Bahnprojekt Stuttgart-Ulm Neubaustrecke geht auch ohne Stuttgart 21

Von Thomas Braun und Jörg Nauke 

Der Bund gibt seinen Zuschuss in Höhe von rund 560 Millionen Euro für die Einbindung des Stuttgarter Bahnknotens in die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm. Die sei „unabhängig davon, in welcher Form der Knoten neu geordnet wird“, so eine Sprecherin von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer.

Der Bundeszuschuss zur Neubaustrecke Ulm-Wendlingen ist nach Angaben das Verkehrsministeriums nicht an Stuttgart 21 geknüpft. Foto: dpa 28 Bilder
Der Bundeszuschuss zur Neubaustrecke Ulm-Wendlingen ist nach Angaben das Verkehrsministeriums nicht an Stuttgart 21 geknüpft. Foto: dpa

Stuttgart - Vor der entscheidenden Sitzung des Bahn-Aufsichtsrats am Dienstag spielen die S-21-Befürworter alle Karten aus. Bahn-Chef Rüdiger Grube und Projektsprecher Wolfgang Dietrich betonten, dass es „aus wirtschaftlichen und aus verkehrstechnischen Gründen“ ohne den Tiefbahnhof keine Neubaustrecke nach Ulm geben werde. So sollten es auch die Bundestagsabgeordneten im Verkehrsausschuss verstehen. Alternativen erforderten zudem „neue Verhandlungen“ mit dem Bund über dessen Zuschüsse. So behauptet der DB-Vorstand, der Zuschuss für die Einbindung des Stuttgarter Bahnknotens in Höhe von rund 563 Millionen Euro sei „für das Projekt S 21 gebunden“. Die Fraktion der Linken hatte angefragt, ob der Zuschuss auch für eine S-21-Alternative umgewidmet werden könne.

Das Bundesverkehrsministerium räumte auf Anfrage ein, dass mangels geplanter oder gar planfestgestellter Alternativen die Bundesmittel für das Projekt S 21 verwendet würden. Grundsätzlich sei der Zuschuss aber „für die Einbindung des Stuttgarter Knotens in das Bedarfsplanvorhaben Neubaustrecke Wendlingen–Ulm zweckgebunden – unabhängig davon, in welcher Form dieser Knoten neu geordnet wird“, so eine Sprecherin. Sie bestätigte, dass die Neubaustrecke auch ohne S 21 in Betrieb gehen könne.

Bahn selbst hat andere Anbindungsvariante eingebracht

Zuvor hatten auch die Bund-Vertreter im Aufsichtsrat festgestellt, dass S 21 und die Trasse nach Ulm „nicht zwingend zusammen“ gehören. Die ICE-Trasse könne auch „alternativ in den Knoten Stuttgart eingebunden werden“, was die Wirtschaftlichkeit des Kopfbahnhofs sogar verbes­sere. So steht es im Dossier des Verkehrsministeriums. Und: bei der Überprüfung der Wirtschaftlichkeit habe der Gutachter des Bundes „die Erstellung eines alternativen Planfalls“ schon 2007 „als betriebswirtschaftlich sinnvoll erachtet“.

Projektsprecher Wolfgang Dietrich behauptete vor wenigen Tagen, es sei „unmöglich zu sagen“, wie die Neubaustrecke bei einem Erhalt des Kopfbahnhofs an die bestehende Neckar-Alb-Bahn angebunden werden könne. Dabei hat die DB selbst eine Lösung ins Planfeststellungsverfahren 2.1. a/b für die Neubaustrecke eingebracht. Diese 1,1 Kilometer lange Strecke bei Wendlingen heißt „Güterzuganbindung“, weil sie schnelle, leichte Güterzüge aus Richtung Kornwestheim auf die Hochgeschwindigkeitsstrecke bringen soll. Das Fehlen von Achszählern auf der Verbindung beschränkt die Zuglänge aber auf 482 Meter – ein Indiz, dass die Bahn in erster Linie kurze Personenzüge erwartet.

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