Bahnhof in Tübingen Boris Palmer will Lenks S-21-Denkmal

Besuch aus Stuttgart im Skulpturengarten am Bodensee. Foto: privat/Peter Lenk

Am unterirdischen Bahnhof in Stuttgart hat sich für Peter Lenks Stuttgart-21-Denkmal irgendwie kein guter Platz finden lassen. Jetzt will es sich Boris Palmer für seinen oberirdischen Bahnhof in Tübingen unter den Nagel reißen.

Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)

In die Weiten des Stuttgarter Europaviertels hat der Bildhauer Peter Lenk sein Stuttgart-21-Denkmal nicht abschieben lassen wollen. Doch bald könnte die „Chronik einer grotesken Entgleisung“ auf dem Tübinger Europaplatz stehen. Ein Jahr nach dem Abbau des mit einem wildgewordenen ICE ringenden, fast nackten Winfried Kretschmann am Stuttgarter Stadtpalais hat der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer eine Neuaufstellung auf dem Platz vor seinem Bahnhof ins Spiel gebracht.

 

Die Idee war bei einem Bürgergespräch aufgekommen. Man habe noch während der Versammlung abgestimmt. „Die große Mehrheit im Publikum fand das gut. Ich auch“, schrieb Palmer auf Facebook. „Da wir unseren Bahnhof oberirdisch modernisieren und den Vorplatz neu gestalten“, sei der dortige Europaplatz der ideale Ort. Zudem hätten 57 Prozent der Tübinger bei der Volksabstimmung gegen den Tiefbahnhof votiert.

Neuer innerparteilicher Ärger für Palmer?

Rund um den Tübinger Bahnhof sieht es gegenwärtig ähnlich trist aus wie am Stuttgarter Hauptbahnhof. Doch schon 2023 sollen die Bauarbeiten beendet sein. Lenk reagierte angetan. Der 74-Jährige prophezeite aber neuen parteiinternen Ärger für den grünen OB. Palmer provoziere „die grünen Wendehälse im Stuttgarter Stadtrat, die nichts mehr von ihrer Gegnerschaft zu S21 wissen wollen und denen mein Denkmal daher nicht schnell genug verschwinden konnte.“

Gegenwärtig steht das figurenreiche Werk in Lenks Skulpturengarten in Bodman-Ludwigshafen. Dort erhält es regen Besuch. Ganze Reisebusse kämen aus der Region Stuttgart angefahren, hat Lenk beobachtet. Tübingen läge für solche Gäste deutlich näher. Mit der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 seien „die Stuttgarter ja in 40 Minuten mit dem Zug hier und können mit der Skulptur einen schönen Bahnhof und eine schöne Stadt anschauen“, findet Palmer.

So schnell wird man zum Opfer

Der OB wurde von Lenk übrigens noch nicht verewigt, „nicht einmal sein Vater“. Aber manchmal geht das schnell. Das weiß zum Beispiel Ex-Justizminister Guido Wolf (CDU). Der hatte sich als Lenk-Fan geoutet. Es falle ihm leicht, weil er noch nie von ihm abgebildet worden sei, witzelte er damals. Prompt hockt er nun auf der S-21-Skulptur in Windeln zu Füßen des Landesvaters.

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