Bahnhof Kernen-Rommelshausen Die Einstiegsfalle in die S-Bahn schrumpft
Im Herbst des kommenden Jahres beginnt die Erhöhung der Steige am Bahnhof Kernen-Rommelshausen. Darauf wird seit Langem gehofft – denn es gab schwere Unfälle.
Im Herbst des kommenden Jahres beginnt die Erhöhung der Steige am Bahnhof Kernen-Rommelshausen. Darauf wird seit Langem gehofft – denn es gab schwere Unfälle.
Kernen - Es wird wohl endlich wahr: Von Herbst 2022 an soll die lang ersehnte und wegen der Gefahren an der Bahnsteigkante massiv geforderte Erhöhung der Bahnsteige beim Haltepunkt Rommelshausen tatsächlich erfolgen. Verantwortlich für das Projekt ist die DB Netze – sie plant das Vorhaben und setzt es auch um, wie zwei Referenten der DB Netze in einer Sitzung des Gemeinderats Kernen erläutert haben.
Bei den Umbauten, die im Januar 2023 beendet sein sollen, wird die bestehende Bahnsteighöhe von 76 auf 96 Zentimeter erhöht, sodass sie in etwa niveaugleich mit den Aus- und Einstiegen der momentan dort haltenden S-Bahn-Fahrzeuge ist. Zudem, so berichteten Kevin Brümmel und Lisa Schiller, werde die Gleislage so angepasst, dass sich der Zug in der Kurvenlage im Bahnhof etwas weniger vom Bahnsteig weg neigt, um die Gefahr von Unfällen zu mindern. Beides soll künftig „einen nahezu stufenfreien Zustieg“ in die S-Bahnen ermöglichen.
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Parallel zur Bahnsteigerhöhung werden die im Jahr 2003 eingebauten Fahrstühle ersetzt und mit neuer Technik versehen. Der erweiterten Barrierefreiheit wegen werden außerdem sogenannte Blindenleitstreifen aufgebracht. Vier neue, überdachte Wartebereiche, neue Anzeiger, eine neue Beleuchtung sowie neue Treppeneinhausungen in moderner Stahl-Glas-Konstruktion gehören ebenfalls zum Umbauprogramm.
Laut dem im Gemeinderat vorgestellten Bauplan wird in den Monaten Juni bis September 2022 der Austausch der Aufzüge erfolgen. Von Oktober bis Dezember folgt der Umbau des Bahnsteigs eins und von Januar bis März 2023 derjenige des zweiten Bahnsteigs. Mit rund zehn Wochen Bauzeit je Steig rechne die DB Netze in der Regel, so die Information. In der Region Stuttgart gebe es insgesamt 30 Bahnhöfe, die noch auf ähnliche Weise saniert werden müssten.
Besonders lärmintensiv dürften die Abbrucharbeiten werden, die jeweils auf Zeiträume von etwa zehn Tagen taxiert sind. Danach beginnt der Aufbau, der laut den beiden DB-Netze-Referenten dem normalen Zugverkehrslärm entsprechen wird. Die Treppenabgänge sind zu Beginn der Bauphasen zwei Wochen lang gesperrt. Die Gleise sind dann nur über Aufzüge oder eine Umleitungsstrecke erreichbar. Über diese Abschnitte des Umbaus werden die Anwohner vier Wochen vor Baubeginn informiert.
Haupthintergrund der anstehenden Umbauten an der S-Bahn-Haltestelle Rommelshausen, die in wenigen Tagen zu einem der mit multiplen Anbindungen und Videoreisezentrum versehenen Mobilitätspunkte der Region geadelt werden soll, sind die Gefahren, die dort wegen des großen Spalts zwischen Bahnsteig und dem Einstieg in S-Bahnen für die Nutzer lauern. Deshalb ist es in der Vergangenheit bereits zu gefährlichen Unfällen gekommen. Das Problem besteht seit den frühen 2000er-Jahren, seit der Einführung der damals neuen S-Bahn-Wagen der Baureihe 430. Die Flure dieser Wagen waren gegenüber den Vorgängern erhöht worden, sodass die Einstiege plötzlich um rund 30 Zentimeter höher lagen als zuvor. Zum Höhenunterschied kommt am Halt in Rommelshausen – ebenso wie an der Nachbarstation Stetten-Beinstein – ein deutlich klaffender, bis zu 25 Zentimeter breiter horizontaler Spalt zwischen Einstieg und Bahnsteig. Dieser entsteht unter anderem durch die Neigung der Züge in den dortigen Kurvenlagen.
Sowohl an der Haltestelle Rommelshausen als auch in der Nachbarkommune Weinstadt am ähnlich betroffenen Haltepunkt Stetten-Beinstein sind Personen in der Vergangenheit zwischen Zug und Bahnsteig gerutscht und haben sich dabei teils schwer verletzt. Unter anderem war im Frühjahr 2019 ein zehnjähriger Junge auf dem Schulweg in diesen Spalt gefallen – und zwar so tief, dass er mit den Füßen offenbar bereits im Gleisbett aufkam. „Letztlich hat nur sein Schulranzen auf dem Rücken verhindert, dass er ganz verschwunden ist“, schrieben die Eltern damals in einem Protestbrief an Bahn und Regionalverband.