Bahnfahrer müssen mit Einschränkungen rechnen Ein Neustart mit alten Waggons

Der Bahnbetreiber Go Ahead übernimmt in der nächsten Woche weitere Strecken im Südwesten. Foto: /Gottfried Stoppel

Weil die neuen Züge für die Murrbahn noch nicht getestet sind, ist Go Ahead in den nächsten Monaten voraussichtlich bis März auf fremde Züge und auf Fremdpersonal angewiesen.

Stuttgart - Der Start der privaten Bahnbetreiber in Baden-Württemberg war wegen der späten Lieferung von bestellten Zügen holprig – und die Probleme gehen weiter. Am Donnerstag informierten die Firma Go Ahead und das baden-württembergische Verkehrsministerium auf einer Pressekonferenz in Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) über die Übernahme des Betriebs der Murrbahn (Stuttgart–Schwäbisch-Hall–Nürnberg), der Frankenbahn (Stuttgart–Würzburg) und der Filstalbahn (Stuttgart–Ulm) zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember.

 

Die Murrbahn muss allerdings mit alten, gebrauchten Zügen starten. Die für sie bestellten Triebwagen des Typs Flirt-XL vom Lokbauer Stadler Pankow sind zwar da, müssen aber erst getestet werden. Erst ab März sollen die Fahrgäste auf der Murrbahn in den Genuss der neuen, klimatisierten und mit W-Lan ausgestatteten Züge kommen. „Es ist ein Wermutstropfen, dass die schönen, neuen Fahrzeuge ein paar Wochen später kommen“, sagte Markus Gericke vom Verkehrsministerium. Aber die „stabile Einhaltung des Fahrplans“ sei wichtiger.

Für die ersten Monate auf der Murrbahn muss Go Ahead Subunternehmen anheuern

Go Ahead hat für die ersten Monate auf der Murrbahn Subunternehmen anheuern müssen, die Züge und Lokführer mitbringen: die Firma WFL aus Potsdam, die Centralbahn aus der Schweiz und die Firma TRI. Sie bringen fünf verschiedene Wagengarnituren auf die Strecke, darunter zum Teil neue Loks, aber alte Waggons, darunter drei Garnituren der berühmten Silberlinge, die N-Wagen. „Ich habe mir die Züge angeschaut. Die Heizungen funktionieren, die Scheiben und Türen gehen auf“, sagte Gordon Lemke, Projektleiter bei Go Ahead. Mit Schildern sollen die Fahrgäste darauf hingewiesen werden, dass ein Subunternehmen für Go Ahead fährt. Man mache derzeit viele Tests und Probefahrten mit der Firma Stadler, sagte Lemke: „Wir werden ab 1. März einen besseren Betrieb abbilden können.“

Der Go-Ahead-Geschäftsführer Hans-Peter Sienknecht wies auf die „übersensible“ Elektronik in den neuen Zügen hin, die eine „Feinjustierung“ brauche. Dass ein Zug wegen einer gestörten Türautomatik stehen bleibt, soll nicht erneut passieren. In Sachen Personal sei man „gut aufgestellt“, sagte Sienknecht weiter. Der Bahnbetreiber, eine Tochter des britischen Konzerns Go Ahead, freut sich darüber, dass ihm der Mitbewerber DB Regio kulanterweise Personal – insgesamt 4000 Schichtstunden – zur Verfügung gestellt hat. Dennoch sei es so, dass nicht jeder Krankheitsfall „locker abgepuffert“ werden könne. Lokführer seien „ein rares Gut“ und man hoffe noch auf den vom Land geplanten Personalpool für Triebwagenführer, so Sienknecht. Die Kosten für das Engagement der Subunternehmen bleiben vorerst an Go Ahead hängen, aber es liefen Gespräche, sagte Sienknecht. Inwieweit sich der Hersteller der Züge beteiligen könnte, wird noch zu klären sein. Andreas Hiller von der Firma Stadler sagte über die „Anfangsschwierigkeiten“: „Es tut uns leid.“

Auf der Frankenbahn und der Filstalbahn immerhin wird Go Ahead mit erprobten Flirt-Zugmodellen den Betrieb aufnehmen. Beim Fahrplan wird es aber eine Einschränkung geben: Um eine Ausfallreserve für den Gesamtbetrieb zu haben, wird der Interregio-Express 1 nur zwischen Karlsruhe und Schwäbisch Gmünd verkehren, das Teilstück Schwäbisch-Gmünd–Aalen wird voraussichtlich vom 15. Dezember bis 1. Februar entfallen.

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