Bäume in der Stadt Ein Tiny-Wald in Stuttgart gegen die Hitze

Das Klimawäldchen in Heilbronn: das Foto hatte die Stadt Stuttgart auch in den Ausschuss mitgebracht. Foto: Stadt Heilbronn/Vermessungs- und Katasteramt

800 000 Euro gibt die Stadt Stuttgart für ein neuartiges Projekt zur Klimaanpassung aus. Nun ist klar, dass ein Tiny Forest, ein Miniwäldchen, angepflanzt werden soll. Was über den Ort bekannt ist und über die Wirkung.

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Von oben betrachtet sieht es aus wie ein Busch im XXL-Format. Mit dem Klimawäldchen am Wollhausplatz probiert die Stadt Heilbronn seit 2019 etwas Neues aus: das Konzept des Tiny Forests, des Miniwaldes mitten in der Stadt. Und so wie es derzeit aussieht, wird es in Stuttgart künftig etwas Ähnliches geben.

 

Generell mangelt es in Städten an Platz für Neues, erst recht für einen Wald. Auch wenn dieser die Luft, vor allem in hitzigen Sommermonaten, abkühlen würde. Die Miniwäldchen sind sozusagen ein Kompromiss. Die Idee stammt von dem japanischen Biologen Akira Miyawakider, der erste Tiny Forest in Europa wurde in Holland angepflanzt. „Tiny Forest“ ist als eingetragenes Warenzeichen registriert. Städte wandeln das Konzept teils für ihre Möglichkeiten ab.

Wildes Wäldchen, Kinderwäldchen und Parkwäldchen

Vertreter des Stuttgarter Gartenamts haben vor Kurzem gezeigt, welche Arten von Wäldchen in in der Stadt theoretisch denkbar wären. Zu unterscheiden seien drei Varianten, sagte Michael Göppinger im Ausschuss für Klima und Umwelt. Das wilde Wäldchen, das Kinderwäldchen und das Parkwäldchen. Für Stuttgart hat er drei beispielhafte Standorte mitgebracht, für jeden Wald-Typ einen.

So wuchert auf einer Illustration ein wildes Wäldchen auf einer großen Verkehrsinsel am Knotenpunkt Burgholzstraße in Stuttgart-Münster. Ein Kinderwäldchen hat die Stadt an den Rande des Pausenhofs der Grundschule Ost gepflanzt. Und ein Parkwäldchen ist auf einer Brachfläche im Neckarpark eingezeichnet.

Kitas, Schulen und Brachen seien geeignet

Grundsätzlich geeignet seien Brachen, Schulen, Kitas, Straßenränder oder Friedhöfe. „Der wirkliche Effekt stellt sich dort dar, wo etwas aufgebrochen wird“, sagte Göppinger. Was die klimatische Wirkung angehe, sei diese lokal begrenzt. Für Hotspots seien Miniwäldchen aber durchaus interessant. Wo es besonders heiß ist in Stuttgart weiß die Stadt, weil sie Thermobefliegungen gemacht hat.

Je nach Wäldchen-Variante steige der Pflegeaufwand, hieß es seitens des Gartenamts. Beim wilden Wäldchen sei er überschaubar, beim Parkwäldchen am höchsten. Das Amt habe für dieses Jahr 300 000 Euro und für 2025 noch einmal 500 000 Euro für ein neuartiges Projekt zur Klimaanpassung. Man könne sich vorstellen, davon ein solches Wäldchen anzupflanzen. Der Vorschlag kam seinerzeit von der Fraktionsgemeinschaft Puls. „Für 2025 wird es knapp mit dem Bau, aber das wäre unser Ziel“, sagte Karola Ortmann, die Leiterin des Gartenamts. Was den Ort angeht, werde man mit einem Vorschlag wiederkommen.

Klar ist: Das Parkhaus an der Steinstraße ist für diese Zwecke ausgeschlossen. Die Grünen hatten Ende 2023 einen Pocket Park, also einen Park im Miniaturformat, ins Gespräch gebracht. Konkret schlugen sie vor, zunächst einen Interims-Park mit Urban Gardening auf dem Parkdeck einzurichten. Mit Sitzgelegenheiten, ohne Konsumzwang. Mittelfristig wünschen sich die Grünen, dass ein richtiger, kleiner Park das Parkhaus ersetzt. Für das Parkdeck hat die Stadt nun eine andere Lösung. Dort sollen Kübelpflanzen aufgestellt werden. Die Ort eigne sich allerdings nicht, um sich dort aufzuhalten, sagte Ortmann.

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