Wie erleben Pendler den ersten Tag der Streckensperrung zwischen Fellbach und Bad Cannstatt? Wir haben uns umgehört.

Rems-Murr: Eva Schäfer (esc)

Die Menschentraube ist so groß, dass klar ist, dass nicht alle in dem Bus Platz haben. Als wirklich keiner mehr reinpasst, schließen sich die Türen, und der völlig überfüllte Bus, in dem die Menschen eng an eng stehen, rollt mit beschlagenen Scheiben von der Waiblinger Dammstraße Richtung Stuttgart. „Ein Bus reicht vorne und hinten nicht“, sagt eine Frau und schüttelt den Kopf. Sie ist eine der Fahrgäste, die draußen bleiben mussten am Montagmorgen. Der Bus des Schienenersatzverkehrs, der den Stuttgarter Hauptbahnhof ansteuert, ist ohne sie losgefahren.

 

Am Montag ist die Vollsperrung der Bahnstrecke zwischen Bad Cannstatt und Fellbach wegen Bauarbeiten gestartet. Daher heißt es für die Pendler wieder: ab in den Ersatzbus. „Ich schaue mir das heute an, ob es funktioniert“, sagt die Frau und fügt gleich an, dass sie Gleitzeit arbeite. Daher könne sie auch etwas gelassener bleiben. Während sie das erzählt, laufen viele im Schnellschritt mit Gepäck und Koffern vorbei, manche rennen und schauen sich suchend um, zu welcher Ersatzhaltestelle sie eigentlich gehen müssen.

Wo geht es weiter? Wie hier am Fellbacher Bahnhof müssen sich Pendler neu orientieren. Foto: Eva Schäfer

„Wie komme ich nach Stuttgart?“, fragt ein Mann im Anzug. An der Dammstraße stehen einige Mitarbeiter der Bahn bereit, um Auskünfte zu geben – auch am Bahnhofsvorplatz helfen sie weiter. Erstmals sind die Busse farblich gekennzeichnet, um die Orientierung zu erleichtern. Der Expressbus und die entsprechende Haltestelle von Waiblingen nach Stuttgart ohne Zwischenhalt ist hellblau markiert, der Bus von Waiblingen nach Cannstatt ohne Zwischenhalt grün. Und die Busse, die zwischen Waiblingen und Stuttgart zudem die S-Bahn-Zwischenstationen, also auch Fellbach, ansteuern, sind rot gekennzeichnet. „Das finde ich hilfreich“, sagt die Reisende.

Das Gedränge ist in Stoßzeiten in Waiblingen groß

Das Gedränge in der Stoßzeit am Montagmorgen ist groß. Immer wenn eine S-Bahn in Waiblingen aus Schorndorf oder Backnang ankommt, geht es eng zu in der Dammstraße. „Wir werden noch mit zusätzlichen Bussen nachsteuern“, sagt ein Bahnmitarbeiter. Der Expressbus nach Stuttgart fährt nur jede Viertelstunde. Er empfiehlt daher, wenn möglich, den Expressbus nach Cannstatt zu nehmen und dort in die Stadtbahn zu steigen. Der Bus rollt tagsüber im Zehn-Minuten-Takt. Immer wieder bittet er Menschen, nicht auf die Straße zu rennen, bei dem Versuch, es noch in den Bus zu schaffen. Die Vollsperrung bedeutet Stress und Zeitverlust für die Pendler. Und viele kennen das schon zu Genüge von anderen Vollsperrungen und Bauarbeiten.

Die Busse des Schienenersatzverkehrs sind je nach Ziel und Haltestellen farblich markiert. Foto: Eva Schäfer

Auch die Fahrt mit dem Auto ist in Stoßzeiten keine wirkliche Alternative

So auch Claudia Kumordzie. „Ich schaue, wie es geht“, sagt die Schorndorferin, die die S2 von Weiler/Rems um 7.21 Uhr nimmt und zum Stuttgarter Börsenplatz zur Arbeit muss. Wenn es gar nicht klappe, mache sie Homeoffice oder nehme das Auto. Wobei letztere Alternative eigentlich keine sei. „Eine Bekannte ist mit dem Auto etwa eine Stunde früher los und hat mir schon mitgeteilt: Fahr’ bloß nicht mit dem Auto. Sie stehe im Stau. Alles ist voll“, sagt sie. Viele hätten sich schon Tage vorher den Kopf zerbrochen, wie sie während der Vollsperrung zu ihrem Ziel kommen. Der Sohn einer Bekannten müsste von Schorndorf zum Albertus-Magnus-Gymnasium im Sommerrain. Er hätte dann gehofft, dass die Eltern Taxi spielen.

„Es ist ein Drama“, sagt Claudia Kumordzie. Sie pendle täglich, habe ein Deutschlandticket und schätze eigentlich das Bahnfahren. Denn dann müsse sie sich nicht auf den Irrsinnsverkehr konzentrieren. Doch die mangelnde Zuverlässigkeit sei eine große Belastung. Und wie zum Beweis, hat die S2 jetzt fünf Minuten Verspätung. Der Umstieg auf den Expressbus nach Stuttgart werde wieder knapp. Obendrauf hält die S2 nicht wie sonst auf Gleis 3, sondern auf Gleis 5, sodass sie über die Unterführung einen weiteren Weg zur Dammstraße gehen muss. Die Aussichten auf Besserung seien leider auch nicht vorhanden. Für Pendler aus der Region bedeute das Großprojekt Stuttgart 21 eine Dauerbelastung und sei wirklich keine gute Idee gewesen.

In der Waiblinger Dammstraße geht es dann gegen 9 Uhr entspannter zu. Abseits der Stoßzeiten gibt es Platz in den Bussen. Auch in dem, der Fellbach ansteuert. Der hält am Bahnhofsvorplatz – wer von Fellbach Richtung Waiblingen möchte, steigt in der Haltestelle in der Schaflandstraße auf der Rückseite des Bahnhofs ein.

Manche, die nicht laufend Bahn fahren, müssen sich grundsätzlich orientieren. Wer auf das Gleis Richtung Stuttgart in Fellbach geht, merkt, dass sich da nichts tut. Die S3 fährt nur alle 30 Minuten und fährt nur zwischen Backnang und Fellbach von Gleis eins.

Funktionierende Toiletten müssen noch geordert werden

Nachgesteuert soll laut einem Bahnmitarbeiter auch in einer anderen Sache: Am Montagmorgen fragten einige Fahrgäste, ob es denn keine funktionierende Toilette am Waiblinger Bahnhof gebe. Auch ein Busfahrer des Schienenersatzverkehrs gab zu Bedenken, dass es weder in Waiblingen noch in Cannstatt funktionierende Toiletten gebe. „Wir haben vier Dixi-Toiletten geordert“, hieß es dann vonseiten der Bahn. Doch das brauche noch ein bisschen, bis die in dem Verkehr dann am Platz seien.

Drei Wochen dauern die Bauarbeiten mit der Sperrung der Strecke Bad Cannstatt-Fellbach – sie enden am Sonntag, 21. Dezember, 4 Uhr. Der Schienenersatzverkehr ist in der VVS-App eingepflegt. Infos auch unter www.s-bahn-stuttgart.de.