Bahninfrastruktur in Stuttgart Hermann sieht Engpässe bei S-Bahn

Minister Hermann zieht derzeit Kritik von Stadt, Region und Koalitionspartner auf sich. Foto:  

Verkehrsminister Winfried Hermann will weitere unterirdische Gleise in Stuttgart, weil er Mängel im Nahverkehr sieht. Im Interview wehrt er sich gegen Vorwürfe, mit seinen Vorschlägen die Projektpartner zu überrumpeln. Die Bahn ihrerseits kämpft mit immer stärker steigenden Baupreisen.

Stuttgart - Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) wehrt sich gegen den Vorwurf, mit seiner Idee von zusätzlichen unterirdischen Kopfbahnhofgleisen die Projektpartner in der Stadt und in der Region vor vollendete Tatsachen zu stellen. „Es gab im letzten Jahr einen Arbeitsprozess zwischen Land und Stadt, die mögliche Optionen der unterirdischen Infrastrukturergänzung im Stadtzentrum betrachtet hat“, sagt Hermann im Interview mit unserer Zeitung. Auch der Regionalverband sei informiert gewesen.

 

Hermann: Die Bahn denkt nicht an die S-Bahn

Hermann begründet seinen Vorstoß mit der Sorge, das Stuttgarter S-Bahn-System sei der politisch angestrebten Fahrgastzunahme nicht gewachsen. Der Bahn macht er indirekt den Vorwurf, dies bei ihrer Betrachtung der Leistungsfähigkeit von Stuttgart nicht mitzubedenken. „Die Bahn bezieht sich in ihren Äußerungen auf den Fernverkehr, für den sie zuständig ist. Sie redet nie über die S-Bahn.“

Dass er mit seinen Überlegungen im Stuttgarter Rathaus Irritationen ausgelöst hat, bestreitet Hermann nicht. Gleichwohl sieht er das Verhältnis zu seinem Parteifreund, dem Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn, nicht belastet. Der müsse, anders als er, den Städtebau im Fokus haben. Man sei sich aber einig, dass kluge Stadtentwicklungspolitik Bauen und Verkehr zusammendenkt. Hermann räumt ein, lange an den Erhalt oberirdischer Gleise am Bahnhof geglaubt zu haben. „Diese Idee ist nicht realisierbar. Das muss man sich abschminken“, sagt Hermann, der aber darauf baut, dass der neu gewählte Stuttgarter Gemeinderat nochmals seine Haltung überdenkt, das komplette Gleisfeld zu überbauen.

Kurzfristig verschickte Einladung sorgt für Irritationen

Die Notwendigkeit, Machbarkeit und Finanzierbarkeit einer eventuellen Ergänzungsstation in Tieflage soll nun eine Arbeitsgruppe erörtern. Dass das Ministerium am Tag nachdem es einen solchen Kreis vorgeschlagen hat, eine kurzfristige Einladung für diesen Kreis verschickt hat, verstimmt die Projektpartner.

Der Deutschen Bahn AG laufen bei Stuttgart 21 weiter die Kosten davon. Allein in diesem Jahr werden die Bauaufträge mehr als ein Drittel teurer als geplant. Fast die gesamte Risikoreserve von 495 Millionen Euro ist bereits für erwartete Preissteigerungen verplant. Das zeigen interne Unterlagen des Staatskonzerns, der dennoch an der Kostenprognose von maximal 8,2 Milliarden Euro festhält. Das Tunnelprojekt am Neckar soll Ende 2025 in Betrieb gehen.

In einem internen Papier heißt es, bei den Vergaben 2019 zeichne sich „in großen laufenden Verfahren ein außergewöhnlicher Kostenanstieg ab“. Man sei wegen der anziehenden Baukonjunktur einem „erheblichen Preisdruck ausgesetzt“. Demnach werden die zuletzt 2017 kalkulierten Auftragssummen weit überschritten.

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