Bahnhofstraße in Renningen Visionen für die kommenden Jahrzehnte

Von Kathrin Klette 

Der erste Entwurf für den Rahmenplan Stadtmitte liegt vor. Bürgerinformation am Donnerstag.

So sehen die Bahnhofstraße und der Ernst-Bauer-Platz heute aus. Wie sich das Stadtbild in den nächsten  50 Jahren verändern könnte, darüber hat sich das Institut für Stadt- und Regionalentwicklung intensiv Gedanken gemacht. Foto: Holger Leicht
So sehen die Bahnhofstraße und der Ernst-Bauer-Platz heute aus. Wie sich das Stadtbild in den nächsten 50 Jahren verändern könnte, darüber hat sich das Institut für Stadt- und Regionalentwicklung intensiv Gedanken gemacht. Foto: Holger Leicht

Renningen - Einen Blick in die Zukunft wagt die Stadt mit dem neuen Entwurf zum Rahmenplan Stadtmitte/Bahnhofstraße. Was sich dahinter verbirgt, das sind Ideen und Visionen zu drei bedeutsamen Gebieten in der Renninger Innenstadt – dem Kernbereich, der mittleren Bahnhofstraße und dem Bahnhofsumfeld: Wie könnten sie sich in den nächsten Jahrzehnten entwickeln? Welche Arten von Häusern, Geschäften oder Lokalen wären an welchen Stellen sinnvoll? Wie lassen sich diese Gebiete bürgerfreundlich gestalten? Mit diesen und anderen Fragen hat sich das Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (IfSR) an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen gemeinsam mit der Stadt nun rund ein Jahr lang intensiv befasst.

Der Entwurf wird am Donnerstag noch einmal mit den Bürgern diskutiert und auf Basis dieser Gespräche gegebenenfalls noch einmal überarbeitet. „Wir sind hier nicht in einem Neubaugebiet, sondern in der Bestandslage“, sagte Bürgermeister Wolfgang Faißt (Freie Wähler) am Montag bei der Gemeinderatssitzung. „Das heißt, dass die Vorstellungen der Bürger und Anwohner auf jeden Fall zu berücksichtigen sind.“ Abschließend wird der Gemeinderat im Oktober über den Entwurf entscheiden. Ist alles beschlossen, hat die Stadt damit eine Art Fahrplan vorliegen, in welche Richtung es rund um die Bahnhofstraße weitergehen könnte.

Innenentwicklung ist seit Jahren ein Thema

Mit dem Thema Innenentwicklung befasst sich die Stadt schon lange. Dazu gehört einerseits die von vielen kritisch beäugte Nachverdichtung. Wohnraum in Renningen ist begehrt, und der soll nicht nur auf der grünen Wiese entstehen. Ebenso gehört dazu eine sinnvollere Nutzung von Bestandsgebäuden und brachliegenden Flächen, die Ansiedlung von Geschäften und eine ansprechende Gestaltung des Lebensumfelds für die Anwohner. Um in Sachen Innenentwicklung nicht mehr „aus dem Bauch heraus“ zu agieren, wie es der Stadtbaumeister Hartmut Marx formuliert, hat die Stadt das Büro IfSR beauftragt und das Projekt „Aktivierung von Innenentwicklungspotenzialen“ gestartet. Dafür gibt es eine Förderung des Landes in Höhe von 40 000 Euro.

Die Ideen, die sich in dem Entwurf finden, sind vielgestaltig. Gerade für den Kernbereich hat das Büro einige Ideen ausgearbeitet für eine ansprechendere Gestaltung, zum Beispiel, indem der Rankbach erlebbar gemacht wird oder sich am Ernst-Bauer-Platz weitere Geschäfte und vor allem Gastronomie mit Außenbestuhlung ansiedelt. Das Parkplatzangebot sollte bedarfsgerecht weiterentwickelt und die Erweiterung des Altenheims gefördert werden. Der Bereich „Mittlere Bahnhofstraße“ sticht vor allem hervor wegen des Wasserwerks. Der Brunnen dort ist nicht mehr in Betrieb und nach heutigen Standards wohl auch nicht mehr zu verwenden. Die Stadt strebt deshalb an, die Flächen dort zu kaufen und zu bebauen und umzugestalten. In der Diskussion ist eine Anlage für betreutes Wohnen. Die Entscheidung des Wasserzweckverbands, den Brunnen ganz aufzugeben und die Fläche zu verkaufen, ist aber noch nicht gefallen.

Höhere Gebäude in Richtung Bahnhof angedacht

Auffällig sind die Ideen für das Bahnhofsumfeld, was die Gebäudehöhen angeht. „Am Bahnhof haben wir uns getraut, auch mal mit mehreren Stockwerken zu arbeiten“, erklärt Alfred Ruther-Mehlis vom IfSR. Vier, vielleicht sogar fünf Geschosse hält er dort für sinnvoll. Für die mittlere Bahnhofstraße werden ebenfalls bis zu vier Geschosse vorgeschlagen. „Wir sind gespannt, wie das von den Bürgern am Donnerstag diskutiert wird.“ Letztlich werde einiges umsetzbar sein, anderes wiederum nicht, „das hängt natürlich von den Eigentümern ab“.

Genau das ist ein wichtiger Aspekt der Planung: Denn selbst der letztlich beschlossene Entwurf wird keine Liste sein, die die Stadt in den nächsten paar Jahren abarbeiten wird. Das zeigt sich nicht nur an frommen Wünschen wie einer möglichen Erweiterung des Freibads. „Wir sprechen hier von einem Zeitraum von vielleicht 50 Jahren“, erklärt Hartmut Marx. Vor allem aber hat die Stadt an vielen Stellen nicht das Heft in der Hand. Wenn es um Nachverdichtung, Umnutzung von Gebäuden oder die Ansiedlung von Gewerbetreibenden geht, kann die Stadt die Betreffenden zwar beraten und für ihr Anliegen werben, wie es bislang schon geschehen ist. Die endgültige Entscheidung liegt bei den jeweiligen Eigentümern oder Investoren.

„Trotzdem haben wir auch da natürlich Ansatzpunkte, an denen wir selbst aktiv werden können“, erklärt Wolfgang Faißt. Zum Beispiel, wenn es um die Suche nach Investoren geht. „Da muss die Stadt natürlich nicht nur ,abwarten’“, die Verwaltung begleite solche Prozesse aktiv und könne zum Beispiel Standorte vermitteln. Auch über die Stadtbau Renningen und als Eigentümer von Flächen kann die Stadt selbst über das Geschehen bestimmen.

Informationen für Bürger

Zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung lädt die Stadt Renningen am Donnerstag, 28. Juni, in die Mediathek (Jahn­straße) ein. Beginn ist um 19 Uhr. Dann wird der Entwurf des neuen Rahmenplans Stadtmitte/Bahnhofstraße vorgestellt. Alle Besucher haben an diesem Abend die Möglichkeit, dazu Hinweise, Anregungen und Ideen einzubringen und gemeinsam zu diskutieren.

Darüber hinaus haben die Bürger bei der Langen Einkaufsnacht am Freitag Gelegenheit, Informationen zu erhalten und ihre Ideen und Hinweise vorzubringen. Vertreter des Instituts für Stadt- und Regionalentwicklung sind dort mit einem Stand vertreten.




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