Bahn plant in Kornwestheim Containerbahnhof: So geht’s weiter

Der Kornwestheimer Containerbahnhof: Links zu sehen ist der bislang unbebaute Streifen, auf dem die neue Kranbahn entstehen soll. Foto: Werner Kuhnle (Archiv)

Dass die Deutsche Umschlaggesellschaft Schiene-Straße das Terminal im Kornwestheimer Süden mit Gleisen und Kranen erweitern will, steht fest. Jetzt scheinen sich noch weitreichendere Pläne zu konkretisieren.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Seit einiger Zeit ist im Gespräch, dass der Kornwestheimer Containerbahnhof ein drittes Umschlagterminal erhalten soll. Jetzt scheint es, als komme weitere Bewegung in die Angelegenheit. Kornwestheims Erster Bürgermeister Daniel Güthler informierte jüngst die Mitglieder des Gemeinderats: Die Planungen für weitere Gleisreihen und Kräne sowie – und das ist neu – eine mögliche Digitalisierung des Ein- und Ausfahrtsbereichs für die Lastwagen schreiten voran. Auch wenn noch einiges zu klären ist.

 

Terminal wurde 1997 von der Duss in Betrieb genommen

Der Terminal im Süden der Stadt wird von der Deutschen Umschlaggesellschaft Schiene-Straße – kurz Duss – betrieben, einem Tochterunternehmen der DB-Netz-AG. Er wurde 1997 in Betrieb genommen. Seit 2010 gibt es dort zwei komplette Kranbahnen mit mehreren Gleisen, mittels derer pro Jahr 170 000 Schiffscontainer von Sattelschleppern auf Züge umgeladen werden – was zwischen 450 und 550 Containern pro Tag entspricht. Die Duss plant, den Terminal um eine weitere Kranbahn, also zwei neue Gleise und zwei neue Krane, zu erweitern. Dass dies kommen würde, ist bekannt. Vor gut einem Jahr hatte die Duss das Vorhaben in Beisein von Oberbürgermeisterin Ursula Keck und dem Parlamentarischen Staatssekretärs Steffen Bilger (CDU) vor Ort darüber informiert.

Die Betreibergesellschaft hat die Vorkehrungen für den Ausbau schon längst getroffen. „Die Maßnahmen, also das dritte Modul, sind bereits planfestgestellt und erfolgen auf dem Gelände der Bahn“, teilt eine Bahnsprecherin auf Nachfrage mit. Zwischen Westrandstraße und Gleis-Areal liegt der bislang unbebaute Streifen, auf dem in absehbarer Zukunft Güterzüge beladen werden sollen. Laut der Bahnsprecherin würde sich die Umschlagleistung damit auf 248 000 Ladeeinheiten erhöhen. „Die Ausbaumaßnahme ist Bestandteil des Bundesverkehrswegeplans 2030 und dient zur Steigerung des Kombinierten Verkehrs in Deutschland“, teilt die Sprecherin außerdem mit. Dies sei wichtig für eine nachhaltige Zukunft. „Güter auf der Schiene entlasten Straßen, Umwelt und die CO2-Bilanz“, wirbt sie.

Bürger aus Kornwestheim und Stammheim werden noch informiert

Bevor all das Realität wird, sollen sowohl die Kornwestheimer als auch die Bürger im benachbarten Stuttgarter Stadtteil Stammheim über die weiteren Pläne informiert werden. „Aktuell befinden wir uns noch in der Entwurfsplanung und können voraussichtlich Ende des Jahres mit ersten Umweltmaßnahmen beginnen“, so die Sprecherin.

Die Krananlage soll, so die Angaben aus dem vergangenen Jahr, rund fünf Millionen Euro kosten. Aufwendiger und teurer werden die beiden neuen Gleise, deren Anschluss an das bestehende Netz auf dem Areal sowie die Fahrstrecke für die Lkw, die die Container bringen und holen. Dieser Bahnsteig misst rund 750 Meter und besteht aus 60 bis 70 Zentimeter starkem Beton. Die Kosten für den Umbau, den der Bund übernimmt, belaufen sich auf rund 74 Millionen Euro.

Mehr Krane, mehr Gleise, mehr Lastwagen – das bedeutet mehr Verkehr. So steht wohl auch eine komplette Modernisierung der Terminalzufahrt für die Lkw ins Haus, wenn es nach der Duss geht. „Mit Videotoren im Ein- und Ausfahrbereich könnten Fahrzeuge und Ladeeinheiten künftig automatisiert erfasst werden“, sagt die Bahnsprecherin – und erklärt auch gleich, wie das funktionieren könnte. „Damit erhalten Fahrer über eine mobile Anwendung Aufträge und können, ohne aus dem Fahrzeug auszusteigen, den Prozess im Terminal durchlaufen.“

Hintergrund des Plans ist überdies die Tatsache, dass sich schon jetzt an manchen Tagen die Lastwagen stauen. „Es gibt gewisse Spitzenzeiten“, weiß auch Daniel Güthler. Knotenpunkte an den Schnittstellen mit etwa der B 27a würden bislang aber noch nicht zugestaut, was auch an der neuen Ampelregelung dort liege.

Vergrößerung der Zufahrt braucht Voraussetzungen

Damit auch der Umbau, de facto eine Vergrößerung, der Terminalzufahrt in die Tat umgesetzt werden könne, brauche es laut Daniel Güthler jedoch Voraussetzungen. „Es wären Umbauten im Straßenbereich notwendig, die Stadt müsste Flächen an die Bahn abtreten.“ Dabei gehe es laut dem Ersten Bürgermeister aber lediglich um kleinere Areale für mögliche Schleppkurven – sprich, damit die Lkw in allen Bereichen beim Abbiegen problemlos um die Ecken kommen.

Eine komplette Automatisierung des Terminals, wie sie zum Beispiel in Hamburg bereits Realität ist, hatte Duss-Geschäftsführer Michael Gustavus für Kornwestheim bereits beim Ortstermin im Sommer 2021 verneint. Der Grund: In Kornwestheim werden Container in zu vielen unterschiedlichen Größen verladen.

Fakt ist, und das tat Güthler auch gegenüber den Stadträten kund: „Ohne unser Zutun geht das alles nicht, es kann nur im Dialog funktionieren.“ Voraussichtlich noch vor den Weihnachtsferien werde über das weitere Vorgehen gesprochen. „Eventuell auch nichtöffentlich“, sagt Güthler.

Containerbahnhof: Kritik und Betrieb

Gemeinderat
 Im Kornwestheimer Gemeinderat gab es durchaus kritische Stimmen zu den Plänen. Susann Boll-Simmler (Grüne) fragte, wie es mit einer dritten Kranbahn denn funktionieren könne, wenn es angesichts der Lastwagenstaus mit zweien schon kaum funktioniere? Zudem sei die Planfeststellung ja bereits 20 Jahre alt. Hans-Joachim Schmid (CDU) indes wollte von geballtem Lkw-Verkehr und Staus nichts wissen. Der Verkehr sei am stärksten morgens und donnerstags, habe er festgestellt. „Da ist vieles Hörensagen, wir müssen aufpassen, über was wir hier überhaupt diskutieren.“

Betrieb
 Derzeit wird der Containerbahnhof, der rund 40 Beschäftigte zählt, in der Zeit von 3.30 Uhr bis etwa 21.30 Uhr betrieben. Eine Ausweitung auf einen 24-Stunden-Betrieb gilt derzeit als unrealistisch, weil die Spediteure kein Interesse an einer nächtlichen Belieferung haben.

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