Bahnhöfe in Baden-Württemberg Jeder zweite Bahnhof ist sanierungsbedürftig

Von red/ dpa/ lsw 

Mehr als jeder zweite Bahnhof in Baden-Württemberg müsste eigentlich saniert werden. Möglichst viele dieser Stationen wollen Bahn und Politik in den kommenden Jahren fit machen. Geld vom Land wäre da, aber das ist nicht alles.

Mit einem Finanzierungspaket über 430 Millionen Euro sollen  Bahnhöfe im Südwesten in den kommenden Jahren modernisiert werden. Foto: dpa/Ralf Hirschberger
Mit einem Finanzierungspaket über 430 Millionen Euro sollen Bahnhöfe im Südwesten in den kommenden Jahren modernisiert werden. Foto: dpa/Ralf Hirschberger

Stuttgart - Aus dem Ausflug zum Stuttgarter Weihnachtsmarkt ist für Steffen Gödecke nichts geworden. Die Bahn war schuld - oder die Elektronik, je nachdem. Denn der Aufzug am Ludwigsburger Bahnhof war defekt, für Rollstuhlfahrer Gödecke waren Bahnsteig und Glühwein in unerreichbare Ferne gerückt. Das soll sich ändern, nicht nur in Ludwigsburg, wo der Bahnhof im kommenden Jahr für einen zweistelligen Millionenbetrag saniert wird. Mit einem Finanzierungspaket über 430 Millionen Euro sollen weitere Bahnhöfe im Südwesten in den kommenden Jahren modernisiert und Bahnfahrten damit attraktiver gemacht werden.

Das sogenannte Bahnmodernisierungsprogramm II umfasst zum Beispiel neue Rampen, Aufzüge und Infotafeln, aber auch eine Erhöhung der Bahnsteige, um das Einsteigen zu erleichtern. Die Pläne waren bereits am vergangenen Wochenende bekanntgeworden. Am Mittwoch stellt Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) Details zu einzelnen Projekten vor, bereits am Dienstag sollte das Projekt vom grün-schwarzen Ministerrat verabschiedet werden.

Auch Kommunen sollen sich beteiligen

Von knapp 790 Bahnhöfen im Südwesten sind nach Angaben von Bahn und Land rund 400 sanierungsbedürftig. Wie viele am Ende tatsächlich saniert werden, ist noch unklar. Das hängt laut Hermanns Ministerium von der Beteiligung der Kommunen ab. Das Land steuert 150 Millionen Euro bei, die Kommunen sollen 80 Millionen Euro bezahlen. Unter dem Titel „Bahnhof der Zukunft“ hatte die Regierung sich bereits im grün-schwarzen Koalitionsvertrag darauf verständigt, Bahnhöfe barrierefrei auszubauen und zu Mobilitätsdrehscheiben weiterentwickeln zu wollen.

Es ist die zweite Finanzierungshilfe für die Stationen. Im ersten, deutlich kleineren Bahnhofsmodernisierungsprogramm waren nach 2009 schon zahlreiche Stationen saniert und auch barrierefrei umgebaut worden. Umfang des Pakets zwischen 2009 und 2019 laut Bahn: rund 218 Millionen Euro. Damals hatten bereits abgeschlossene Sanierungen an großen Bahnhöfen nach Ministeriumsangaben mit 6,6 bis 11,5 Millionen Euro zu Buche geschlagen.

ÖPNV soll bis 2022 vollständig barrierefrei sein

Schwachpunkte für Behinderte und ältere Menschen sind nach den Erfahrungen von Rollstuhlfahrer Gödecke vor allem die Höhenunterschiede beim Einstieg in die Züge. „Man muss für jedes bisschen einen Helfer herbeiholen“, sagt der 50-Jährige. „Und es wird einem die ganze Spontaneität genommen. Weil man diese Hilfen braucht, kann man eben oft nicht einfach mal beschließen, spontan die Bahn zu nehmen.“ Die Bahn habe das bislang nicht ausreichend erkannt. „Und nun ist sie aufgewacht.“

Allerdings drängt die Zeit nicht nur in Baden-Württemberg. Denn das deutsche Personenbeförderungsgesetz schreibt vor, dass der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) bis 2022 vollständig barrierefrei sein soll. Der Gesetzgeber setzt damit die UN-Behindertenrechtskonvention um.