Bahnhof beim Flughafen Stuttgart Oft nur wenige ICE-Stopps an den Airports

Von Josef Schunder 

Beim Airport Düsseldorf halten nur wenige Fernzüge, nach der Fertigstellung des Bahnhofs am Flughafen Stuttgart könnten es dort noch weniger sein – zumindest wenn man jüngste Erklärungen der DB-Fernverkehrstochter ernst nähme. Das überrascht manche Politiker nicht.

Die Diskussion um die Bahnanbindung des Stuttgarter Flughafens geht weiter. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Die Diskussion um die Bahnanbindung des Stuttgarter Flughafens geht weiter. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Teurer Tiefbahnhof in Terminalnähe oder doch ein kostengünstigerer oberirdischer Zughalt in einiger Entfernung? Und wie viele Fernverkehrszüge sind zur Verkehrserschließung des Airports notwendig? Durch überraschende Kursänderungen unter dem Dach des Bahnkonzerns ist diese Diskussion in Stuttgart mit aller Macht entbrannt. Da lohnt der Blick zu anderen Flughäfen – und unter denen besonders nach Düsseldorf.

Am dortigen Flughafen freut man sich über „die beste Bahnanbindung aller deutschen Verkehrsflughäfen“. Am Flughafen-Fernbahnhof Düsseldorf halten – neben 50 S-Bahnen in der gesonderten S-Bahn-Station – jeden Tag mehr als 350 Züge, sagt Flughafensprecher Thomas Kötter. Darunter sind vor allem auch Regionalexpress-Züge. Durch die Einführung des neuen Rhein-Ruhr-Express’ (RRX) werde es bald auch noch Stopps von sechs RRX-Linien im 15-Minuten-Takt im Fernbahnhof geben. Dieser stelle im Ballungsraum Rhein-Ruhr eine ideale Ergänzung und Entlastung zum Individualverkehr dar.

Und die Zahl der ICE- und IC-Verbindungen? Sie ist auch in Düsseldorf gering, nur einen Hauch größer als die sechs Zugstopps im Fernverkehr, die die DB Fernverkehr AG am Montag für Stuttgart ankündigte.

Schöne Luftschlösser der Verkehrspolitik

Der freie Nahverkehrsberater Felix Berschin, der in der Diskussion um S 21 auf der Seite der Projektkritiker mitmischte und eng mit der einschlägigen Firma KCW verbunden ist, hat sich die Situation in Düsseldorf angesehen: „An diesem Flughafen mit zweimal so viel Passagieren wie in Stuttgart halten auch nur in Düsseldorf endende ICE-Züge der Berlin-Strecke.“ Die IC-Züge auf der Strecke nach Paderborn/Erfurt würden zwar auch stoppen, „doch die fahren nur noch zwei Mal am Tag“. Im Bahnhof des Flughafens Köln-Bonn würden pro Werktag im Schnitt sechs Fernzüge pro Richtung halten. Fazit: „ICE und Flughäfen sind schöne Luftschlösser der deutschen Verkehrspolitik.“

Ähnlich sieht es Matthias Gastel, Bundestagsabgeordneter der Grünen aus dem Wahlkreis Nürtingen/Filder. Die Aussagen mancher S-21-Sprachrohre, die jetzt von der sich abzeichnenden Fernverkehrsanbindung des Flughafens Stuttgart enttäuscht sind, seien „an Naivität kaum zu übertreffen“. Allen Realisten habe von Anfang an klar sein müssen, dass es am Stuttgarter Flughafen maximal IC-Züge geben würde. Die Entwicklung in Deutschland zeige, dass ICE-Stopps an Flughäfen für die DB überall unwirtschaftlich seien.

Nur ICE-Stopp am Großflughafen Frankfurt ist rentabel

Einzige Ausnahme: der ICE-Stopp am Großflughafen Frankfurt. Damit könne sich der Flughafen Stuttgart aber nicht vergleichen. Wenn das Desaster aus reihenweise gebrochenen Versprechen der Stuttgart-21-Lobby noch etwas Gutes habe, dann diese Botschaft: dass die Politik nicht mehr im Wolkenkuckucksheim von Stuttgart 21 schwelgen kann, sondern sich endlich am Machbaren orientieren muss.

Dass für die Flughäfen Regionalverkehrszüge von großer Bedeutung sind, liegt auf der Hand, denn meist kommt ein Großteil der Passagiere aus dem jeweiligen Ballungsraum. Jürgen Wurmthaler, für den Verkehr zuständiger Direktor des Verbands Region Stuttgart, hat im Fall des Stuttgarter Flughafenbahnhofs diese Züge auch stark im Blick: Wenn man über die künftige Verkehrsdrehscheibe auf den Fildern rede, stehe der Regionalverkehr im Vordergrund. Für Fahrgäste zwischen Flughafen und Ulm sei auch nicht alles entscheidend, ob sie im Interregioexpress oder im Fernverkehrszug reisen.

Entlastung für S-Bahn-Stammstrecken erwartet

Eine Riesenchance durch Stuttgart 21, so Wurmthaler, liege darin, dass neue regionale Direktverbindungen der Bahn das S-Bahn-System mit seinen täglich rund 400 000 Fahrgästen auf der überlasteten Stammstrecke in Stuttgart um 20 Prozent entlasten. Die Vorteile für den Nahverkehr könnten aber nur zum Tragen kommen, wenn es am Flughafen „kurze und bequeme Umstiege“ gebe – eine Warnung angesichts von Überlegungen bei der DB, am Flughafen statt des teuren Tiefbahnhofs eine einfache Station beim Messeparkhaus zu bauen und Reisenden womöglich mit einem Skytrain wie in Düsseldorf zwischen Fernbahnhof und Terminals zu befördern.

In der jetzt geführten Debatte um die Zahl der Fernzüge gehe es aber auch um anderes: um das Verknüpfen von Fern- und Nahverkehr sowie um das Einbinden von Flughafen, Messe und dem boomenden Wirtschaftsstandort Filder in das nationale Schienennetz. Deshalb müsse man um jeden Fernzug kämpfen.