Bahnhofs-Putzete Für mehr Sicherheit und Sauberkeit: Rund 50 Leute schrubben Böblinger Bahnhof

Rund 50 Helferinnen und Helfer sind bei der Bahnhofs-Putzete im Einsatz – sogar die Bänke werden abgewischt. Foto: Anke Kumbier

Die Deutsche Bahn hat eine große Putz-Aktion am Böblinger Bahnhof gemacht. Die Hoffnung der Verantwortlichen: Ein sauberer Bahnhof wirkt nicht nur einladender, sondern auch sicherer.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Menschen in blauen und orangefarbenen Leuchtwesten bevölkern am Mittwoch den Bahnhof in Böblingen. Sie kratzen mit Spachteln Kaugummis vom Boden, wischen Sitzbänke und Geländer sauber und schießen mit scharfem Wasserstrahl auf groben Dreck. Rund 50 Mitarbeitende der Deutschen Bahn, der Stadt Böblingen und freiwillige Helfer sind zu einer großen Bahnhofs-Frühjahrsputzete angerückt.

 

„Der Bahnhof ist die Visitenkarte Böblingens – 35 000 Reisende kommen hier täglich vorbei“, sagt Taylan Ayik, als er morgens die Helferinnen und Helfer begrüßt. Ayik ist stellvertretender Leiter des Bahnhofmanagements Stuttgart und unter anderem für Böblingen zuständig. „Der Bahnhof ist für uns wie ein Eingangstor in die Stadt“, sagt Böblingens Ordnungsamtsleiterin Gisa Gaietto, die neben ihm steht. Und dieses Eingangstor soll möglichst einladend wirken.

Wie der Böblinger Bahnhof gereinigt wird

Zwei Männer schrubben die Türen und das Leuchtschild des DB-Reisezentrums. Im Treppenaufgang zu Bahnsteig vier und fünf streichen zwei Handwerker die Wand. Graffiti, die sich nicht abwaschen lassen, werden so übermalt. Sven Teufel, der als freiwilliger Helfer für seine Organisation Zusammen Zukunft leben vor Ort ist, sammelt Zigarettenstummel ein. Trotz des Etiketts „rauchfreier Bahnhof“ finden sich erstaunlich viele Kippen in Ritzen und Ecken. Die Stummel werden „upgecycelt“, wie das auf Neudeutsch heißt. Eine Firma macht daraus laut Teufel Aschenbecher für die Hosentasche.

Zwar werde der Bahnhof natürlich regelmäßig gereinigt, eine Frühjahrsputzete dieser Größenordnung findet laut Ayik aber zum ersten Mal statt. Und sie ist nicht die einzige im Ländle. Insgesamt 200 Stationen in Baden-Württemberg werden in diesem Jahr so gereinigt, 38 davon im Raum Stuttgart. Die Deutsche Bahn hat im Januar ein Sofortprogramm für „mehr Sicherheit und Sauberkeit“ gestartet, in das sie laut Pressemitteilung deutschlandweit rund 50 Millionen Euro investiert – die Aktion am Böblinger Bahnhof ist Teil davon.

Menschen fühlen sich am Bahnhof teils unsicher

„Wir haben das Thema, dass sich Menschen am Bahnhof nicht sicher fühlen“, sagt Gaietto. Sie zeigt sich überzeugt: „Die subjektive Sicherheit geht mit Sauberkeit einher.“ Das Sicherheits-, genauer gesagt das Unsicherheitsgefühl, am Böblinger Bahnhof ist in der Stadtgesellschaft und im Gemeinderat immer wieder Thema. Die CDU fordert seit Längerem eine Videoüberwachung.

Sven Teufel hilft freiwillig und sammelt Zigarettenstummel ein. Foto: Anke Kumbier

Allerdings bewertet die Böblinger Polizei den Bahnhof nicht als Kriminalitätshotspot. Auch Gaietto betont, dass es objektiv keinen Grund gebe, sich unsicher zu fühlen. Wenn es am Bahnhof zu Auseinandersetzungen komme, betreffe das in der Regel rivalisierende Gruppen, mit denen unbeteiligte Reisende nichts zu tun hätten. Vergangenen Sommer hatte der Böblinger Gemeinderat über Videoüberwachung am Bahnhof diskutiert. Vertreter der Polizei hatten damals Zweifel an der Notwendigkeit und dem Nutzen geäußert.

Stadtverwaltung und Gemeinderat einigten sich schließlich darauf, ein Konzept zu erstellen, um das Sicherheitsgefühl am Bahnhof zu steigern – und eine mögliche Kameraüberwachung im Hinterkopf zu behalten.

Offenbar ist die Stadtverwaltung teils schon zur Tat geschritten. Man habe die Beleuchtung in der Unterführung heller gemacht, sagt Gaietto. Geplant sei außerdem, den Bereich bei den Fahrradabstellplätzen heller zu streichen und auch tagsüber die Beleuchtung in der etwas schummrigen Ecke brennen zu lassen. Außerdem seien die DB-Sicherheit und der kommunale Vollzugsdienst öfter als früher unterwegs.

Zusammenarbeit von Bahn und Stadt

Die große Putzaktion am Mittwoch bietet Bahnhofsmanagement und Stadt die Gelegenheit, den Fokus auf ihre Zusammenarbeit zu lenken. Denn beim Bahnhof handelt es sich um ein spezielles Konstrukt. Die Deutsche Bahn ist für die Bahnsteige zuständig und vermietet die Ladenflächen. Der Stadt gehört die Unterführung und der Bahnhofsvorplatz. Austausch, Absprachen und gemeinsames Vorgehen spielen daher eine wichtige Rolle.

Seit Längerem besteht zwischen Bahnhofsmanagement und Stadt eine Ordnungs- und Sicherheitspartnerschaft, die beispielsweise auch gemeinsame Streifengänge von DB-Sicherheit und dem kommunalen Ordnungsdienst umfasst, sagt Ayik. Die Sicherheitskräfte sind auch am Mittwoch zusammen unterwegs, um sich auszutauschen. Gaietto und Ayik betonen beide die gute Zusammenarbeit. „Das läuft Hand in Hand und macht Spaß“, sagt Ayik. Und überhaupt: Böblingen habe einen schönen Bahnhof.

Korrekturhinweis: In der ursprünglichen Version hatte es geheißen, der Gemeinderat hätte die Videoüberwachung 2025 abgelehnt. Tatsächlich hat darüber nur eine Diskussion und keine Abstimmung stattgefunden. Stattdessen wurde die Stadtverwaltung beauftragt, ein Sicherheitskonzept zu erstellen.

Videoüberwachung am Bahnhof?

Die CDU Böblingen
hat ihre Forderung nach Videoüberwachung am Böblinger Bahnhof im Februar bekräftigt. Aufgrund einer Gesetzesänderung auf Landesebene wäre das inzwischen einfacher möglich.

Die Polizei
hatte sich im vergangenen Jahr zurückhaltend zu einer möglichen Videoüberwachung geäußert. Sie könne zwar bei der Aufklärung helfen, verhindere aber oft nicht die Straftat selbst und führe lediglich zu einer Verlagerung der Kriminalität.

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