Bahnhofstraße in Renningen Wie viele Blitzer sorgen für Ruhe?

Von Kathrin Klette 

Der Gemeinderat vertagt seine Entscheidung über die Messsäulen an der Bahnhofstraße. Zuerst soll ein Experte klären, ob eine Anlage ausreichend ist oder nicht.

Wird auf der Bahnhofstraße zu schnell gefahren, wird es für die Anwohner sehr laut. Das Pflaster verstärkt das Problem. Foto: factum/Granville
Wird auf der Bahnhofstraße zu schnell gefahren, wird es für die Anwohner sehr laut. Das Pflaster verstärkt das Problem. Foto: factum/Granville

Renningen - Ob Lärm, Stau oder Blitzer – sobald es um Verkehr geht, kochen die Emotionen hoch. Bei den zwei Messsäulen, die die Stadtverwaltung Renningen für die Bahnhofstraße vorgeschlagen hat, um dort die Geschwindigkeit und so den Lärm zu reduzieren, ist das nicht anders. Der Technische Ausschuss hatte vorgeschlagen, zumindest auf eine der beiden Säulen zu verzichten.

Marcus Schautt, Ratsmitglied für die Freien Wähler und selbst betroffener Anwohner, empörte sich im Gemeinderat sehr über die in seinen Augen willkürliche Reduzierung. Ein Experte für Lärmschutz soll nun klären, wie viele Blitzer an dieser Stelle tatsächlich eine Entlastung bringen und wie groß die Lärmreduktion bei niedrigeren Geschwindigkeiten ist. Aufgrund der Pflasterung wurden nämlich erneut Zweifel laut, ob hier überhaupt eine echte Verbesserung möglich sei.

Pflaster erneut in der Kritik

Die Lärmproblematik in der Bahnhofstraße ist schon seit langem bekannt, erklärte der Bürgermeister Wolfgang Faißt. Aus diesem Grund wurde dort unter anderem Tempo 30 eingeführt und die Straße verengt. Für Heiderose Berroth (Frauen für Renningen), die sich im Technischen Ausschuss schon gegen die Blitzer ausgesprochen hatte, eine eigenartige Argumentation: „Wenn ich höre, dass das Problem schon vorher bestanden hat und dort trotzdem Pflaster hingesetzt wurde, verstehe ich die Welt nicht mehr.“ Dieses Argument war im TA häufiger gefallen. Erst Pflastersteine zu verlegen und dann mit der Berufung auf Lärmschutz Blitzer aufzustellen, ging vielen gegen den Strich.

Wolfgang Faißt widersprach: „Ein Pflaster auf der Straße signalisiert auch: Hier ist etwas Besonderes, fahr bitte langsamer.“ Das funktioniere auch in Teilen. Während die Zuhörer, Betroffene aus der Bahnhofstraße, das mit einem ungläubigen Lächeln quittierten, war die Einschätzung mehrerer Ratsleute, die auch durch Messungen bestätigt wird, dass sich tagsüber die meisten an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Vor allem nachts aber entstehen die Probleme.

„Renningen investiert viel Geld in den Lärmschutz“, fasste deshalb Marcus Schautt zusammen. Als Beispiele nannte er den Flüsterasphalt auf der B 295 und die Maßnahmen für den Kindelberg. „Aber das ist alles freiwillig, darauf gibt es keinen Rechtsanspruch.“ Dass jetzt hier, an der so ziemlich einzigen Stelle in der Stadt, in der die gesetzlichen Grenzwerte tatsächlich überschritten werden, solche Diskussionen geführt würden, wollte ihm nicht in den Sinn. „Ich habe das Gefühl, dass nur dort, wo sich die Leute zusammenschließen und lautstark protestieren, etwas passiert.“ Die Anwohner der Bahnhofstraße dagegen hätten die Probleme bislang immer stillschweigend hingenommen.

Kosten pro Säule liegen bei 80.000 Euro

Sein Vorschlag lautete, dass langfristig der Straßenbelag wieder durch Asphalt ersetzt wird. „Ich halte die Überpflasterung mittlerweile für einen Fehler, was den Lärm angeht.“ Kurzfristig könnten nur Blitzer Abhilfe schaffen. Wie viele das sein sollten, „das sollte der Rat nicht aus dem Bauch heraus entscheiden“. Rückenwind kam von Peter Weiß (CDU), der den Ausführungen „uneingeschränkt zustimmte“.

Wolfgang Faißt setzte daraufhin einen Schlussstrich unter die Diskussion, die an diesem Abend ohnehin zu keinem Ergebnis führen werde. Die Verwaltung wird nun den Ersteller des städtischen Lärmaktionsplans damit beauftragen, zu sondieren, welche Maßnahmen nach seiner Meinung für die Bahnhofstraße erforderlich sind. Dann kommt das Thema erneut auf die Tagesordnung.

Die Kosten pro Messsäule liegen bei 80.000 Euro, mit Aufbau und Anschluss kämen zwei Säulen auf etwa 170.000 Euro. Die Ausschreibung wird erst in die Wege geleitet, sobald der Haushaltsplan 2018 verabschiedet und die Geräte vom Gemeinderat abgesegnet sind, also frühestens im März 2018.




Unsere Empfehlung für Sie