Bahnhof Göppingen Bauarbeiten im Gleisbett

Die Filstalbahn ist derzeit gesperrt. Unter anderem werden im Göppinger Bahnhof zehn alte Weichen ausgetauscht. Foto: Staufenpress

Während andernorts der Lokführerstreik den Bahnverkehr lahmlegt, sind die Züge in Göppingen aus einem anderen Grund ausgebremst: Bauarbeiter haben derzeit das Sagen.

Göppingen - Samstagmorgen am Göppinger Bahnhof: Statt Personenzügen dominieren Baumaschinen und ein Güterzug das Bild. Denn der Bahnhof ist seit dem 13. August komplett gesperrt, weil an den Gleisen gearbeitet wird. Auf den Gleisen in Richtung Eislingen sind gut zehn Arbeiter in orangefarbener Arbeitskleidung zu sehen. Mithilfe eines Baggers, der auf den Schienen entlang fährt, bringen sie neue Gleisabschnitte in Position und durchbrechen damit die Stille des leeren Bahnhofs. Immer wieder fährt der Bagger hin und her, um neue Schienen und Bahnschwellen zu den Arbeitern zu bringen.

 

Mehrere der Weichen des Göppinger Bahnhofs, insbesondere die der Hauptfahrgleise, sind seit vielen Jahrzehnten im Einsatz und müssen nun ersetzt werden. Insgesamt sind es zehn Stück. Die Arbeiten für diese Sanierung laufen Tag und Nacht, denn die Gleisbauarbeiter von Leonhard Weiss haben gerade einmal zwei Wochen Zeit, um die zehn Weichen auszutauschen. So wurde es von der Deutschen Bahn veranschlagt. Damit dies ansatzweise zu schaffen ist, mussten die Weichen so gut wie möglich schon im Voraus zusammengesetzt werden, berichtet Sebastian Springweiler von Leonhard Weiss.

Die alten Weichen werden zerlegt

Die Weichen werden in Einzelteilen mit Zügen angeliefert und dann zu sogenannten Weichengroßteilen zusammenbaut, erklärt Springweiler. Bevor das aber passieren kann, müssen einige Bauschritte vorangehen. Zuerst müsse man die alten Weichen mit Schweißbrennern in Einzelteile zerlegen und abtransportieren. Dann wird der gesamte Schotter bis zum Erdreich abgetragen und entsorgt. Erst wenn das alles passiert ist, kann mit dem Einbauen der neuen Weiche begonnen werden. Dazu wird mit Güterzügen neuer Schotter angeliefert, um einen ebenen Untergrund zu schaffen. Auf diesen werden dann die Weichengroßteile, je nach Gewicht mit unterschiedlich leistungsfähigen Kränen, platziert und die verbleibenden Zwischenräume wieder mit Schotter ausgefüllt.

Nun liegt die neue Weiche zwar im Gleisbett, jedoch müssen die Höhe und die Ausrichtung der Gleise noch angepasst werden. Dafür gibt es spezielle Geräte, in diesem Fall die sogenannte Stopfmaschine, „eine Hebe- und Richtmaschine“, wie Springweiler erklärt. Das stählerne Monstrum sorgt unter anderem durch das Anheben und Ausrichten der Gleise dafür, dass die diese auf den Millimeter genau da liegen, wo sie sollen.

Den ganzen August über wird gearbeitet

Aber damit sind die Arbeiten noch nicht abgeschlossen. Denn bis jetzt werden die neuen Gleise nur mit Schnallen zusammenhalten. Um einen dauerhaften und sicheren Verbund zu schaffen, muss noch geschweißt werden. Dass dies kein simpler Prozess ist, erklärt Springweiler: Geschweißt wird mit Thermit, einer Mischung aus Eisenoxid, salopp gesagt Rost, und Aluminium. Dabei werden Temperaturen von bis zu 2400 Grad erreicht. Hinzu kommen genaue Vorgaben für die Temperaturen: „Nur zwischen 20 und 26 Grad dürfen wir überhaupt die Schweißungen vornehmen“, sagt Springweiler. Aus diesem Grund würden die Schweißarbeiten vor allem im Sommer oft in die Nacht verlegt.

Die Baustelle sei wegen ihrer Lage etwas besonderes für die Göppinger Gleisbauer, sagt Sebastian Springweiler. Direkt vor dem Sitz der Firma Leonhard Weiss gelegen, habe man hier die Möglichkeit, alle nötigen Maschinen aus dem eigenen Bestand zu holen – das sei sehr unüblich. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis 27. August.

Busse statt Züge

Ersatz
 Bis 3. September verkehren weder der Regionalexpress noch der neue Metropolexpress, auch nicht der Intercity oder der ICE auf der Filstalbahn. Stattdessen werden Busse im sogenannten Schienenersatzverkehr eingesetzt. Es gibt zwei Buslinien nach Ulm: Einen Expressbus der Bahn und einen weiteren von Go-Ahead.

Baustellen
 Mehrere Baustellen sind derzeit auf der Strecke bis Ulm eingerichtet, teilt eine Bahnsprecherin mit; unter anderem auf der Geislinger Steige – und eben die derzeit laufenden Weichenarbeiten am Göppinger Bahnhof. 

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Göppingen Bauarbeiten Sperrung