend können in der Regel bis 22 Uhr Vereine oder Institutionen das Bad nutzen. Allerdings gilt das nur von Montag bis Freitag. Das ist den Freien Wählern etwas zu wenig. Die Stadträte wollen wissen, „ob und unter welchen Voraussetzungen es ermöglicht werden kann, die vorhandenen Lehrschwimmbecken auch an den Wochenenden zu nutzen“. Diese Antwort steht noch aus.

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