Bäderstädte im Nordschwarzwald Bad Liebenzell will Ort der Erholung sein

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Bad Liebenzell setzt lieber auf eine andere Strategie – man wolle sich profilieren als ein Ort der Erholung und Entspannung, so Fischer. An einem Konzept wird gerade gefeilt. Zwei große Meilensteine sind aber bereits gesetzt. Erstens wurde im Jahr 2012 die Paracelsus-Therme saniert; es war ein Kraftakt für eine kleine Gemeinde wie Bad Liebenzell. Dietmar Fischer träumt noch von einem „Sahnehäubchen“, dem Ausbau der Saunalandschaft; aber schon jetzt entwickle sich die Gästezahl positiv. Zweitens soll demnächst der Kurpark an der Nagold in der Fläche verdoppelt werden – es wird einen Skulpturenpark und einen Philosophenweg geben, im Badhaus soll ein Landcafé eingerichtet werden.

Wichtig ist nicht nur für Bad Liebenzell der Radtourismus. Seit das E-Bike boomt, wird selbst der Schwarzwald für Radfahrer attraktiv: Die Anstiege sind nicht mehr so schwer. Fischer verfolgt aber noch eine andere Strategie als den Tourismus. Die im Jahr 2011 gegründete Internationale Hochschule in Bad Liebenzell bringe ein ganz anderes Klientel an die Nagold.

Aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist auch Bad Teinach, die kleinste der vier Bäderstädte im Kreis Calw. Vor vier Jahren hat die Mineralbrunnen AG das Bad-Hotel an den Pforzheimer Unternehmer Wolfgang Scheidtweiler verkauft. Der hat die Zimmerzahl verdoppelt und die Therme saniert – das „Hotel Therme“, wie es jetzt heißt, soll durch das historische Anwesen und den gehobenen Standard zu einem überregionales Tagungs- und Wellnesszentrum werden. In diesen Tagen öffnet sich die Therme auch für externe Gäste.

Bad Herrenalb ist die größte der vier Bäderstädte

Für viele überraschend ist aber Bad Herrenalb, die größte Bäderstadt im Nordschwarzwald. Wenn man im Gegensatz zum Statistischen Landesamt die kleinen Privatvermieter mit einrechnet, gab es dort 2015 rund 327 000 Übernachtungen; zweitstärkste Stadt ist Wildbad mit real 260 000 Übernachtungen. „Wir wissen, was wir können“, sagt Bürgermeister Norbert Mai, „aber wir müssen die Außenwirkung noch verbessern.“ So besitze Herrenalb, was nicht einmal Baden-Baden habe: echtes Heil- und nicht nur Mineralwasser.

Diese Außenwirkung soll vor allem mit der Landesgartenschau erreicht werden, die in einem Jahr beginnen wird – im Moment ist die Innenstadt eine einzige Baustelle. Parallel wird es ein Entwicklungskonzept geben, an dem der Gemeinderat gerade tüftelt: „Wir wollen den Muff der 60er Jahre rausfegen“, sagt Mai.

Ein Sorgenkind gibt es dabei noch: die Therme, die nicht mehr zeitgemäß ist. Ziel ist es weiter, einen Investor zu finden, der die Therme übernimmt, saniert und eventuell erweitert. Damit man sich nicht noch einmal blamiert, wurde das Verfahren jetzt extern begleitet. Demnächst sollen die potenziellen Investoren vorgestellt werden. Mai ist zuversichtlich, dass sich schon in wenigen Jahren Grundlegendes verändert haben wird. Aber auch Bad Herrenalb setzt nicht mehr allein auf den Tourismus. Man habe einen Lebensmittelmarkt gebaut, einen großen Kindergarten eröffnet und ein Baugebiet erschlossen: „Wir werden interessant für Familien“, sagt Mai.

Mindestens zweigleisig fahren – das ist die Strategie aller Bäderstädte. Einen weiteren Absturz wollen jedenfalls alle um fast jeden Preis vermeiden.