Bahn-Chef Grube tritt zurück Zuletzt war Grube wieder häufiger in Sachen Stuttgart 21 unterwegs

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Dass sich der Vorstandsvorsitzende gleich zwei Mal kurz hintereinander nach Stuttgart bemühte, ist nicht allein mit der Bedeutung der Anlässe zu erklären. Das Vorhaben war mal wieder in schwierigem Fahrwasser. Die Projektgesellschaft hatte eingeräumt, dass sie teilweise bis zu zwei Jahre hinter dem Terminplan herhinke. Der Bundesrechnungshof prognostizierte Kosten von knapp zehn Milliarden Euro. Ein vom Bahn-Aufsichtsrat in Auftrag gegebenes Gutachten warnte vor Baurisiken im geologisch schwierigen Stuttgarter Untergrund. Und dann war Grube auch noch der eigentlich für Stuttgart 21 zuständige Infrastrukturvorstand Volker Kefer abhanden gekommen, der das Projekt über Jahre hinweg begleitet hatte und spätestens seit den Schlichtungsgesprächen im Rathaus einem größeren Publikum bekannt war.

Die Projektkritiker fühlen seit der Rücktrittsmeldung vom Montagmittag wieder Rückenwind. „Rüdiger Grube stand für Stuttgart 21, mit seinem Rücktritt ist auch S 21 am Ende“, schreibt Matthias von Herrmann von der Initiative „Parkschützer“. Wie wenig Berührungsängste Grube mit den Gegner des Projekts hatte, zeigt eine kurze Szene, als der Bahnchef auf dem Weg zu einer Veranstaltung Ende Januar 2010 kurzerhand das Rednerpult bei einer Protestveranstaltung enterte.

Unterschiedliche Reaktionen bei den Projektpartnern

Bei der zuständigen Projektgesellschaft will man den Abgang nicht kommentieren. Auch auf die Lenkungskreissitzung am Mittwoch habe die Personalie keinen Einfluss. Im Kreis der dort versammelten Projektpartner gibt es unterschiedliche Reaktionen. Stuttgarts OB Fritz Kuhn (Grüne) wird deutlich: „Das sind Chaos-Festspiele. Der Aufsichtsrat und damit letztlich der Bund müssen die Führungsfrage rasch klären. So kann es ja nicht weitergehen.“ Kuhns Parteifreund, der Landesverkehrsminister Winfried Hermann, sieht die Sache gelassen: „Ich erwarte keine Änderungen beim Projekt. Mit der Aufsichtsratsentscheidung 2013 wurde das Projekt trotz zwei Milliarden Euro Mehrkosten politisch endgültig abgesegnet. Seitdem wird gebaut.“

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