Modern und urban soll das IBA-27-Projekt Nürtinger Bahnstadt nahe der Gleise einmal werden. Punkten kann das Areal mit seiner Nähe zum öffentlichen Nahverkehr samt künftigem S-Bahn-Anschluss. Und wo heute noch gewerbliche Nutzungen und Brachflächen dominieren, soll eines Tages ein städtebauliches und energetisches Vorzeigequartier das Leben und Wohnen in der Stadt aufwerten – so lauten die hochgesteckten Ziele. Innovative Ziele verfolgen Verwaltung und Gemeinderat für die Bahnstadt auch beim Energiekonzept.
Die Fernwärme soll ausgebaut werden
Hier spielt die kommunale Nürtinger Wärmeplanung, in die das Quartier eingebunden werden soll, eine zentrale Rolle. Mit Blick auf die Fördermöglichkeiten und die Wirtschaftlichkeit wurde bereits untersucht, ob sich eine Kombination mit der bestehenden Fernwärmezentrale in der Sigmaringer Straße anbietet.
Die Verwaltung geht momentan davon aus, dass sich das Quartier der Östlichen Bahnstadt nicht autark außerhalb eines gebietsübergreifenden Wärmenetzes versorgen lässt. Deshalb bietet sich der Verbund mit dem bestehenden und noch weiter auszubauenden Wärmenetz der Nürtinger Stadtwerke an. Auf diese Weise sei es sogar möglich, weitere regenerative Energiequellen wie Wärmetauscher im Neckar und die Abwärme der Kläranlage zu nutzen und durch den Ausbau des Wärmenetzes die Grundversorgung auch auf die privaten Gebäudeeigentümer in der Kernstadt auszuweiten. Dazu soll die bisher gasbetriebene Nahwärmezentrale in der Sigmaringer Straße durch den Einbau von modernen Abgaswärmetauschern optimiert werden.
Die Stadtwerke Nürtingen sind beauftragt worden, sich um Voruntersuchungen und die Erstellung der Machbarkeitsstudie für ein grünes Wärmenetz in der Stadt zu kümmern. Dabei geht es auch um die Frage, ob sich die Nutzung von Geothermie für das neue Quartier eignet und wenn ja, in welchem Umfang. Und damit die wertvolle Energie möglichst sparsam eingesetzt werden kann, ist für den geplanten neuen Wohnbau innerhalb der Bahnstadt das energetische Niveau eines KfW-40-Effizienzhauses als Mindestanforderung festgelegt worden. Gegenstand der Untersuchungen ist auch, ob außer dieser Anbindung an das bestehende Wärmenetz der Einsatz von Geothermie über ein Erdsondenfeld im Quartier möglich ist, um damit die Östliche und die Westliche Bahnstadt zu versorgen.
Gebäude in Niedrigenergiebauweise
Die Energiemenge zur Wärmeerzeugung für die Raumheizung im Winter, der Temperierung im Sommer und der ganzjährigen Warmwassererzeugung hängt zum großen Teil von der energetischen Qualität der Gebäudehüllen ab und soll deutlich unter dem Niveau der gesetzlichen Mindestvorgaben des Gebäudeenergiegesetzes liegen. Die Verwaltung schlägt vor, diese Anforderungen bei den Veräußerungen der Baugrundstücke vertraglich in städtebaulichen Verträgen zu sichern.
Zur Nürtinger Bahnstadt gehören die Östliche Bahnstadt sowie Teilflächen der Westlichen Bahnstadt, namentlich der Zentrale Omnibusbahnhof und das Gelände Gleis 13, zu dem der Bahnhofsvorplatz und das ehemalige Güterbahnhofsareal zählen. Das Gebiet soll durch eine Neubebauung neu geordnet werden. Damit die Klimaziele des Bundes – möglichst unter Ausnutzung erneuerbaren Energien – realisiert werden können, wurden in einer Kooperationsvereinbarung mit der Internationalen Bauausstellung Stadt Region Stuttgart 2027 (IBA) zahlreiche Ziele festgelegt. Dazu zählt die Ausführung aller Gebäude in Niedrigenergiebauweise. Genutzt werden sollen CO2-freie Energiequellen vor Ort, PV-Energie und thermische Solarenergie sowie passive Heizung und Kühlung. Eine Erweiterung der Wärmeerzeugungsanlage soll vorrangig mit nichtfossilen Energieträgern wie Biomasse und grünem Wasserstoff erfolgen, heißt es in der Vorlage der Verwaltung. Auch die vorhandenen Blockheizkraftwerke sollen künftig mit Erneuerbaren betrieben werden. Als ersten Schritt vergibt die Stadt Nürtingen auf dem Areal der Östlichen Bahnstadt vier Baufelder im sogenannten Konzeptvergabeverfahren. Dabei werden die Grundstücke nicht an die höchsten finanziellen Gebote, sondern an die besten Konzepte vergeben. Entstehen soll ein neues Quartier mit sozialem, nachhaltigem und innovativem Mehrwert für alle Beteiligten.
Gute Konzepte von Bauwilligen sind jetzt gefragt
Konzept
Als ersten Schritt vergibt die Stadt Nürtingen auf dem Areal der Östlichen Bahnstadt vier Baufelder im sogenannten Konzeptvergabeverfahren. Dabei werden die Grundstücke nicht an die höchsten finanziellen Gebote, sondern an die besten Konzepte vergeben. Entstehen soll ein neues Quartier mit sozialem, nachhaltigem und innovativem Mehrwert für alle Beteiligten.
Information Am 6. Juli gibt es Informationen zum Konzeptvergabeverfahren für Wohnungsbauakteure, bestehende Projektgruppen und alle interessierte Personen. Bei der Veranstaltung möchte die Kommune über den weiteren Prozessverlauf informieren und die Vernetzung und Gruppenbildung für die an der Konzeptvergabe interessierten Bürgerinnen und Bürgern fördern.
Partner
Das 8,5 Hektar große Areal ist Teil der regionsweiten Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA). Konzeptvergabe und Baustart sind für 2023 geplant.