Bahnstrecke Waiblingen-Schorndorf 1,5 Stunden statt 30 Minuten zur Arbeit: Pendler verzweifeln an Vollsperrung
Bis zum Samstag gilt die Vollsperrung der Bahnstrecke zwischen Schorndorf und Waiblingen. Wie gehen Pendler mit den Einschränkungen um?
Bis zum Samstag gilt die Vollsperrung der Bahnstrecke zwischen Schorndorf und Waiblingen. Wie gehen Pendler mit den Einschränkungen um?
„Das geht jetzt die ganze Woche so“, sagt eine Pendlerin, die am Montagmorgen in der Grabenstraße am nördlichen Ausgang des Schorndorfer Bahnhofs steht. Der jungen Frau ist am Gesicht abzulesen, was das für sie bedeutet. Die Schorndorferin muss jeden Tag zur Arbeit nach Stuttgart. „Da brauche ich jetzt etwa eineinhalb Stunden hin und eineinhalb Stunden wieder zurück. Ich komme jeden Tag zu spät“, sagt sie. „Und das ist ja nicht die erste Sperrung – es waren bisher schon einige, die mich viel Zeit gekostet haben.“
Ihr Frust sitzt tief. „Wir sind vor rund einem Jahr nach Schorndorf gezogen“, erzählt sie. Da hätten sie gedacht, dass das ja gut klappe mit der Anbindung nach Stuttgart. Mit dem MEX 13 ist man laut Fahrplan, wenn es reibungslos läuft, in einer knappen halben Stunde von Schorndorf am Stuttgarter Hauptbahnhof. Doch es laufe eben immer seltener reibungslos.
Die junge Frau steht mit einigen anderen Wartenden in der Grabenstraße. Dort starten die Busse des Schienenersatzverkehrs. Denn die Bahnstrecke zwischen Schorndorf und Waiblingen ist wegen Bauarbeiten bis 6. Juni dicht. Auch im Regionalverkehr Richtung Aalen fallen die Züge aus.
„Zum Glück ist die Sperrung in den Schulferien“, sagt eine Frau, die auch nach Stuttgart muss. Das mache die Lage entspannter. So finden alle am Montagmorgen hier einen Platz in den Bussen, sie rollen nicht überfüllt los.
Doch in den richtigen Bus einzusteigen, das wird für viele zu einer Nervenprobe. Zwar sind die Busse farblich markiert zur Unterscheidung. Aber alle Busse fahren von der gleichen Straßenseite ab – die, die Richtung Waiblingen fahren und die Busse, die Richtung Aalen rollen. Das sorgt für Verwirrung bei vielen Fahrgästen. Und dann taucht immer wieder die Frage auf, welche Haltestellen angesteuert werden. Ein Busfahrer löst das ganz direkt: Er steigt aus, breitet die Arme aus und ruft laut in die Menge, wo der Bus ohne Halt hinfährt. „Nach Schwäbisch Gmünd direkt, nach Aalen direkt“, ruft er strahlend. Das sorgt kurz für gute Laune, seine Fröhlichkeit ist ansteckend.
Das ist jedenfalls nicht der Bus, den Renate Trautner aus Esslingen sucht. „Es ist furchtbar“, sagt sie, „ich frage mich, wie ich heute Abend nach Hause komme.“ Sie muss nach Waldhausen zur Arbeit. Als ein Bus schließlich ankommt, der nach Aalen über die ganzen Stationen wie Urbach, Plüderhausen, Waldhausen, Lorch, Schwäbisch Gmünd, Böbingen und Mögglingen rollt, hebt sie die Arme hoch vor Erleichterung und steigt ein.
Robert Schiek kann es gelassener angehen. Er trifft sich am Stuttgarter Marienplatz zum Wandern mit einem Bekannten auf dem Blaustrümpflerweg. Mit dem Schienenersatzverkehr habe er noch wenig Erfahrung, aber er ist zuversichtlich. Aber von anderen Fahrten mit der Deutschen Bahn wisse er, dass immer wieder mit Änderungen zu rechnen sei: „Man braucht keinen Abenteuerurlaub, man kauft ein Ticket bei der Bahn“, bringt er seine Erfahrungen auf den Punkt.
„Im Internet kann ich nicht sehen, dass es auch einen Schnellbus nach Waiblingen gibt“, sagt eine Frau. Sie sie ist genervt von mangelnder Kommunikation. Warum wird nicht der Direktbus ausgewiesen und nur der Bummelbus für die S-Bahn der Linie 2?
Apropos Kommunikation: Da gibt auch ein Fahrer von Bus-Fischle einen Tipp. Leider sei vorab nicht darauf hingewiesen worden, dass Bauarbeiten in der Endersbacher Ortsmitte gestartet seien. So müssten die Fahrer nun eine andere Route nehmen.
Ein Mann rennt indes hektisch von Bus zu Bus und fragt, ob er einsteigen kann. Er möchte nach Weiler/Rems. Der Busfahrer antwortet mit „Waiblingen“ und nennt das Ziel der Fahrt. Durch das Missverständnis steigt der Mann nicht ein – und der Bus fährt ohne ihn los.
Die beiden Reisendenlenker haben einiges zu tun und stehen hier in zwei Schichten. Verzweifelt ist eine Frau hier gelandet, die nach Nürnberg und dann weiter nach Berlin will. In Waiblingen habe sie leider nicht erfahren, wie es für sie weitergehe. Nun nimmt sie den Schnellbus nach Aalen und muss mit sehr viel mehr Reisezeit rechnen.
Es ist nicht die erste Vollsperrung, die die Pendler im Remstal durchmachen müssen. Manche Sperrungen gingen wochenlang oder gar monatelang.
Noch bis 6. Juni dauern die Bauarbeiten: In Grunbach werden laut Bahnsprecher Arbeiten am Bahnsteigdach und der Bahnsteigbeleuchtung erledigt. In Schorndorf werden Arbeiten an den Bahnsteigen ausgeführt. Für den Digitalen Knoten Stuttgart werden in Waiblingen Teile der Oberleitungsanlage neu geordnet. Außerdem wird in Schwäbisch Gmünd an der Verstärkung einer Eisenbahnbrücke mit Stahlelementen und in Essingen an der Erneuerung von Durchlässen gearbeitet.
Die S2 fährt in dieser Zeit nur zwischen Waiblingen und Filderstadt, die Züge RE1 und MEX13 fallen auf der Passage von Aalen bis Stuttgart aus. Und die IC-Linie 61 Karlsruhe–Stuttgart–Nürnberg wird umgeleitet. Infos unter www.s-bahn-stuttgart.de und www.arverio-bw.de.