Bahn brüskiert Pendler im Filstal Das Chaos geht weiter – bei der Entschädigung

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Verspätungen, Zugausfälle: Pendlern wird kühl eine Erstattung verweigert – die Bahn lenkt schließlich ein.

Die Bahn hält nicht immer,  was sie verspricht –  das gilt nicht nur beim Zugverkehr. Foto: dpa
Die Bahn hält nicht immer, was sie verspricht – das gilt nicht nur beim Zugverkehr. Foto: dpa

Filstal - Die Deutsche Bahn hat sie groß angekündigt, die Entschädigungsaktion für die Pendler, die seit einem Jahr auf der Filstalbahn sowie der Franken- und der Remsbahn unter Verspätungen und Ausfällen im Zugverkehr leiden. Doch die Illusion bei den Betroffenen platzte schnell: Statt der unbürokratischen Erstattung eines Monatsbeitrags für Jahreskarteninhaber haben einige eine vorformulierte Absage erhalten. Wie viele Pendler betroffen sind, ist unklar. Es kam jedoch zu einem Sturm der Entrüstung. Am Donnerstag ist die Bahn dann eingeknickt, am Abend kündigte sie Nachbesserungen und sogar eine Ausdehnung der Aktion an.

In der Absage hatte es geheißen: „Nach Prüfung Ihrer Unterlagen können wir keine Überweisung eines Monatsbeitrages vornehmen.“ Die Begründung: „Eine Gutschrift erhalten ausschließlich Jahreskarteninhaber. Ausgenommen hiervon sind Senioren-, Semester- und Monatstickets sowie Fahrgäste, die für ihre Gesamtstrecke auf die ­S-Bahn oder den Fernverkehr umsteigen können.“ Das Schreiben schließt mit den Worten: „Wir bedanken uns für Ihr Verständnis und hoffen, Sie auch zukünftig in unseren Zügen begrüßen zu dürfen.“

Völliges Unverständnis der Betroffenen

Der Jahreskarteninhaber Jürgen Oßwald aus Wangen gehört zu denen, die eine solche Absage erhalten haben. Er steigt täglich in Ebersbach in den Zug, wo es weder S-Bahn noch Fernverkehr gibt, und will deshalb von der Bahn wissen, warum er die Entschädigung nicht bekommt, schließlich erfülle er alle Kriterien. Sein Resümee: Die Entschuldigungsaktion der Bahn „hat die gleiche Qualität wie Ihre Zuverlässigkeit. Nämlich keine.“

Verärgert sind auch Pendler, die zum Teil sogar auf Anraten der Deutschen Bahn eine teurere Jahreskarte mit IC-Zuschlag gekauft haben. Diese gingen nach den bisherigen Vorgaben bei der Aktion leer aus, obwohl auch sie unter den vielen Verspätungen zu leiden hatten. Die Bahn begründete das damit, dass sie auf Fernzüge hätten umsteigen können. Der SPD-Landtagsabgeordnete Peter Hofelich kritisierte in einer Pressemitteilung am Donnerstagmorgen, die Bahn speise Pendler mit „vorformulierten Floskeln“ ab, und verlangte, sie solle schnell einlenken und die versprochenen Entschädigungen bezahlen. Er fordere den „Verkehrsminister Hermann dringend auf, sich der Sache anzunehmen.“

Am Abend die Kehrtwende

Eine Anfrage unserer Zeitung bei den Bahn lief zunächst ins Leere. „Wir sind an dem Thema dran“, sagte ein Bahnsprecher lediglich und räumte ein, es habe bereits mehrere Anfragen von Pendlern gegeben. Erst am Abend konnte der Sprecher mit weiteren Informationen dienen. Und er verkündete überraschend eine Kehrtwende der Bahn: Die „Entschuldigungsaktion“ werde auch auf Jahreskarteninhaber mit IC-Aufschlag ausgedehnt.

Es habe Fehler bei der Bearbeitung der Anträge gegeben, man habe übersehen, dass Pendler wie Oßwald von ihren Startbahnhöfen gar nicht auf Fernverkehrszüge oder die S-Bahn umsteigen könnten, erklärte der Sprecher weiter. Die Bahn nehme dies zum Anlass, jede einzelne Absage erneut zu prüfen und gegebenenfalls zu korrigieren. Ob es auch Fehler bei Kunden der Rems- oder Frankenbahn gab, konnte er nicht sagen. „Aber geprüft werden jetzt ohnehin alle Absagen.“