Bahnhof im Vatikan Heute ein Duty-free-Shop

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Nach Johannes XXIII. aber war Pause bis zu jenem eintägigen Stadtausflug, zu dem sich Johannes Paul II. im November 1979 von italienischen Eisenbahnfans einladen ließ. Und dann fuhr - von einem Minimalverkehr an Güterwaggons abgesehen - wieder kein Zug bis 2002, bis zu Johannes Pauls zweitem Friedensgebet in Assisi.

Inzwischen hatte man die nutzlose Bahnhofshalle, diese Kathedrale des Reisens, in einen Kommerztempel verwandelt. Man hat eine platte Zwischendecke eingezogen, die die Wirkung der Halle zerstört - und einen Duty-free-Shop eingerichtet, in dem Vatikanbewohner und Diplomaten all das kaufen dürfen, was sonst in den Glitzershops großer Flughäfen angeboten wird: namhafte Mode, Hemden, Krawatten, Schuhe, Maßanzüge gar, Uhren teurer Weltmarken, Schmuck und Handtaschen, Zigarren und Schampus und Hochprozentiges, Computer auch und Flachbildschirme, Espressomaschinen und - in einer Spezialecke - alles aus dem Sortiment der "Kinder"-Schokolade. Ersparnis: zwanzig Prozent vielleicht gegenüber gemeinen römischen Ladenpreisen.

Papst fährt von Gleis 1

All das werden der Papst und seine Mitfahrgäste am Donnerstag bestimmt nicht zu sehen bekommen. Anderes sehr wohl: die Wunden zum Beispiel, die die Splitter einer 1944 hier mehr oder minder zufällig heruntergekommenen Fliegerbombe in die Fassade geschlagen haben.

Und eines ist sicher: Benedikt fährt in seinem Bahnhof von Gleis 1 ab. Nicht weil das so standesgemäß wäre. Nein: eine andere Möglichkeit gibt es einfach nicht.