Bärenschlössle ist ein Paradies für Fußgänger und Radfahrer Weit mehr als nur ein Rentnertreff

Seit 22 Jahren betreibt Jürgen Ummüßig die Gastronomie im Bärenschlössle. Foto: factum/Bach
Seit 22 Jahren betreibt Jürgen Ummüßig die Gastronomie im Bärenschlössle. Foto: factum/Bach

Am Bärenschlössle im Rotwildpark in Stuttgart können Kinder grenzenlos toben. Aber auch Radfahrer, Spaziergänger und Inline-Skater kommen gerne her.

Leonberg - Die Bärenseen gelten als eines der beliebtesten Naherholungsziele in Stuttgart. Bei gutem Wetter müssen sich nicht selten Jogger und Familien mit Kinderwagen den schmalen Weg um die 5600 Meter lange Stauseekette teilen. Inmitten dieses Landschaftsidylls liegt das Bärenschlössle, dessen Gastronomie Jürgen Unmüßig in zweiter Generation seit 22 Jahren betreibt. „Meine Mutter hat damit im Jahr 1964 angefangen, die Erlaubnisurkunde vom Polizeipräsidium habe ich heute noch“, erzählt Jürgen Unmüßig. Sein Großvater Otto Günther sei der zuständige Revierförster gewesen und habe schon damals gesagt, dass es an dieser Stelle nur eine Gastronomie geben dürfe, wenn keine Autos dort fahren dürften.

Diese Regel gilt auch 54 Jahre später noch. Das Gebiet um die Bärenseen ist daher ein Paradies für Wanderer, Radfahrer, Jogger und Spaziergänger. Jeder findet hier eine Strecke nach seinem Geschmack, sämtliche Wege führen sternförmig auf das Schlössle zu. Auch Rollstuhlfahrer und Senioren mit Rollator finden barrierefreie Wege dorthin. Inline-Skater können ihre Schuhe anlassen, wenn sie zum ehemaligen Jagdpavillon König Wilhelms von Württemberg wollen. Über einen Shuttle-Service für Gehbehinderte wird im Stuttgarter Rathaus derzeit nachgedacht.

Sogar Geocacher kommen auf ihre Kosten

Da der Bereich rund um das Schlössle Naturschutzgebiet ist, sind dort gewerbliche Aktivitäten jeglicher Art verboten. „Hier darf weder eine Firma Promotion für Sportschuhe machen, noch ein Bogenschießwettbewerb zum Teambuildung stattfinden“, erzählt Unmüßig. Dafür können Naturfreunde Frösche, Insekten, Fledermäuse und sogar Glühwürmchen entdecken. „Es gibt Besucher, die sich erkundigen, wann die Glühwürmchen nachts leuchten“, erzählt der Gastronom.

Groß und Klein finden rund um das Bärenschlössle Bewegungsmöglichkeiten jeglicher Art. Kinder können auf dem Holzkrokodil vor dem Haupteingang herumturnen oder einen der beiden Bronzebären der Bildhauerin Lilli Kerzinger-Werth erklimmen. In der Nähe des Schlössles führt eine Treppe zu einem aufgeschichteten Steinhaufen hinunter, der Bärenhöhle. „Der Sage nach soll das ein Geheimausgang vom Schlössle gewesen sein, aber tatsächlich war es eine Unterstellmöglichkeit für Hirten“, weiß Jürgen Unmüßig zu erzählen.

Auf der Wiese vor dem Bärenschlössle sieht man regelmäßig Familien picknicken, Federball spielen oder kicken. Sogar eine Slackline kann man zwischen drei Pfosten spannen, die zu diesem Zweck extra dort aufgestellt wurden. Auch Freunde des Geocachings, bei dem Schätze mittels eines GPS-Empfängers aufgespürt werden müssen, kommen hier voll auf ihre Kosten.

Angler finden Karpfen und Hechte

Ein Paradies sind der Bärensee, der Neue See und der Pfaffensee – so heißen die drei Gewässer korrekterweise – für Angler. „Wer das einfach ausprobieren will, kann sich eine Schnupperkarte beim württembergischen Anglerverein besorgen“, erzählt Jürgen Unmüßig. Vor allem Karpfen, Hechte, Schleien und Barsche finden sich nach Angaben des Vereins in den drei Seen, die eine ausgezeichnete Wasserqualität haben, da sie als Trinkwassernotversorgung der Stadt Stuttgart genutzt werden.

Rund 10 000 Menschen sind nach Unmüßigs Schätzungen sonntags hier unterwegs, etwa 2000 kehren in seinem Restaurant ein. „Früher war das Bärenschlössle ein bisschen ein Rentnertreff, aber das hat sich geändert“, sagt der Gastronom. Da junge Familien heute flexibel Erziehungszeiten nehmen könnten und Arbeitnehmer häufig Gleitzeit hätten, sei das Publikum sehr viel gemischter als früher. „Außerdem kommen viele Besucher abends noch kurzfristig, wenn sie auf ihrem Smartphone gecheckt haben, dass das Wetter gut ist“, sagt Jürgen Unmüßig. Zudem gebe es immer mehr E-Biker.

Der 51-Jährige bietet Speisen je nach Saison an und orientiert sich immer wieder an bestimmten Anlässen. So standen am Tag des diesjährigen Endspiels der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Frankreich und Kroatien die landestypischen Gerichte Coq au vin und Cevapcici mit Djuvec-Reis auf der Speisekarte. 20 Voll- und Teilzeitkräfte, von denen nicht wenige Unmüßig seit 20 Jahren die Treue halten, sowie 45 Aushilfen sorgen dafür, dass auch zu Stoßzeiten keine allzu langen Warteschlangen für die Gäste entstehen.




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