Es sind nur wenige Meter, die den nördlichen Siedlungsrand von der Autobahn A 8 trennen. Auf dem Streifen Land wachsen seit vielen Jahren Bäume und Gestrüpp. Viele Nachbarn im Leinfelden-Echterdinger Teilort Oberaichen erfreuen sich an dem kleinen Flecken Natur vor der Haustüre. Das Forstamt hat nun jedoch angekündigt, einige der alten Bäume aus Sicherheitsgründen noch vor dem kommenden Frühling fällen zu müssen.
„Der Böschungsbereich ist ziemlich hoch gewachsen“, berichtete der zuständige Forst-Revierleiter Jonathan Sachs jüngst im Technischen Ausschuss der Stadt. Zwei große Eichen wurden bereits zum Beginn der Sommerferien gefällt. „Da musste sofort etwas passieren“, betonte die Leiterin des Forstamtes Cordula Samuleit. Weitere der noch stehenden Bäume sind in keinem guten Zustand mehr. Ein Blick ins innere der Stämme der gefällten Eichen habe offengelegt, dass das Innere der Bäume bereits hohl war. Solche Bäume drohten umzufallen, erklärte Samuleit. Die stürzenden Riesen könnten in eines der benachbarten Häuser oder auf die Autobahn knallen – beides Szenarien, die das Forstamt zu verhindern versucht.
Bäume sind in keinem guten Zustand
„Nicht jede Eiche kann tausend Jahre alt werden“, betonte die Forstamtsleiterin. Die Fällarbeiten werden den Charakter des Gebiets verändern. „Da muss man der Wahrheit ins Auge sehen“, sagte Samuleit. Es werde Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis der Wald nachgewachsen sei. Durch diese „Durststrecke“ müsse man jedoch hindurch. 565 Festmeter Holz sollen entnommen werden.
Logistisch sind die Arbeiten kompliziert. Es gibt wenig Platz für große Maschinen und das Holz. Die Autobahn müsse dafür teilgesperrt werden. Neben dem Forstamt ist also auch die Autobahnmeisterei einbezogen. „Das wird ein Tanz auf Messers Schneide“, befürchtet Samuleit. Federführend wird Revierleiter Sachs für die Aktion zuständig sein. „Es ist ein spannendes Eck“, sagte er. Für die Baumfällarbeiten an der sensiblen Stelle werden Spezialfirmen beauftragt. Die großen Bäume könnten nicht einfach umgesägt werden. Sie werden von oben nach unten Stück für Stück zerteilt.
Neben der Bedeutung für die Naherholung könnten Anwohner eine Verringerung des Lärmschutzes durch die Baumfällarbeiten vermuten. Entsprechende Befürchtungen äußerten verschiedene Stadträte. Dem entgegnete Bürgermeister Benjamin Dihm jedoch, dass die vorhandenen Bäume keine große Schallschutzwirkung hätten.
Neben den Plänen für das kommende Jahr gaben die Forstmitarbeiter den Stadträten einen Rückblick auf das auslaufende Jahr. 3800 Festmeter Holz seien eingeschlagen worden, 200 Festmeter stünden in diesem Jahr noch aus, so Sachs. 18 Prozent des Holzes sei auf eine sogenannte zufällige Nutzung zurückzuführen gewesen. Das bedeutet, dass das Holz beispielsweise wegen Sturmschäden angefallen ist und nicht geplant und aus wirtschaftlichen Gründen geholt wurde. Darüber hinaus wurden laut Forstamt Waldschranken ersetzt, Bestandspflege betrieben, junge Bäume mit Zäunen vor Wildverbiss geschützt und Erholungseinrichtungen wie Sitzbänke oder Grillplätze unterhalten. In Musberg wurde außerdem auf 56 Hektar eine Bodenschutzkalkung durchgeführt. Der Wegebau und -unterhalt seien ferner Dauerthemen, so Sachs. Die beiden neuen Mountainbike-Trails konnten aufgrund des nassen Sommers nicht wie geplant fertiggestellt werden. „Das Wetter hat nicht mitgespielt“, sagte der Revierleiter.
Im kommenden Jahr sollen 3400 Festmeter auf einer Fläche von 58,3 Hektar eingeschlagen werden. Neben den 565 Festmetern aus Oberaichen möchte das Forstamt den Rest des Planes mit Holz aus dem Wald bei Echterdingen erfüllen. Zur Aufforstung sollen nächstes Jahr 350 Baumhaseln, 100 Elsbeeren, 600 Flatterulmen, 350 Schwarzkiefern gepflanzt werden. Zur Nachbesserung des Bestands werden außerdem einige Traubeneichen und Esskastanien gepflanzt. Die Kosten für die Bewirtschaftung des städtischen Waldes werden die Erlöse voraussichtlich deutlich übertreffen. Die Stadt rechnet mit Kosten von 272 000 Euro und Erlösen aus dem Holzverkauf von rund 170 000 Euro.
Tag des Waldes
Antrag
Die CDU hatte bereits im vergangenen Jahr beantragt, einen „Tag des Waldes“ einzuführen. Der hätte unter Einbindung örtlicher Naturschützer, Jäger und Bildungseinrichtungen regelmäßig ein öffentliches Informationsangebot machen sollen. Im Technischen Ausschuss zog die CDU ihren Antrag nun zurück.
Rückzug Die Stadt hatte in ihrer Sitzungsvorlage empfohlen, den CDU-Antrag abzulehnen. Wortbeiträge aus den Reihen der anderen Fraktionen ließen erkennen, dass die Mehrheit des Technischen Ausschusses der Linie der Stadtverwaltung folgen wollte. Als wichtigsten Grund für die ablehnende Haltung nannte der Bürgermeister Benjamin Dihm die Personalknappheit des Rathauses. Die Organisation eines weiteren Informationstags bindet aus Sicht der Verwaltung zu viele Kapazitäten.
Verfahren
Es war nicht die erste Abstimmung über den CDU-Antrag, der mehrere Punkte enthielt. Bereits im Februar wurde im Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss abgestimmt. Damals wurde unter anderem beschlossen, ein Konzept für Naturpädagogik für die örtlichen Betreuungseinrichtungen erstellen zu lassen. Über den „Tag des Waldes“ sollte später im Technischen Ausschuss gesprochen werden, was nun aufgrund des Rückzugs des Antrags nicht mehr geschehen ist.